MEISTERWERKE non finito. Unerzählt – Ungesehen – Unvergessen

MEISTERWERKE non finito 
Unerzählt – Ungesehen – Unvergessen!

27.10.2018 – 4.11.2018

Filmmuseum Potsdam, Breite Str. 1a/ Marstall, 14467 Potsdam
Kartenreservierung: 0331-27181-12, ticket@filmmuseum-potsdam.de


Was wäre, wenn sich Romy Schneider durch ihre verführerisch-sinnliche Rolle in »Die Hölle« schlagartig vom Sissi-Image gelöst hätte? Oder wenn Henry-Georges Clouzot mit seinen flirrenden Bildern die Nouvelle Vague in den Schatten gestellt hätte? Ob George Lucas »Star Wars« überhaupt noch gedreht hätte, wenn er Alejandro Jodorowskys »Dune« hätte sehen können?
Einige große Wunden der Filmgeschichte würden heute nicht existieren, wenn man doch nur Erich von Stroheim die nötige künstlerische Freiheit, Sergej Eisenstein von Stalins Leine und Orson Welles das nötige Geld gelassen hätte.
Zum UNESCO-Welttag des audiovisuellen Erbes würdigen wir den geheimnisvollen, unsichtbaren Kanon der unvollendeten Meisterwerke. Mit Hilfe von Dokumentationen, die eine Rekonstruktion wagen, mit Neuauflagen und rekonstruierten Fragmenten sowie in Gesprächen und Einführungen werfen wir einen Blick auf eine andere Filmgeschichte und deren Autoren. Wir spüren Filmen nach, die es gar nicht gibt.

Sa., 27.10. | 18.30 Uhr
UNESCO-Welttag des audiovisuellen Erbes
L’Enfer d’Henri-Georges Clouzot
R: Serge Bromberg, Ruxandra Medrea, F 2009, Dok., OmE, 100‘
Regisseur Henry-Georges Clouzot wollte mit halluzinatorischen Aufnahmen von Romy Schneider die Filmsprache revolutionieren. »Die Hölle« sollte sein Film heißen. Und zu dieser wurde die Produktion für die Crew auch – und der Film nie fertig. Erst 2007 übernahm der Filmaficionado Serge Bromberg das geheimnisumwitterte Material von Clouzots Witwe. Mit der Kombination von Archivmaterial und Nachinszeniertem schafft er es, das fehlende Werk vor unserem Auge zu rekonstruieren und Clouzots Vision greifbar zu machen.
Gäste: Gerhard Midding (Filmwissenschaftler) und Martin Reinhart (Filmemacher)

Sa., 27.10. | 21 Uhr
UNESCO-Welttag des audiovisuellen Erbes 
Jodorowsky’s Dune
R: Frank Pavich, USA/F 2013, Dok., OmE, 90‘
Vielleicht der ehrgeizigste Film, der jemals versucht wurde. Auch der chilenische Regisseur Alejandro Jodorowsky wollte das Kino für immer verändern. Die Studios in Hollywood zeigten sich begeistert von der Vorarbeit zu »Dune« mit über 3.000 Storyboards, Gemälden, irrwitzigen Kostümen und einembewegenden Drehbuch. Finanziert wurde das Projekt aber schließlich nicht. Was niemanden davon abhielt, sich bei Jodorowskys Ideen zu bedienen. Frank Pavichs großartiger Dokumentarfilm enthüllt die ganze Geschichte von »The greatest movie never made«.

Eine Veranstaltung des Master-Studiengangs Filmkulturerbe der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF 

So., 28.10. | 19 Uhr

Queen Kelly
R: Erich von Stroheim, D: Gloria Swanson, Walter Byron, Seena Owen, USA 1929/1985, engl. ZT, 101‘
Einführung: Thembi Linn Hahn
Schon zu Beginn seiner Karriere wurde Erich von Stroheim der Beiname »the man you love to hate« verpasst. Seine Filme zelebrieren Bosheit, Hochmut, Lust und Perversion. Fast alle seiner Werke wurden gnadenlos gekürzt und verstümmelt. Mit den Worten »hier ist ein Verrückter am Drücker« stoppte Gloria Swanson, Filmstar und Produzentin, das Vermächtnis Stroheims. Zurecht befürchtete sie, dass QueenKelly nicht die Zensur passieren würde. In der Tat ließ Stroheim bei der Geschichte von einerpuritanischen Klosterschülerin, die ein Bordell erbt, keine expliziten Details wie Nacktszenen oder Alkoholexzesse aus. Wir präsentieren eine restaurierte Version von 1985, die StroheimsOriginalmanuskript folgt. Das nie gedrehte Ende des Films wurde darin durch Texttafeln und Standbilder ersetzt.

