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Flaggenhissung zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Frei leben ohne Gewalt

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen / Gleichstellungsbeauftragte hisst Fahne

 

Alljährlich am 25. November findet der von den Vereinten Nationen deklarierte Internationale Tag zur Beseitigung jeder Form von Gewalt gegen Frauen statt. Aus diesem Anlass hat die

Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt Potsdam, Martina Trauth, heute

gemeinsam mit den Mitgliedern des städtischen Arbeitskreises Opferschutz und dem Potsdamer Frauenzentrum die TERRES DES FEMMES- Fahne „Frei leben ohne Gewalt“ vor dem Potsdamer Stadthaus gehisst. Hintergrund für die Entstehung des Aktionstags war die Verschleppung, Vergewaltigung und Ermordung von drei Frauen im Jahr 1960 in der Dominikanischen Republik durch Soldaten des ehemaligen Diktators Trujillo. Seit dem 25. November 1981 wird weltweit durch Aktionen, Veranstaltungen und Tagungen von Frauenprojekten und Initiativen, aber auch von staatlicher Seite zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Kinder aufgerufen.

 

In diesem Jahr lautet das Schwerpunktthema: jetzt Mädchen stärken! #esistnichtallesrosarot. Damit soll der Schutz von Mädchen in den Fokus gerichtet werden.  „Es sind besonders Mädchen, die von Frühehen, Genitalverstümmelung, Mädchenhandel, Zwangsprostitution, Zwangsverheiratung und sexualisierter Gewalt betroffen sind,“ sagt die Gleichstellungs-beauftragte Martina Trauth.

 

Sie macht alljährlich gemeinsam mit dem Arbeitskreis Opferschutz auf den Aktionstag aufmerksam. Auch in der Opferberatungsstelle und Traumaambulanz Potsdam stellen Mädchen und Frauen den Großteil der Ratsuchenden dar. Die meisten von ihnen wurden Opfer sexualisierter Gewalt. 2017 haben 213 Ratsuchende die Opferberatungsstelle aufgesucht,153 davon waren Mädchen und Frauen. 

 

„Die betroffenen Frauen und Mädchen leiden vor allem unter den psychischen Folgen der erlebten Gewalt, wie zum Beispiel Ängsten, Albträumen und Depressionen“, sagt die Psychologin und Leiterin der Opferberatungsstelle Annemarie Priet. Die erlebte Gewalt trifft nicht nur die Opfer selbst, sondern wirkt sich fast immer auf die Beziehungen in der Familie und zu Freunden aus. Auch Probleme am Arbeitsplatz können die Folge sein. Zusätzliche Belastungen entstehen durch das Strafverfahren und durch die bürokratischen Hürden bei der Durchsetzung von Entschädigungsleistungen. “Frauen und Mädchen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, erleben gravierende Belastungen im Strafverfahren: Monate oder Jahre nach der Tat müssen sie vor fremden Menschen und in Gegenwart des Täters sämtliche Details der durchlittenen Vergewaltigung bzw. des sexuellen Missbrauchs schildern. Für sie bietet die psychosoziale Prozessbegleitung eine wichtige Unterstützung und trägt dazu bei, die Hauptverhandlung besser durchzustehen.”

 

Nachdem die psychosoziale Prozessbegleitung Anfang 2017 gesetzlich verankert wurde, haben viele Betroffene einen Rechtsanspruch auf eine umfassende Unterstützung in Form von Beratung, Begleitung und Therapie.

 

In Europa hat jede dritte Frau bereits physische oder sexualisierte Gewalt erlebt – auch in Deutschland. „Diese Gewalt findet in der Regel nicht auf der Straße statt, sondern im eigenen Zuhause“. „Die Täter sind häufig der eigene Mann, der eigene Vater oder ein guter Bekannter“, so Martina Trauth. Laut Polizeistatistik wurden 2017 bei polizeilichen Interventionsmaßnahmen gegen häusliche Gewalt in der Landeshauptstadt 247 Einsätze gefahren, 2016 waren es 263. Außerdem wurden 2017 42 Wohnungsverweisungen ausgesprochen.

 

Viele Frauen finden jedoch oftmals nur Schutz, wenn sie aus ihrer eigenen Wohnung fliehen – zu Verwandten, Freunden oder in ein Frauenhaus. Doch nicht immer steht ihnen diese Tür offen; im Jahr 2017 mussten 62 Frauen wegen begrenzter Platzkapazitäten vom Frauenhaus Potsdam abgewiesen und an andere Einrichtungen weitervermittelt werden. In der Landeshauptstadt Potsdam gibt es unter dem Dach des Frauenzentrums Potsdam bereits seit 1991 ein Frauenhaus. Seit 2011 befindet es sich an einem anonymen Standort und dient Frauen und deren Kindern, die vor häuslicher Gewalt betroffen oder bedroht sind, als Zufluchtsort. 2017 fanden 56 Frauen und 51 Kinder im Potsdamer Frauenhaus Schutz. „Wir finden es besonders besorgniserregend, dass die Gewalt gegen Kinder auch 2017 erneut zugenommen hat“, sagt die Geschäftsführerin des Frauenzentrums, Heiderose Gerber. Die Kinder werden im Potsdamer Frauenhaus auch sozialpädagogisch betreut. Dazu finanziert das Jugendamt eine Sozialpädagogin mit 30 Stunden pro Woche. „Die Finanzierung des Frauenhauses durch die Kommune ist vergleichsweise gut“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Martina Trauth über die Lage in Potsdam. „Doch wir brauchen unbedingt eine Regelfinanzierung von Seiten des Landes. Eine gesicherte und bundesweit einheitliche Finanzierung gibt es nicht, sondern nur einen Flickenteppich aus Zuständigkeiten. Dabei hat sich Deutschland nicht nur in seinem Grundgesetz, sondern auch in menschenrechtlichen Abkommen dazu verpflichtet, Frauen vor Gewalt zu schützen“, so die Gleichstellungsbeauftragte. „Diesen Verpflichtungen müssen Bund und Länder stärker nachkommen“.

 

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