Weltspiegel – Auslandskorrespondenten berichten – Am Sonntag, 11. November 2018, 19:20 Uhr vom WDR im Ersten

Geplante Themen:

Frankreich: 100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs
Staats- und Regierungschefs aus aller Welt wollen sich auf der großen Gedenkfeier zum Ende des Ersten Weltkrieges in Paris die Hände reichen. Doch Folgen des großen Krieges sind heute noch zu spüren. Landwirt Cédéderique Servais musste 30 Rinder und Kälber notschlachten, Mais und Getreide einer ganzen Ernte vernichten, weil die Erde stark kontaminiert ist mit Blei, Arsen, Zink und TNT. Sein Hof liegt in Spincourt, ein Dorf, nicht weit entfernt von Verdun. Erst vor drei Jahren hat man begonnen, die Böden zu untersuchen. Munitionsfabriken standen hier, zwischen 30.000 und 40.000 Granaten und chemische Kampfstoffe wurden zwischen 1919 und 1924 entschärft und vernichtet. Die Spuren des Krieges sind auch heute noch präsent.
Autorin: Sabine Rau /ARD Studio Paris

Italien: Vertreibung aus dem Paradies
Seit genau 20 Jahren versucht Domenico „Mimmo” Lucano, der Bürgermeister des kalabresischen Dorfes Riace, den Ort in einen für Frieden und Integration zu verwandeln. Auch damit der Ort nicht ausstirbt, hat er dieses Konzept entwickelt. Weltweit gefeiert, mehrfach ausgezeichnet – Riace hat Schlagzeilen gemacht. Doch seit 2017 ist der Bürgermeister ein Dorn im Auge der Regierung – warum? Ja, er hat vielleicht Fehler bei einem Vergabeverfahren gemacht, Lucano habe eine Scheinehe unterstützt – die Vorwürfe sind mannigfaltig, aber er hat sich auch stets der ‚Ndrangheta widersetzt. Doch der derzeitige Innenminister Matteo Salvini hat die Situation genutzt, Lucano zu kriminalisieren und das Projekt Riace endgültig zu beenden. In diesen Tagen werden alle Flüchtlinge in Camps gebracht. Die Flüchtlinge haben Angst und viele Einheimische haben die Sorge, dass aus dem weltberühmten Dorf Riace in Kürze wieder ein totes Dorf wird, für das sich niemand mehr interessiert und das damit
ausstirbt.
Autorin: Ellen Trapp / ARD Studio Rom

Ghana: Mit Schrott in die Zukunft
Lkw-Cockpits werden zu Wohnzimmern, aus Booten werden Dächer. Ein Ort der Kreativität, die Elektroschrotthalde in Accra. Man nennt sie auch „Hölle auf Erden”: Gefährlich, giftig, gesundheitsschädlich. Illegal landen hier Altgeräte aus Europa – Schrottplatz Afrika. Doch die Menschen, die dort leben und arbeiten, machen das Beste daraus: Sie handeln, gestalten, reparieren, basteln, erfinden neu. Alle blicken sie nach vorn, ohne zu klagen. Genau wie Joseph Kogo: Er produziert Kochtöpfe aus Elektromotoren und Aluminiumteilen. Eine Knochenarbeit, die aber seine Familie ganz gut ernährt. Ein kluger Kopf und nicht der einzige, der froh ist über seine Arbeit an diesem „Höllenort”. Niemand hier empfindet das Leben als ungerecht.
Autorin: Sabine Bohland / ARD Studio Nairobi

Färöer: Vorfreude auf den Brexit
“Früher waren wir naiv und verstanden uns nicht so gut aufs Geschäft wie die Dänen. Jetzt haben wir es gelernt.”, sagt Regin Jacobsen, der Lachs-König der Färöer Inseln. Pro Jahr wächst die Wirtschaft um rund fünf Prozent, auch junge Leute sehen wieder eine Perspektive. Die Färöer gehören zu Dänemark, sind aber nicht Teil der EU und müssen sich u.a. nicht an die Russland-Sanktionen halten. 30 Prozent ihres Fisch-Exports geht nach Russland, Tendenz steigend. Kritik prallt an den selbstbewussten Färingern ebenso ab, wie die gegen die jährliche Grindwal-Jagd. Und jetzt setzen die Insulaner auf den Brexit. Der soll kommen, sobald als möglich, dann könnte auch der Handel mit dem Vereinigten Königreich ausgebaut werden, so jedenfalls der Plan.
Autor: Christian Stichler / ARD Studio Stockholm

Ukraine: Der Traum vom Kuppelhaus
Früher war er Computerspezialist in der Nähe von Donezk. Heute baut Adrij Piwowarow Kuppelhäuser. Nach seiner Flucht aus der umkämpften Ostukraine ist das seine Leidenschaft. Günstigen Wohnraum für ukrainische Familien will er damit schaffen. Gemeinsam mit seinem Kumpel Mischa war er selbst obdachlos geworden. „Und”, fragt Andrij, „wie fliehen Menschen nun mal? Mit zwei Tüten, einem Kater unterm Arm und los!” Jedes Haus sollte nicht mehr als 4.500 Euro kosten, damit es sich geflüchtete Ukrainer leisten können. Die ersten Familien sind bereits eingezogen, die Auftragslage für weitere Häuser stimmt. Krieg und Flucht sind nicht vorbei. Am 11. November wählen die selbsternannten prorussischen Volksrepubliken Donezk und Lugansk.
Autor: Demian von Osten / ARD Studio Moskau

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