Offizielle Stellungnahme der Polizeidirektion West, des Fußball-Landesverbands, des SV Babelsberg 03 und des FSV 63 Luckenwalde zum Pokalspiel

Wie angekündigt, hat die Polizeidirektion West den Polizeieinsatz anlässlich des Pokalfinalspiels am 28.05.2016 in Luckenwalde mit den Verantwortlichen beider Fußballvereine, dem Fußball-Landesverband sowie der Polizeieinsatzleitung nachbereitet.

Zur Veröffentlichung der Nachbereitungsergebnisse sprachen sich alle für eine gemeinsame Stellungnahme aus.

Alle Beteiligten sind sich darüber einig, dass Gewalt gegen Personen oder Sachen in einem Fußballstadion absolut nichts zu suchen haben und nicht tolerierbar sind. Beide Vereine, der Landesverband und die Polizei bedauern, dass es zu verletzten Fans und Ordnern des SV Babelsberg 03 und zu verletzten Polizeibeamten gekommen ist. Ermittlungsverfahren gegen einzelne, gewalttätig gewordenen Fans und eine differenzierte Nachbereitung über den Umfang der Zwangsmittel, die zur Aufrechterhaltung der Sicherheit zum Einsatz kamen, werden derzeit bei der Polizei geführt.

Beide Vereinsvorstände betonten, dass es keine Fanfeindschaft zwischen dem FSV 63 Luckenwalde und der Gastmannschaft aus Babelsberg gibt und dass sich dieses auch nach dem Pokalfinale nicht geändert hat.

Trotzdem gab es im Vorfeld des Spiels Hinweise darauf, dass mit gewalttätigen Aktionen gerechnet werden muss. Ein Raub von Babelsberger Fanutensilien und Eintrittskarten zu diesem Spiel war am 06.05.2016 vorausgegangen. Die örtlich zuständige Polizeiinspektion Teltow-Fläming hatte deshalb mit Unterstützung von Bereitschaftspolizeikräften aus Frankfurt/Oder einen Polizeieinsatz vorbereitet.

Im Vorfeld des Spiels fanden mehrere Sicherheitsgespräche mit den Verantwortlichen von Polizei, Landesverband und beider Vereine statt. Hier wurde sich auf mehrere mögliche Szenarien vorbereitet, wobei ein störungsfreier Spielverlauf und eine friedliche Siegesfeier die von allen gewünschte und wahrscheinlichste Variante war.

In diesen Sicherheitsgesprächen wurde, auf Wunsch des Fußball-Landesverbandes und des Heimvereins vereinbart, dass das Betreten des Spielfeldes durch Fans auch nach dem Spielende nicht zulässig ist.  Diesem Wunsch stimmte am Ende auch der SV Babelsberg 03 zu, um Auseinandersetzungen durch das unmittelbare Zusammentreffen von Babelsberger und Luckenwalder Fans zu vermeiden.

Bis kurz vor Spielende blieb das Spiel, mit Ausnahme von verbotener Pyrotechnik im Babelsberger Fanblock, auch störungsfrei und war von fußballtypischem Fanverhalten geprägt. Absprachegemäß war die Polizei bis dahin nicht im Stadioninneren eingesetzt. Die vereinseigenen Ordner hielten die Ordnung und Sicherheit im Stadion aufrecht. In zwei Durchsagen wies der Stadionsprecher in der zweiten Halbzeit nochmals darauf hin, den Platz, auch nach Spielende, nicht zu betreten.

Kurz vor dem Abpfiff forderte der Sicherheitsverantwortliche für den Babelsberger Fanblock jedoch ausdrücklich die Unterstützung der Polizei an, da mehrere Fans auf die Zäune gestiegen waren. Ein Übersteigen der Zäune und unkontrollierter Zustrom auf den Platz wurden zu diesem Zeitpunkt als sehr wahrscheinlich eingeschätzt.

Die Polizei zog daraufhin vor den Fanblock der Babelsberger Fans auf und zeigte zunächst lediglich Präsenz. Ab diesem Zeitpunkt übernahm die Polizei den Einsatz für den Gästeblock. Auch als erste Babelsberg Fans über den Zaun gestiegen waren und sich im Stadioninneren befanden, wurden diese mit Zusprechen am Betreten des Platzes gehindert und durch die vereinseigenen Ordner beruhigt. Zunächst konnten sogar einige Spieler der siegreichen Mannschaft durch die Polizeikette hindurchgehen und bei ihren Fans am Zaun „abklatschen“ und sich bedanken.

Leider eskalierte dann die Situation, so dass auch Polizeibeamte massiv attackiert wurden. Die genauen Abläufe und Abfolgen wird die Polizei gemeinsam mit dem Verein, an Hand von Videomaterial und anderen Beweismitteln kurzfristig aufarbeiten.