Do., 1.11. | 19 Uhr
Tigrero: A Film That Was Never Made
R: Mika Kaurismäki, Finnland/D/BRA 1994, Dok., OmU, 75‘
Einführung: Thembi Linn Hahn
Mit Zigarren und Whisky, Pistole und einer 16mm-Kamera bewaffnet brach Samuel Fuller in den 1950er Jahren für ein Filmprojekt in den Amazonas auf, freundete sich mit den Karaja-Indianern an und filmte deren Lebenswelt. Sein vorgesehener Spielfilm scheiterte, da sich in Hollywood keine Versicherung fand, die für den Schaden hätte aufkommen wollen, wenn dem designierten Filmstar Ava Gardner etwas zugestoßen wäre. Kaurismäkis einfühlsame Dokumentation begleitet Sam Fuller und Jim Jarmusch 40 Jahre später beim Revisiting der Schauplätze und Protagonist*innen. Ein Road Movie voll Empathie für die Karaja-Indianer, aber auch für die Regielegenden Fuller und Jarmusch.

Fr., 2.11. | 19 Uhr
Don Quijote de Orson Welles
R: Orson Welles, Bearbeitung: Jess Franco, E 1992, OmE, 116‘
Einführung: Josefine Knuth-Pollok 
Die hier gezeigten Bilder sind ein Teil des Vermächtnisses von Orson Welles‘ nie beendetem Traumprojekt »Don Quixote«. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen Produktion und Regisseur beschloss Welles, den Film selbst zu finanzieren. Er arbeitete dabei ohne fertiges Drehbuch, ließ Szenen von den Schauspielern improvisieren und benutzte 16mm-Stummfilm-Equipment – bis ihm das Kapital ausging. Er ließ dennoch nicht von seinem Projekt ab. Als Welles 1985 starb, hinterließ erunzählige Drehbuchseiten, allerdings nur rohes Filmmaterial. Sein Hauptdarsteller war bereits 1969 verstorben.

Sa., 3.11. | 18 Uhr
Lost in La Mancha
R: Keith Fulton, Louis Pepe, GB/USA 2003, Dok., OmU, 93‘
Einführung: Josefine Knuth-Pollok
Gezeigt wird Terry Gilliam, wie dieser versucht, seine Cervantes-Adaption auf die Leinwand zu bringen, in der ein moderner Werbemanager in die Vergangenheit versetzt und fälschlicherweise für Quijotes treuen Weggefährten Sancho Panza gehalten wird. Doch die Dreharbeit wird durch Naturkatastrophen und menschliches Versagen unmöglich gemacht. Ursprünglich als Making Of zu einem der teuersteneuropäischen Filme überhaupt geplant, wurde Lost in La Mancha zur Chronik eines glorreichen Scheiterns.

Sa., 3.11. | 20 Uhr
The Man Who Killed Don Quixote
R: Terry Gilliam, D: Adam Driver, Jonathan Pryce, Stellan Skarsgård, E/F/Belgien/P 2018, OmU, 132’ 
Nach fast drei Jahrzehnten konnte Terry Gilliam beim diesjährigen Filmfestival in Cannes seine Don-Quijote-Version vorstellen. Nun mit Adam Driver und nicht mehr Johnny Depp in der Hauptrolle.

So., 4.11. | 18 Uhr
Sergej Eisenstein. Mexikanische Phantasie
R: Oleg Kowalow, Russland 1998, OmU, 100‘
Einführung: Thembi Linn Hahn
»Que viva México!« ist eines der tragischsten Beispiele für das Scheitern eines Films. Expert*innen sind sich heute einig, dass Eisensteins Herzensprojekt, ein Film über das Leben in Mexiko, sein vielleicht größtes Werk geworden wäre. Doch die Ungeduld des Financiers Upton Sinclair und das MisstrauenStalins ließen ihn scheitern. Eisenstein konnte sein Material selbst nie sichten oder gar schneiden. Wir präsentieren einen Film von Oleg Kowalov, der zwar – wie andere zuvor – Eisensteins Material verarbeitet, aber eine freie Interpretation darstellt.

So., 4.11. | 20 Uhr

Die Hölle
R: Claude Chabrol, D: Emmanuelle Béart, François Cluzet, Nathalie Cardone, F 1994, 102‘
Einführung: Josefine Knuth-Pollok 
Ursprünglich wurde das gleichnamige Script für den Film von Henri-Georges Clouzot geschrieben. Er begann 1964 zu filmen, mit Romy Schneider und Serge Reggiani in den Hauptrollen. Aufgrund von gesundheitlichen Problemen von Reggiani und Clouzot und anderen Misständen konnte »Die Hölle« nicht vollendet werden. Claude Chabrol adaptierte das Drehbuch und realisierte seine Version dreißig Jahre nach Clouzot mit Emmanuelle Béart und François Cluzet in den Hauptrollen. Dabei übernahm Chabrol lediglich Clouzots Storyline: die krankhafte Eifersucht des Mannes Paul auf seine attraktive Ehefrau Nelly. Chabrol verwarf jedoch die finale Drehbuchfassung und griff dafür auf die Urfassung seines Vorgängerszurück.

Kuratorinnen: Thembi Linn Hahn, Josefine Knuth-Pollok
Projektleitung: Sachiko Schmidt, Chris Wahl

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