Sex im Sozialismus und in der wilden Wendezeit

In verschiedenen Sendungen beleuchtet das MDR-Fernsehen ab 10. April die Themen Sexualität und Sex-Gewerbe im Osten. Los geht’s mit der zweiteiligen Dokumentation „Sex Shop DDR“.

 

Umtriebige Geschäftsleute aus West und Ost erkannten nach dem Mauerfall schnell das Potenzial der Sex- und Erotikbranche im Osten. Beate Uhse überschwemmte die „Noch-DDR“ mit Katalogen für ihren Erotik-Versandhandel, der „Playboy“ präsentierte eine nackte Magdeburger Zahnarzthelferin als erstes  DDR-Playmate. Videotheken und Sex-Shops schossen wie Pilze aus dem Boden. Diese Zeit wirkte auf das Geschäft mit dem Sex wie ein Katalysator.

 

In der neuen zweiteiligen Dokumentation „Sex Shop DDR – Wildwest nach der Wende“ kommen Akteure von damals zu Wort, u.a. der Pornostar Dolly Buster, das DDR-Playmate Anja Kossak und Erotikfilmer Helmut Pöschel. Teil eins der Dokumentation ist am Dienstag, 10. April, 22.05 Uhr, und Teil zwei am Sonntag, 15. April, 22.20 Uhr, im MDR-Fernsehen zu sehen. Im Anschluss an den zweiten Teil wirft Autorin Ina Kolmane Sonntagnacht ab 23.05 Uhr im Film „Sex, Moral und Sowjetmacht“ einen faszinierenden, neuen Blick auf das Leben in der Sowjetunion. Während gleich nach der Oktoberrevolution in Sowjet-Russland eine Ära der sexuellen Freiheit begann, geriet die Situation in den Wirren des Bürgerkrieges bald außer Kontrolle. Syphilis breitete sich aus, Millionen Straßenkinder zogen in marodierenden Banden durchs Land und auch die Zahl mittelloser, alleinstehender Frauen stieg alarmierend an. Das war der Auslöser für eine totale Kehrtwende: Sex wurde wieder stärker auf seine rein reproduktive Funktion reduziert und fristete in den nächsten Jahrzehnten erneut ein schüchternes, kleinbürgerliches Dasein.

 

Mit den Anfängen des Sexgeschäftes nach der Wende in der „Noch-DDR“ beschäftigt sich auch das Magazin „MDR Zeitreise“ in einer Spezial-Ausgabe am Dienstag, 17. April, 21.15 Uhr. Moderator Mirko Drotschmann blickt zurück auf die Zeit zwischen Mauerfall 1989 und Einheit 1990, als in der Sex-Branche auf einmal alles möglich schien und Erotikgroßhändler auf den Ost-Markt drängten. Danach, ab 22.05 Uhr, erzählt „Von Lust & Laster“ auf unterhaltsame Weise deutsch-deutsche Sittengeschichte. Dabei geht es um sexuelle Tabus, um Homosexualität, um Erotik in der Kunst, Doppelmoral und den schwierigen Umgang mit der Prostitution im geteilten Deutschland.

 

Ob es „Pornografie – Made in GDR“ gab, fragen die Filmemacher Lutz Rentner und Frank Otto Sperlich am Dienstag, 24. April, um 22.05 Uhr. Offiziell waren entsprechende Fotos und Filme verboten im real existierenden Sozialismus. Dennoch gab es sie, als Schmuggelware aus dem Westen oder als DDR-Eigenproduktionen, ganz privat gedreht oder auch im Rahmen von VEB-Amateurfilmzirkeln. Bis zuletzt hielt sich auch hartnäckig das Gerücht, dass in der DDR – streng geheim – für harte Devisen Porno-Erzeugnisse für das kapitalistische Ausland produziert werden.

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