Halbzeit für die „Bayern“ – Kommandant: „Atalanta hat sich gewandelt“

Die Fregatte „Bayern“ befindet sich seit drei Monaten am Horn von Afrika und hat somit etwa die Hälfte des Einsatzes hinter sich. Ein guter Anlass für Fregattenkapitän Markus Brüggemeier, den Kommandanten des Schiffs, eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Fregattenkapitän Markus Brüggemeier ist der Kommandant der Fregatte „Bayern“

Fregattenkapitän Markus Brüggemeier ist der Kommandant der Fregatte „Bayern“ (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)Größere Abbildung anzeigen

Herr Fregattenkapitän, Ihr Schiff fungiert derzeit als Flaggschiff der EU-Operation „Atalanta“ am Horn von Afrika. Wie unterscheidet sich das von einem „normalen“ Einsatz?

Als Flaggschiff hat die Fregatte „Bayern“ de facto zwei Aufgaben. Zum einen stellen wir dem eingeschifften multinationalen Stab eine Plattform zur Verfügung, von der aus der deutsche Verbandsführer, Flottillenadmiral Jan C. Kaack, die ihm unterstellten Einheiten wirkungsvoll führen kann. Mit ihm habe ich meinen Verbandsführer unmittelbar an Bord und teile mir mit dem Admiral sogar eine Räumlichkeit. Das ist schon eine sehr spezielle Situation, die aus meiner Sicht jedoch prima funktioniert und auch mein Chef verkraftet das sehr gut. Darüber hinaus wollen wir mit der Fregatte „Bayern“ natürlich auch einen eigenen, spürbaren Beitrag und „Fußabdruck“ für das Gelingen der Mission leisten.

Von der „Bayern“ wird der Verband vor der Küste von Somalia derzeit geführt

Von der „Bayern“ wird der Verband vor der Küste von Somalia derzeit geführt (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)Größere Abbildung anzeigen

In diesen zwei Aufgaben liegt aber auch die wesentliche Herausforderung für diesen Einsatz. Mit der Funktion als Flaggschiff sind viele administrative und auch gesellschaftliche Verpflichtungen verbunden, die angemessen zu meistern sind. Hier gilt es, die Besatzung auf der einen Seite für die sichere und effektive Patrouille im Einsatzgebiet vorzubereiten und dieses mit der gebotenen Ausstrahlung anzugehen. Auf der anderen Seite muss die Crew für die Erfordernisse eines Flaggschiffs sensibilisiert werden. Das erfordert zuweilen etwas diplomatisches Geschick.

Von der „Bayern“ wird der Verband vor der Küste von Somalia derzeit geführt

Von der „Bayern“ wird der Verband vor der Küste von Somalia derzeit geführt (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)Größere Abbildung anzeigen

Welche Ereignisse bildeten für Sie die bisherigen Höhepunkte dieses Einsatzes?

Für mich ist dies der mittlerweile dritte Einsatz bei „Atalanta“. Nachdem ich in den Jahren 2010 und 2011 bereits vor Ort war, also zu den Hochzeiten der Piraterie, hat sich die Situation doch sehr gewandelt. Anstelle einer intensiven Suche nach einzelnen aktiven Piratengruppen ist immer mehr die Interaktion mit anderen Akteuren im Seegebiet sowie den Nachbarmissionen, wie EUTM Somalia oder EUCAP Nestor, an Land getreten. Der Einsatz ist damit aber auch vielseitiger geworden und erhat sich weiterentwickelt. Galt es bislang in erster Linie, Symptome zu bekämpfen, so steht nun das Streben nach Sicherung und Nachhaltigkeit des Erreichten im Vordergrund. Es bleibt aber auch sehr wichtig zu verdeutlichen, dass der Rückgang der aktiven Piraterie ein Erfolg der Mission EU NAVFORSomalia – Operation „Atalanta“ ist.

Die Besatzungen der Fregatte bei der Pflege deutscher Kriegsgräber in Daressalam (Tansania)

Die Besatzungen der Fregatte bei der Pflege deutscher Kriegsgräber in Daressalam (Tansania) (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)Größere Abbildung anzeigen

Für mich persönlich war der Austausch mit den japanischen oder australischen Kommandanten ganz besonders, darüber hinaus aber auch eine Operation in unmittelbarer Nähe Mogadischus oder unser Besuch in Daressalam (Tansania), wo wir die Gelegenheit hatten, neben gesellschaftlichen Verpflichtungen auch die Insel Sansibar zu besuchen oder Kriegsgräber auf dem örtlichen deutschen Friedhof zu pflegen. Ein weiteres Highlight war eine Seenotrettung, bei der wir 92 Menschenleben retteten und die Menschen an das UNHCRin Somalia übergeben konnten. Hierbei haben sich Schiff und Besatzung besonders bewährt.

Im Hafen von Port Victoria üben Soldaten der „Bayern“ mit der neu aufgestellten Marinepolizei der Seychellen

Im Hafen von Port Victoria üben Soldaten der „Bayern“ mit der neu aufgestellten Marinepolizei der Seychellen (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)Größere Abbildung anzeigen

An der Küste Somalias sind auch Schiffe der US-geführten Koalitionskräfte und weiterer, einzelner Nationen unterwegs. Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit der Marineschiffe im Operationsgebiet?

Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Akteuren läuft auf der Einheitsebene ausgezeichnet, zumal es im Vorfeld immer wieder Kontaktaufnahmen zwischen den Kommandanten Schiffe gibt. Wichtig dabei bleibt jedoch das gemeinsame Verständnis, dass unterschiedliche Akteure in diesem Seegebiet durchaus unterschiedliche Mandate, Aufgaben und Befugnisse haben. Trotzdem bildet der Austausch zwischen den unterschiedlichen Akteuren auch immer die Chance, die Effizienz im Einsatzgebiet weiter zu verbessern.

Verabschiedung der spanischen Korvette „Tornado“ aus dem Einsatzverband

Verabschiedung der spanischen Korvette „Tornado“ aus dem Einsatzverband (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)Größere Abbildung anzeigen

Welche Ziele haben Sie für die kommenden drei Monate?

Das vorrangige Ziel eines Kommandanten ist es immer, seine Besatzung heil nach Haus zu bringen. Da geht es mir nicht anders. Darüber hinaus wünsche ich mir eine weiterhin spannende Seefahrt mit vielen erfolgreichen Teilaufträgen und Facetten. Im Vorfeld des Einsatzes habe ich vorgegeben; „die Fregatte ‚Bayern‘ ist mittendrin, statt nur dabei“. Schön, wenn das so bliebe!

Public Viewing an Bord – auch Westfalen sind willkommen

Public Viewing an Bord – auch Westfalen sind willkommen (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)Größere Abbildung anzeigen

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Wie fühlt man sich als waschechter Westfale auf der „Bayern“?

Die Fregatte „Bayern“ ist vom Charakter ein sehr „integratives“ Schiff. Das schätze ich sehr an meiner Besatzung. Dieser Zug macht es den zahlreichen eingeschifften Soldaten von vielen anderen Dienststellen sehr leicht, hier in kürzester Zeit wirklich anzukommen. Und wenn die Besatzung so aufnahmefähig ist, dass sie einen multinationalen Stab mit Soldaten aus 13 verschiedenen EU- und sogar Nicht-EU-Nationen binnen kürzester Zeit integrieren kann, dann kann sie auch einen waschechten Ostwestfalen aushalten.

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