Zur Ahndung dieser Straftaten sowie zur Verhinderung weiterer Gewalt setzten die Polizisten die dafür vorgesehenen Zwangsmittel, wie Schlagstöcke und Reizstoffsprühgeräte, ein. Mit diesen Mitteln gelang es schließlich auch, ein mutmaßlich von Fans geöffnetes Absperrtor wieder zu schließen sowie weiteres Betreten des Innenraums und die damit verbundenen Fanauseinandersetzungen und Angriffe auf Polizeibeamte zu verhindern.

Bedauerlicherweise sind bei den beschriebenen Einsatzhandlungen sowohl Polizisten, Feuerwehrleute aber auch zahlreiche Fans, nach Aussagen der Rettungskräfte, unter anderem auch durch Reizgas, überwiegend leicht verletzt worden.

In der erfolgten Nachbereitung, insbesondere beim SV Babelsberg 03, wurde gegenüber der Polizeiführung beklagt, dass auch zahlreiche Unbeteiligte von dem Reizgaseinsatz betroffen waren. Den Vereinsverantwortlichen wurde durch die Führung der Polizeidirektion West zugesagt, speziell den Einsatz von Zwangsmitteln noch einmal differenziert nachzubereiten. Polizei und Verein waren sich einig darüber, dass Unbeteiligte grundsätzlich nicht von Zwangsmaßnahmen gegen Störer und Straftäter in Mitleidenschaft gezogen werden sollten.

Archibald Horlitz, Präsident des SV Babelsberg 03: „Der Einsatz von polizeilichen Zwangsmitteln als letzte Alternative zur Verhinderung von Gewalt unter Fans und Angriffen auf Polizeibeamte ist unstrittig und generell Linie des Vereins. Unbeteiligte, friedliche Fans dürfen dadurch jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Ich bin mir sicher, dass die, von der Polizei zugesagte differenzierte Nachbetrachtung des Pfeffersprayeinsatzes, eine Wiederholung derartiger Szenen zukünftig verhindern wird. Ich sehe nach der gemeinsamen Auswertung und Aufarbeitung der Vorkommnisse in Luckenwalde die seit Jahren hervorragend gestaltete Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei in Potsdam nicht als gefährdet an. Im Gegenteil zeigt die gemeinsame Vorgehensweise, dass wir es auch in Krisensituationen schaffen, objektiv sowie ergebnisorientiert über das gegenseitige Rollenverständnis und die Aufgaben im Sinne der Stadionsicherheit zu befinden.“

Dirk Heinze, Präsident FSV 63 Luckenwalde: „Durch die Polizei und die Ordner wurde durch Kommunikation versucht, deeskalierend auf die Gästefans einzuwirken. Leider war das nur bedingt erfolgreich, da kurze Zeit später einige, zum Teil vermummte Gästefans die Polizeikette mit Gewalt zu durchbrechen versuchten. Trotz der sehr emotionalen Situation, den Luckenwalder Fans nochmals ein Kompliment  dafür, dass sie sich trotz fehlenden Sicherheitszauns im Heimbereich nicht von der Atmosphäre anstecken ließen und in ihren Blöcken blieben.“

Peter Meyritz, Leiter der Polizeidirektion West: „Wie jetzt offensichtlich wurde, gab es im Vorfeld der Abstimmungen zwischen dem Sicherheitsdienst des SV Babelsberg und der Polizeieinsatzleitung möglicherweise ein kommunikatives Missverständnis darüber, wann die Polizei die Einsatzverantwortung für die Gefahrenabwehr übernimmt. Unstrittig ist jedoch, dass wir bei der Begehung von Straftaten sowie bei Angriffen auf Polizeibeamte oder gegnerische Fans nicht tatenlos zusehen können. Ich bedauere jedoch, dass offenbar auch Unbeteiligte durch den Einsatz von Reizgas betroffen waren. Wir werden bei zukünftigen Lagebewältigungen, die aus der Nachbereitung gewonnenen Erfahrungen einfließen lassen und den Einsatz der Zwangsmittel noch einmal differenziert nachbetrachten.“

Jürgen Lüth, Vertreter des Fußball-Landesverbandes und Mitglied des Sicherheitsausschusses nahm an allen Nachbereitungsgesprächen teil: „Dass der Fußball-Landesverband das Pokalendspiel nicht als „Risikospiel“  eingestuft hat, ist auch aus retrograder Betrachtung nicht zu bemängeln. Der Einsatz der Polizei zur Verhinderung eines gewaltsamen Platzsturms war aus meiner Sicht aber alternativlos. Ich, als direkter Beobachter, bedauere zwar ebenso wenn Zwangsmittel zur Gefahrenabwehr eingesetzt werden müssen, sah am Samstagabend jedoch auch keine andere Alternative um weitere Gewalt zu verhindern.“

Gemeinsam verfasst durch:

Archibald Horlitz, Dirk Heinze, Peter Meyritz, Jürgen Lüth

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