Incirlik: Zelte für Tornados

Das Thermometer auf der türkischen Luftwaffenbasis ist auf 35°C gestiegen, vom klaren Himmel brennt die Sonne unerbittlich auf das Flugvorfeld. Hier stehen die sechs Tornados des deutschen Einsatzkontingentes Counter Daesh. Der nächste Einsatzflug steht an. Seit zwei Stunden laufen die Flugvorbereitungen an den Flugzeugen auf Hochtouren. In der Mittagshitze führen die Wartungscrews letzte technische Checks durch.

80 Betonplatten wurden für die Zelte auf den markierten Flächen abgesetzt

80 Betonplatten wurden für die Zelte auf den markierten Flächen abgesetzt (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Auch auf dem benachbarten Bereich passiert etwas. 80 Betonplatten werden per Gabelstapler herangefahren, jede wiegt etwa 1,6 Tonnen. Ein Soldat vom Baubüro der Einsatzwehrverwaltung des deutschen Kontingentes steht bereit, bewaffnet mit Maßband und Zollstock. Hauptbootsmann Steffen P. hat schon die Positionen markiert, an denen die Betonplatten gleich abgelegt werden sollen. Sein Büro hat vor sechs Wochen mit der Planung zur Aufstellung von Tornadozelten begonnen. „Die lange Vorbereitung, inklusive der Überprüfung der Statik und zahlreicher Rücksprachen mit Spezialisten in Deutschland, wird sich in der Aufbauphase auszahlen“, sagt er.

Es sind mit 22 mal 22 Metern beachtliche Ausmaße, die allein ein solches Zelt aufweist. Dazu kommt die Höhe von sieben Metern. „Schließlich soll ein Tornado da drin abgestellt werden. Wegen der begrenzten Platzverhältnisse auf den uns zugewiesenen Flächen müssen beide Zelte ganz nah beieinander aufgebaut werden“, erläutert der 32-jährige Hauptbootsmann die Vorbereitungsarbeiten.

Aufbau-Profis aus dem Norden

Aus Containern werden die Einzelteile ausgepackt

Aus Containern werden die Einzelteile ausgepackt (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Um die Koordination der Aufbaumaßnahmen kümmert sich Hauptfeldwebel Marc V.. Er ist ausgebildeter Richtmeister für dieses Zelt im XXL-Format und für das Aufstellen vom Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ in Jagel mit seinem Hilfsrichtmeister, Stabsunteroffizier Gregor L. nach Incirlik gereist.

Im Heimatverband ist Marc V. Fachbereichsleiter für Kraftstoffanlagen Tornado, Gregor L. ist Fluggerätmechaniker in der Fachrichtung Metaller und darf damit an allen Luftfahrzeugen der Bundeswehr Metallarbeiten durchführen. Die beiden Spezialisten werden zusätzlich von zwölf Soldaten des Kontingentes bei den Aufbauarbeiten unterstützt.

Bohrungen in die Betonplatten für die Halterungen

Bohrungen in die Betonplatten für die Halterungen (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Nach der Platzierung der ersten Betonplatten beginnen die Soldaten mit einer großen Schlagbohrmaschine Löcher für die Verankerung der Zelte zu bohren. „Da kommt was auf uns zu. Für ein Zelt müssen wir 160 Löcher bohren, das wird wohl heute noch den ganzen Tag dauern“, erklärt Stabsunteroffizier Pierre B. in einer kurzen Pause.
Anschließend werden die restlichen Bohrungen vorgenommen und mit zehn Zentimeter langen Metalldübeln werden die Verankerungen für das Zeltgerippe festgeschraubt. In der Zwischenzeit wird das aufzubauende Zeltmaterial durch die Richtmeister überprüft und für den folgenden Tag vorbereitet.

Der nächste Tag

Der erste Binder ist aufgestellt und mit den Betonplatten verschraubt

Der erste Binder ist aufgestellt und mit den Betonplatten verschraubt (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Der zweite Tag beginnt mit einer Besprechung und Einweisung aller Helfer. Alle beteiligten Soldaten erhalten die vorgeschriebene Ausrüstung: Sicherheitsschuhe, Bauhelm und Arbeitshandschuhe. „Heute wird jeder Soldat gebraucht, wir bauen das Zeltgerüst auf. Dabei gibt es gleich zu Beginn einen sehr kritischen Moment, und zwar beim Aufrichten des ersten sogenannten Binders. Der hat ein Gewicht von 300 Kilo und bleibt in den ersten Minuten frei stehen“, erklärt Marc V., der Richtmeister.

Aufstellen des letzten Binders – alle haben ein Gewicht von 300 Kilogramm

Aufstellen des letzten Binders – alle haben ein Gewicht von 300 Kilogramm (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

„Erst nach dem Aufrichten des zweiten Binderelementes können wir mit den „Fetten“ (vgl. Dachstuhl) die beiden Zeltgerippe untereinander verbinden. Das machen wir solange, bis die erforderliche Länge von 22 Meter erreicht ist. Das ist wirklich ein Knochenjob, vor allem bei dieser Hitze“, erklärt der 37-Jährige weiter.

Teamarbeit: Das Einziehen der Zeltbahnen

Teamarbeit: Das Einziehen der Zeltbahnen (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Am späten Nachmittag ist es vollbracht. Das Gerüst steht, die Soldaten sind glücklich über das erreichte Tagesziel. „So ein Aufstelltag dauert immer gute zwölf Stunden, inclusive aller Vor- und Nachbereitungen. Alles muss an jedem Tag hinterher aufgeräumt werden, schließlich befinden wir uns hier immer noch in einem Flugbetriebsbereich“, so Gregor L., der 26-jährige Hilfsrichtmeister.

Schatten für die Techniker: Die Abfertigung der Tornados kann von nun an im Zelt erfolgen

Schatten für die Techniker: Die Abfertigung der Tornados kann von nun an im Zelt erfolgen (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Die abdeckenden Zeltplanen werden am dritten Tag eingezogen. Hauptfeldwebel Marc V. ist zufrieden mit den schnell vorangehenden Arbeiten. „Durch die tatkräftige Unterstützung und das beherzte Anpacken der Kontingent-Soldaten liegen wir voll im Zeitplan.“

Das zweite Zelt wird durch das eingespielte Team ebenfalls in drei Tagen aufgebaut. Am siebten Tag erfolgen nur die abschließenden Aufräumarbeiten und das Verpacken aller benutzten Werkzeuge.
„Ab morgen können die beiden Zelte für die Arbeiten am Tornado genutzt werden. Somit müssen die Technikcrews nicht mehr unter der gleißenden Sonne, sondern können im schattenspendenden Zelt arbeiten. Ich freue mich, dass alles so reibungslos lief und alle so tatkräftig mitgeholfen haben“, so ein glücklicher Richtmeister nach seinem erfolgreichen Unterstützungseinsatz auf der Incirlik Air Base.

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