Wiederherstellung der Außenanlagen am Marmorpalais abgeschlossen

Goldenes Finale

Zum Abschluss der Wiederherstellung der Außenanlagen am Marmorpalais ermöglichte die Cornelsen Kulturstiftung die Restaurierung kostbarer schmiedeeiserner Treppengeländer

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hat die Ufermauer sowie das Nord- und Südparterre am Marmorpalais im Potsdamer Neuen Garten wiederhergestellt und damit ein weiteres Sanierungsprojekt im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms 1 (Masterplan) abgeschlossen. Dank der großzügigen Unterstützung durch die Cornelsen Kulturstiftung konnten zudem die vergoldeten Geländer der Außentreppen des Marmorpalais restauriert und wieder montiert werden. Die unmittelbare Umgebung des Hauses ist nun wieder in ihrer ursprünglichen Schönheit mit Bäumen, Rasenspiegeln, Blumenbeeten, Kübelpflanzen, Fontänen und architektonischen Elementen zu erleben.

Möglich wurden die im Juni 2015 begonnenen und im Frühjahr 2018 abgeschlossenen Baumaßnahmen durch das Sonderinvestitionsprogramm 1 für die preußischen Schlösser und Gärten (Masterplan), das der Bund (Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) sowie die Länder Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) und Berlin (Senatsverwaltung für Kultur und Europa) für die Jahre 2008 bis 2017 zur Rettung bedeutender Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft aufgelegt hatten. Die Gesamtkosten für die Sanierung der Außenanlagen am Marmorpalais beliefen sich auf 1,9 Millionen Euro.

Die Baumaßnahmen
Die Wiederherstellung der Außenanlagen umfasste die Instandsetzung der großen Freitreppen auf der Nordseite und der Ufermauer mit den Ufertreppen, die direkt hinunter ans Wasser des Heiligen Sees führen sowie die Uferpodeste, die in königlichen Zeiten als Bootsanleger dienten. Ebenso wurden die Außentreppen am Hauptbau und Südflügel des Marmorpalais, der Marmorfußboden des Altans und sämtliche Holzfenster des Kellergeschosses saniert.

Ufermauer
Die Natursteinmauer aus sächsischen Sandsteinblöcken mit ihrer Balustrade aus schlesischem Marmor wurde aufwendig restauriert. Die Witterung hatte der Ufermauer und der Balustrade stark zugesetzt. Hinzu kamen Salzschäden und Krustenbildungen aufgrund der ständigen Durchfeuchtung. Zur Sicherung der Standsicherheit wurde das Fundament abschnittweise unterfangen. Fehlstellen im Naturstein wurden mit Vierungen oder Antragungen wieder ergänzt. Die Verfugung der Sandsteinblöcke ist insgesamt erneuert worden, das figürliche Relief auf der Südseite wurde konserviert. Die Marmor-Baluster wurden sorgsam gereinigt und anschließend geschlämmt. Verlorene Baluster der Treppengeländer und der Balustrade sind durch neue Elemente ersetzt worden, die nach originalem Vorbild angefertigt wurden.

Treppen
Die Blockstufen und Podestplatten der nördlichen Frei- und beider Ufertreppen samt Bootsanleger waren nicht mehr betretbar, weil sie zum großen Teil aus ihren ursprünglichen Positionen verschoben waren. Der gesamte Bereich bedurfte umfangreicher Reparaturen. Die Stufen wurden vollständig aufgenommen und nach der Herstellung eines neuen tragfähigen Unterbaus wiederverlegt. Die Uferpodeste, die zum Teil nur noch fragmentarisch erhalten waren, sind komplett wiederhergestellt worden. Dabei wurden die fehlenden Platten und Einfassungen materialgetreu in Sandstein ergänzt. Die südliche Freitreppe war bereits 1997 instandgesetzt worden.

Neben den Freitreppen am See wurden auch die Außentreppen am Hauptbau des Schlosses repariert bzw. wiederaufgebaut. Dazu mussten der Marmorbelag und die Treppenstufen zunächst vollständig abgebaut werden, um das darunterliegende Mauerwerk des Kellergewölbes von oben abzudichten. Anschließend wurde alles wieder an Ort und Stelle gesetzt, Fehlstellen mit Vierungen ausgebessert und alle Fugen neu vermörtelt. Für die Treppe auf der Nordseite musste zudem ein großes Eckteil aus Marmor neu angefertigt werden und die tragende Konstruktion unter den Stufen neu auf gemauert werden.

Kellerfenster
Auch die Fenster des Kellergeschosses waren in keinem guten Zustand. Morsche Hölzer der Rahmen und Flügel wurden ausgebessert, die Beschläge nachjustiert und anschließend ein neuer Anstrich auf Leinölbasis aufgetragen.

