„Soldat und Zivilist zugleich“ – Die Einsatzwehrverwaltung in Incirlik

Seit Dezember letzten Jahres ist das deutsche Einsatzkontingent Counter Daesh gegen die IS-Terrormiliz im Einsatz. Von der türkischen Luftwaffenbasis starten die deutschen Flugzeuge zur Aufklärung der besetzten Gebiete des sogenannten „Islamischen Staates“ und zur Luftbetankung von Kampfflugzeugen der Koalitionspartner über dem Irak und Syrien. Eine tragende Stütze für die Durchführung dieser Einsätze ist die Einsatzwehrverwaltung.

Oberst Stefanie L. führt die Einsatzwehrverwaltungsstelle in Incirlik

Oberst Stefanie L. führt die Einsatzwehrverwaltungsstelle in Incirlik (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Für fast jedes Einsatzgebiet der Bundeswehr werden vor Ort Einsatzwehrverwaltungsstellen eingerichtet. Sie entlasten die Soldaten und übernehmen zum Beispiel alle finanziellen Angelegenheiten des jeweiligen Kontingents.

Der Einsatzwehrverwaltung in Incirlik gehören zurzeit zehn Soldaten an. Einige von ihnen sind Beamte der Bundeswehrverwaltung und leisten freiwillig Dienst im Einsatzland. Für den Einsatzzeitraum tragen sie ihren Amtsbezeichnungen entsprechende Dienstgrade und auch eine Uniform. Geleitet wird die Dienststelle von Oberst Stefanie L. „Dieser Einsatz ist als Führungskraft eine sehr interessante und tolle Erfahrung für mich. Als Leiterin dieser kleinen Ortsbehörde kann ich die Dinge des Lebens mal wieder aus einer anderen Sicht betrachten – mit all den Sorgen und Nöten des Einsatzkontingentes“, erklärt die 42-Jährige. In Deutschland arbeitet die Leitende Regierungsdirektorin beim Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen (BAIUDBw) in Bonn und führt dort das Referat -Bauen im Einsatz-.

Vielfältige Aufgaben

Die dringend benötigten Büroräume werden gebaut

Die dringend benötigten Büroräume werden gebaut (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Die Aufgaben einer Einsatzwehrverwaltung sind vielfältig und fordernd. Neben der Deckung des alltäglichen Bedarfs gilt es auch viele Besonderheiten zu meistern. „Wir unterstützen die Soldaten, in dem wir für optimale Rahmenbedingungen sorgen. So stellen wir die Verpflegung und die Unterbringung aller Soldaten sicher“, sagt Oberst L. Gerade die Unterkunftssituation auf der Base stellt einen Kapazitätsengpass dar. Zahlreiche Soldaten aus den unterschiedlichsten Nationen müssen irgendwie untergebracht werden. „Diese ständigen Umplanungen haben bei uns schon ein paar ‚graue Haare‘ verursacht“, blickt sie zurück.

„Shopping Queen“ – Oberstabsfeldwebel Sibylle H. überprüft offene Rechnungen

„Shopping Queen“ – Oberstabsfeldwebel Sibylle H. überprüft offene Rechnungen (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Zudem kümmert sich ihr Team auch um die einsatzrelevanten Liegenschaftsflächen und -einrichtungen, die dem deutschen Kontingent von Seiten der 10. Tanker Division der türkischen Luftwaffe und der 39. Air Base Wing der U.S. Air Force zur Verfügung gestellt wurden. Dazu gehört auch die Bezahlung von Strom- und Verpflegungsrechnungen. „Zusätzlich sind wir für die Ausschreibung und den Abschluss von Verträgen mit örtlichen Firmen verantwortlich“, berichtet die Beamtin weiter. „Für alle Dienstleistungen, wie Trinkwasserlieferungen und die Gebäude- oder Textilreinigung werden Verträge abgeschlossen. Dadurch haben wir zahlreiche Kontakte und stellen auch ein Bindeglied zwischen dem deutschen Kontingent und dem multinationalen Umfeld auf der Incirlik Air Base dar“, so Stefanie L. weiter.

