Zusätzliche Sprechzeiten: Ambulante Suchtberatung informiert über neue Angebote

Bietet kreisweit kostenlose und vertrauliche Beratung an: Das Team der ambulanten Suchtberatung des Landkreises. Leiterin Dr. Melanie Thomschke bespricht mit dem neuen Mitarbeiter, Dipl.-Sozialpädagoge André Schulze, das neue Angebot: Gesonderte zusätzliche Sprechzeiten für Crystalkonsumenten. (Foto: Landkreis)

Crystal Meth oder in der Szene oftmals auch nur kurz „C“ genannt, ist ein ernstzunehmendes Problem im Süden des Landes Brandenburg. Auch die Zahlen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, speziell der letzten vier Jahre, sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache. Um dieser Betroffenengruppe zusätzliche Hilfen zu ermöglichen, wurde durch Finanzierung des Landes Brandenburg und des Landkreises eine zusätzliche Personalstelle im Bereich der Suchtberatung geschaffen. Durch diese Kapazitätserweiterung ist es möglich, nunmehr gesonderte Sprechzeiten ausschließlich für Crystalkonsumenten anzubieten.

 

Diese finden in den Räumlichkeiten der ambulanten Suchtberatung des Landkreises im Gesundheitsamt, 1. OG, Zimmer 120, in der Großenhainer Straße 62 in Senftenberg statt und werden durch den neuen Mitarbeiter, Dipl.-Sozialpädagoge André Schulze, geleitet. Zusätzlich zu den normalen Sprechzeiten (Dienstag 9-12 und 13-18 Uhr; Donnerstag 9-12 und 13-17 Uhr) und den Außensprechstunden in den Kommunen wird das neue, ergänzende Angebot für Crystalkonsumenten nunmehr jeden Dienstag 16-18 Uhr und Freitag von 10-12 Uhr unterbreitet.

„Dadurch kann die ambulante Suchtberatungsstelle des Landkreises diesen Hilfesuchenden ein individuelleres und engmaschigeres Beratungsangebot ermöglichen“, erklärt Dr. Melanie Thomschke, Leiterin der ambulanten Suchtberatung und des sozialpsychiatrischen Dienstes der Kreisverwaltung. Aufgrund des starken Abhängigkeitspotentials von Crystal Meth und dessen spezieller Wirkung – dem in der Regel apathischen Verhalten nach Konsum – sind oft nur begrenzte Zeitfenster für motiviertes Handeln der Betroffenen gegeben. „Die Akutsprechzeiten können spontan genutzt werden, es ist keine vorherige Terminvergabe notwendig“, betont die Expertin. Die Beratungsgespräche sind für die Nutzer – meist Betroffene oder deren Angehörige – kostenlos und werden vertraulich im Sinne des Datenschutzes geführt.

Neben den zusätzlichen Sprechstunden gibt es eine weitere Neuerungen im Bereich der Suchtberatung: So ist ein E-Mail-Service als neue Dienstleistung hinzugekommen. UnterSuchtberatung@osl-online.de können Hilfesuchende ab sofort online Kontakt zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufnehmen und Rat und Hilfe einholen.

Ebenso wurde die Kooperation mit dem Zentrum für Psychosoziale Gesundheit am Klinikum Niederlausitz in Senftenberg ausgebaut. Hier ermöglicht die ambulante Suchtberatung jeden Mittwoch auf der Station für Suchterkrankte ein Erstkontaktangebot für die Patienten der Abteilung. Weiterhin können sich die Patienten im Rahmen des schon langzeitig etablierten monatlichen Gruppenangebotes im Klinikum über die Möglichkeiten der Suchtberatungsstelle informieren. „Hierdurch möchten wir den Patienten neben den Angeboten der Klinik auch Nachbetreuungsmöglichkeiten des Landkreises aufzeigen“, so Dr. Melanie Thomschke.

Weitere Informationen zur ambulanten Suchtberatung, die Kontaktdaten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Hinweise zu weiteren Hilfsangeboten und Partnern gibt es online auf der Internetseite der Kreisverwaltung www.osl-online.de im Bereich Bürgerportal A bis Z/Gesundheit. Informationen können auch dem in medizinischen Einrichtungen und Behörden ausliegendem Flyer entnommen werden.

Hintergrund Crystal Meth:

 

Die Ambulante Suchtberatung des Landkreises OSL konnte im Zeitraum von 2009 bis 2016 einen deutlichen Anstieg der Beratungsfälle im Zusammenhang mit Crystal Meth, konkret von 21 auf 151, verzeichnen. Die Zahl der tatsächlich Betroffenen im Landkreis, die das Angebot der Ambulanten Suchtberatung nicht wahrnehmen und daher in der Statistik nicht erfasst sind, dürfte insgesamt jedoch weitaus höher liegen.

Aufgrund der anfänglich angstlösenden und leistungssteigernden Wirkweise  -„Alles macht plötzlich wahnsinnig viel Spaß; Müdigkeit, Hunger und Schmerz sind wie weggeblasen“ – können oder wollen die Konsumenten vorerst nicht realisieren, wie schnell sie sich in die Suchtspirale begeben oder sich schon nach sehr kurzer Zeit Alltagssituationen ohne Konsum nicht mehr vorstellen können. Viele Nutzer glauben gerade in der Anfangsphase, sie hätten den Konsum unter Kontrolle und sind geradezu überwältigt von den vermeintlichen Vorzügen der Droge. So kommt es, dass die Betroffenen erst sehr spät den Weg in Helfersysteme wie Kliniken, Suchtberatungen etc. finden. Oft mit bereits deutlichen seelischen, sozialen und körperlichen Folgeschäden.

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