Nord- und Südparterre
Auf der Grundlage historischer Pläne und Fotografien aus der Zeit um 1880 erfolgte die gartendenkmalpflegerische Wiederherstellung der beiden Parterres nördlich und südlich des Hauptbaus. Rasenspiegel und Blumenbeete wurden angelegt sowie 2016 im Innenhof und auf dem Südparterre 4 Pyramidenpappeln und 3 Robinien an ihren – bereits vor und während der Bauzeit des Marmorpalais nachweisbaren – ursprünglichen Standorten nachgepflanzt.

Filigrane Handwerkskunst

An allen im Laufe des 19. Jahrhunderts angefügten Außentreppen des Marmorpalais gab es vergoldete Geländer mit aus Kupfer gefertigten und farbig gefassten Handläufen. Stilistisch orientierten sie sich an den Geländern des Belvederes auf dem Dach des Hauptbaus und des Treppenhauses im Inneren. Die Geländer umfassten jeweils die Podeste und die in Rundungen endenden Treppen. Ornamentik und Größe der schmiedeeisernen Gitterfelder waren typisiert, die Verbindungen zwischen den Zierelementen genietet, die Pfosten in der Natursteintreppe sowie im Mauerwerk verankert. Die Geländer mussten Ende der 1980er Jahre demontiert und deponiert werden.

Im Zuge der durch die Cornelsen Kulturstiftung geförderten Restaurierung wurden Korrosionsschäden beseitigt und Elemente, die nicht dem originalen Erscheinungsbild entsprachen (wie z. B. stählerne Handläufe, Abstandshalter, Verankerungspunkte, Maschinenschrauben) entfernt. Gelöste Verbindungen wurden nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Die Geländerfelder wurden vor Ort ausgerichtet. Anschließend erfolgte die Montage mit rekonstruierten Verankerungsstücken durch Verbleiung. Nach dem Aufbringen des Korrosionsschutzes sowie zweier Zwischen- und zweier Decklackschichten wurde für die Hochglanzvergoldung das Kölner Instacoll System auf Acrylbasis eingesetzt.

Um Kontaktkorrosion künftig zu verhindern, wurden fehlende Handläufe wurden aus Stahl nachgefertigt. Etwa 12,60 m der originalen Handläufe konnten am Geländer der Treppe des Südflügels replatziert werden. Die Beschichtung dieser Handläufe wurde unter der Maßgabe ausgeführt, die Bestandsfassung so weit wie möglich zu erhalten.

Wie bereits mit Blick auf das Belvedere deutlich wird, sind die vergoldeten Geländer für den Gesamteindruck des Marmorpalais essentiell. Die filigrane Handwerkskunst der Geländer gehörte zur ursprünglichen Gestaltung des Ensembles, die jetzt wiedergewonnen werden konnte.

Das Marmorpalais
König Friedrich Wilhelm II. (1744-1797) ließ das Marmorpalais von den Architekten Carl von Gontard (1731-1791) und Carl Gotthard Langhans (1732-1808) von 1787 bis 1793 auf einer Terrassenanlage am Ufer des Heiligen Sees errichten. Das mit schlesischem Marmor verkleidete Bauwerk war das erste und einzige preußische Königsschloss im Stil des Frühklassizismus. Nach 1797 wurde die Sommerresidenz um zwei eingeschossige Seitenflügel durch Michael Philipp Boumann (1747-1803) erweitert.

1961 wurde hier das Deutsche Armeemuseum eingerichtet. Die Nationale Volksarmee (NVA) plante seit 1984 eine grundlegende Instandsetzung, die 1988 begonnen und 1990 nach der Rückgabe an die Schlösserverwaltung von dieser fortgeführt wurde. Seit April 2006 sind alle 40 Innenräume restauriert und für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Fassade wurde nach mehrjährigen Restaurierungsarbeiten im Herbst 2009 fertiggestellt.

Das Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan)
Mit dem Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan) haben der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg bedeutende Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft vor dem Verfall gerettet. Das Abkommen sah vor, dass die SPSG bis 2017 insgesamt 155,03 Millionen Euro in die Wiederherstellung nationaler Kulturgüter zusätzlich investieren konnte. Der Bund trug 77,5 Millionen Euro (50 Prozent) bei, das Land Brandenburg 53 Millionen Euro (2/3 von 50 Prozent) und das Land Berlin 24,53 Millionen Euro (1/3 von 50 Prozent). Im Jahr 2018 konnte überdies das zweite Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan, SIP 2) starten. Durch dieses 400 Millionen Euro umfassende Abkommen zur Fortsetzung des SIP 1 kann die SPSG bis 2030 insgesamt 400 Millionen Euro zusätzlich in die Rettung nationaler Kulturgüter investieren. Der Bund stellt 200 Millionen Euro zur Verfügung, auf das Land Brandenburg entfallen 131 Millionen Euro und auf das Land Berlin 69 Millionen Euro. Die Vorbereitungen für die ersten Vorhaben laufen. In den kommenden fünf Jahren sollen ca. 25 von insgesamt 60 Projekten begonnen bzw. umgesetzt werden.

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