Eigene Dienststelle im deutschen Kontingent

Sibylle H. spricht sich immer wieder mit den Logistikern des Kontingents ab

Sibylle H. spricht sich immer wieder mit den Logistikern des Kontingents ab (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Die Einsatzwehrverwaltung ist dabei eine eigene Dienststelle im deutschen Einsatzkontingent Counter Daesh, um die Trennung zwischen Bedarfsträger und Bedarfsdecker – also die organisatorische Aufteilung zwischen Truppe und Verwaltung – auch im Einsatz zu gewährleisten. So entsteht eine Art „Vier-Augen-Prinzip“, um die bestmögliche Effizienz zu gewährleisten. Das zehnköpfige Verwaltungsteam deckt unter anderem die Bereiche Finanzen, Rechnungsführung, Zahlstelle und Dezentrale Beschaffung ab. In Incirlik ist zudem ein Baubüro innerhalb der Einsatzwehrverwaltungsstelle eingerichtet

„Shopping-Queen“

Für Sibylle H. ist es bereits der zehnte Einsatz

Für Sibylle H. ist es bereits der zehnte Einsatz (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Einen interessante Aufgabe hat der Bereich Dezentrale Beschaffung. Oberstabsfeldwebel Sibylle H. ist für den Einkauf von Material zuständig, das nicht über den Dienstweg aus Deutschland geliefert werden kann und als Sofortbedarf vor Ort beschafft werden muss. „Ich bin bereits zum zehnten Mal im Einsatz und habe dabei einiges dazugelernt. Der Bedarf ist stets sehr umfangreich und vielfältig. Von Büromaterial, über Kühlschränke, bis hin zu Desinfektionsmitteln und Möbeln wird alles über mich beschafft. Bisher habe ich noch alles besorgen können, was durch das Einsatzkontingent benötigt wurde“, sagt die 55-Jährige. Intern werde sie auch gerne Mal „Shopping-Queen“ genannt.

„Bei meinen vielen Einsätzen habe ich unsere Tätigkeit in der Einsatzwehrverwaltung immer als etwas ganz Besonderes wahrgenommen. Wir verstehen beide Seiten, da wir zugleich Soldaten und Zivilisten sind“, erklärt Sibylle H. ihre Aufgabe. In Deutschland arbeitet sie als Regierungsamtsinspektorin auch im Bereich Dezentrale Beschaffung in einem Bundeswehr-Dienstleitungszentrum.

Das Baubüro

Bei den Planungen im Baubüro für die Infrastrukturmaßnahmen auf der Incirlik Air Base

Bei den Planungen im Baubüro für die Infrastrukturmaßnahmen auf der Incirlik Air Base (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Das Baubüro hat in diesem Einsatz aktuell eines der wichtigsten Projekte zu realisieren. Derzeit stützt sich der operationelle Einsatzflugbetrieb auf eine – durch die türkischen und amerikanischen Partner – befristet bereitgestellte Infrastruktur ab, solange diese Bereiche nicht zur eigenen Nutzung benötigt werden. „In den letzten Monaten haben wir umfassende Vorbereitungen und Abstimmungen mit den Partnernationen durchgeführt. Eine eigene Flugbetriebsfläche zum Abstellen und zur Wartung unserer Flugzeuge würde die Gesamtsituation entspannen“, erklärt Oberstleutnant Reiner B., der das Baubüro leitet. Er ist auch in Deutschland Uniformträger, arbeitet ebenfalls beim BAIUDBw in Bonn, wo er sich um die Infrastruktur von Luftwaffenflugplätzen im Inland kümmert.

Aufbau eines Zeltes als Übergangslösung

Aufbau eines Zeltes als Übergangslösung (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

„Als Interimslösung haben wir bereits zwei Tornadozelte aufbauen können, so werden die Arbeiten nun in schattenspendenden Zelten durchgeführt. Die Errichtung eines Stabsgebäudes und eigener Unterkünfte für mehrere hundert deutsche Soldaten würden die bestehenden Unterkunftsengpässe entlasten. Eine Realisierung der erforderlichen und geplanten Infrastrukturmaßnahmen wäre hierfür wünschenswert“, erklärt der 47-jährige Stabsoffizier.

Freude auf Zuhause nach fünf Monaten

Das Team Einsatzwehrverwaltung in Incirlik

Das Team Einsatzwehrverwaltung in Incirlik (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

„Das Arbeiten in diesem multinationalen Umfeld ist für uns alle eine äußerst spannende Herausforderung, die sehr viel Spaß macht. Die ersten Monate des Aufbaus waren sehr anstrengend“, resümiert noch einmal die Leiterin, Oberst Stefanie L. „Nach dieser Startphase hat sich nun alles sortiert und die wesentlichen Vorbereitungen im Einsatzkontingent sind für die geplanten Baumaßnahmen abgeschlossen“, sagt sie. Und nach ihrem fünfmonatigen Einsatz freut sie sich nun – da gleichen sich Soldaten und Verwaltungsprofis wieder – erstmal auf die demnächst anstehende Rückkehr nach Hause.


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