Migrationssozialarbeit wird neu ausgerichtet

Der Landkreis Barnim will in Bernau und Eberswalde eigene Beratungsstellen etablieren, um die Integration von Geflüchteten besser zu begleiten. „Die Flüchtlinge sollen an den Arbeitsmarkt herangeführt werden, um ein selbstständiges Leben ohne soziale Regelleistungssysteme zu führen“, erklärt Barnims Sozialdezernentin Silvia Ulonska das Vorhaben. Konkrete Ziele seien die Integration in Sprache, die Integration in Wohnung sowie die Integration in Arbeit.

Möglich wird dieses Vorhaben durch geänderte Durchführungsbestimmungen zum Landesaufnahmegesetz, die eine Aufstockung der Kostenerstattung vorsehen. Speziell für die Stadt Eberswalde, die die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat, will der Landkreis nun eine personelle und finanzielle Unterstützung aufbauen.

In Bernau soll zudem bis zum Jahresende die Migrationssozialarbeit im Übergangswohnheim Wandlitzer Chaussee 53a entwickelt werden. Um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, haben sich das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) als bisheriger Betreiber des Wohnheimes und der Landkreis Barnim darauf geeinigt, die Einrichtung mit dem Aufbau der Migrationssozialarbeit zum Jahresende dem Landkreis Barnim zu übergeben.

Der Landkreis reagiert damit auf die derzeit geringe Aufnahmesituation von ausländischen Flüchtlingen und Asylbewerbern und somit auf die freien Ressourcen der Kreisverwaltung Barnim.

„Die Mitarbeiter des EJF haben in einer schwierigen Zeit vor Ort qualifiziert und kompetent und unter zeitlichem Druck gearbeitet“, bedankten sich Barnims Landrat Daniel Kurth und Bernaus Bürgermeister André Stahl für die geleistete Arbeit.

Der Landkreis Barnim wird nun mit dem Ausschuss für Gesundheit, Senioren und Soziales und den Beratungsstellen für Migrationssozialarbeit ein Betreiberkonzept für die Bernauer Einrichtung erarbeiten. Erste Kontakte gab es in diesem Zusammenhang mit dem Unternehmerverband Barnim, der sich die Aufnahme einer Berufsausbildung beziehungsweise Arbeit von Flüchtlingen und Asylbewerbern gut vorstellen kann, wenn diese zielgerichtet begleitet werden. Landrat Daniel Kurth sieht in dem Projekt eine Chance, ausländische Flüchtlinge in Arbeit zu bringen, so dass diese sich selbst versorgen können und nicht mehr von den Sozialsystemen abhängig sind. Dazu sei es jedoch wichtig, dass alle Verantwortlichen von Wirtschaft, Kommunen und Willkommensinitiativen mit „ins Boot“ geholt werden.

Die Einrichtungen für ausländische Flüchtlinge und Asylbewerber in Oderberg und Joachimsthal werden auch weiterhin durch das EJF betrieben. Aber auch hier gibt es erste Überlegungen für Nachnutzungskonzepte. Gespräche zwischen Eingliederungs- beziehungsweise Jugendhilfe und dem EJF dazu laufen bereits.

Hintergrund

Nach dem Landesaufnahmegesetz sind die Landkreise und kreisfreien Städte verpflichtet, die nach diesem Gesetz aufgenommenen ausländischen Flüchtlinge und Asylbewerber bei der Bewältigung der insbesondere aus ihrer Aufnahme- und Aufenthaltssituation begründeten besonderen Lebenslagen, angepasst an die jeweilige Wohn- und Unterbringungssituation durch soziale Beratung und Betreuung (Migrationssozialarbeit) zu unterstützen.

Die Aufgabenwahrnehmung der Migrationssozialarbeit umfasst zwei Handlungsbereiche:

  • die unterbringungsnahe soziale Unterstützung und
  • die Migrationssozialarbeit als Fachberatungsdienst.

Bisher gehörten dem zu beratenden Personenkreis nur im Landkreis Barnim lebende Personen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz an. Anerkannte Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis, die im Leistungsbezug des Zweiten beziehungsweise Zwölften Sozialgesetzbuches stehen oder wegen vorhandenem Einkommen gar nicht hilfebedürftig sind, konnten darüber nicht betreut werden.

Die Kreisverwaltung mit Hauptsitz in Eberswalde ist für eine Vielzahl von Aufgaben zuständig. Dazu zählen unter anderem Bauaufsicht, Kommunalaufsicht, Schulverwaltung, Jugendamt, Grundsicherung, Bodenschutz, Gesundheitsamt, Strukturentwicklung und Katasteramt.

Darüber hinaus hat sich der Landkreis zahlreiche freiwillige Aufgaben gegeben. So werden seit Jahren die Nachhaltigkeitsstrategie „Die Zukunft ist erneuer:bar“ und die Bildungsinitiative Barnim verfolgt.

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