Fertigstellung und Übergabe des Zentralen Kunstgutdepots der SPSG

Neues Haus für alte Kunst

Fertigstellung und Übergabe des Zentralen Kunstgutdepots der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) kann die Fertigstellung ihres Zentralen Kunstgutdepots (ZED) auf dem Grundstück Friedrich-Engels-Straße 78 am Potsdamer Hauptbahnhof feiern. Im Beisein der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Frau Dr. Martina Münch, Herrn Ministerialdirektor Dr. Günter Winands, Stellvertreter der Beauftragten der Bunderegierung für Kultur und Medien, Herrn Staatssekretär Dr. Torsten Wöhlert, Senatsverwaltung für Kultur und Europa des Landes Berlin, und dem Generaldirektor der SPSG, Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh, ist der vom Berliner Büro Staab Architekten errichtete Neubau am 9. Mai 2018 übergeben worden. Der Grundstein für das Gebäude auf dem Areal des ehemaligen Reichbahnausbesserungswerks Potsdam wurde im Juli 2016 gelegt.

Das ZED ist das zuletzt begonnene Projekt im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms für die preußischen Schlösser und Gärten (Masterplan), das der Bund (Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) sowie die Länder Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) und Berlin (Senatsverwaltung für Kultur und Europa) für die Jahre 2008 bis 2017 zur Rettung bedeutender Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft aufgelegt haben. Die für das ZED veranschlagten Bruttogesamtbaukosten beliefen sich auf ca. 12 Millionen Euro.

Optimale Bedingungen
Im ZED werden seit April 2018 Kunstgüter zusammengeführt, die bislang auf sechs Depotstandorte verteilt gewesen sind. Der Neubau bietet optimale konservatorische Bedingungen für die Materialvielfalt der zu deponierenden Kunstgüter und entspricht zugleich den zeitgemäßen hohen Sicherheits- und Brandschutzanforderungen. Räume für Konservierungs- und Forschungsarbeiten sowie Bereiche mit Spezialfunktionen (wie z. B. Quarantäneraum, Akklimatisierungsraum und Stickstoffkammer) ermöglichen die adäquate wissenschaftliche und restauratorische Betreuung der Bestände.

Orientierung für die Auswahl der Baustoffe und die Planung einer Energie und Ressourcen schonenden Betriebstechnik (Passivdepot) war der vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit (BMUB) herausgegebene Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.

Streng funktional
Der vom Berliner Büro Staab Architekten vorgelegte Entwurf trägt der gewünschten Funktionalität ebenso Rechnung wie dem Konzept des Passivdepots. Unter Beachtung der durch die SPSG festgelegten klimatischen Bedingungen – mit exakten Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen in den Sammlungsbereichen – wird der Gesamtenergiebedarf des Gebäudes stark reduziert.

Errichtet wurde ein strenger zweigeschossiger Baukörper ohne Unterkellerung, der Höhe und Tiefe der historischen Bestandsbebauung aufnimmt und straßenseitig mit den Nachbargebäuden bündig abschließt. Die Bruttogeschossfläche beträgt 5.800 m², die Nettogeschossfläche ca. 5.100 m². Im orthogonalen Grundriss sind die funktionalen bzw. flexiblen geometrischen Raumanforderungen sowie Möglichkeiten für spätere Umnutzungen berücksichtigt. An der Südseite mit dem Eingang ist eine Metallfassade vorgeblendet, für die drei anderen Fassaden wurde silbergrauer Klinker verwendet. Die langen Flächen sind durch die sich wiederholende Anordnung der Entrauchungsklappen (Fenster), die vertikalen Entwässerungslinien sowie durch die Abfolge der Sheddach-Giebel rhythmisiert und gegliedert.

Das ZED wurde als Massivkonstruktion in Stahlbetonskelettbauweise realisiert. Tragende Bauteile wie Stützen, Wände, Decken und Dachflächen sind in Beton ausgeführt, nichttragende Wände hingegen in Mauerwerk oder – in Nebenräumen – in Gipskarton. Erschlossen wird das Haus über zwei Treppenhäuser und einen Aufzug. Die 84 cm dicken Außenwände sorgen als Speichermasse für eine hohe Klimakonstanz im Inneren. Das Depot wird hauptsächlich über seine Baumasse temperiert. Dabei werden etwaige Abweichungen von den Klima-Sollwerten zunächst über eine Temperatursteuerung geregelt. Sollte diese bei extremen Wetterlagen nicht ausreichen, ist eine Vollklimatisierung möglich. In den Depotzellen werden drei verschiedene Raumklimata etabliert, deren Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte auf die jeweiligen Kunstgüter abgestimmt sind.

Das Kunstgut
Im ZED werden künftig Kunstobjekte aus organischen (z. B. Holz, Textil) und anorganischen (z. B. Metall, Glas, Keramik) Materialien aufbewahrt. Sie sind in Sammlungsgruppen wie Gemälde, Rahmen, Möbel, Uhren, Textilien, Musikinstrumente, Metall, Glas, Porzellan oder Beleuchtungskörper zusammengefasst. Die Bestände stammen zum Großteil aus den Schlössern und Kunstsammlungen des brandenburgisch-preußischen Hofes. Dazu gehören auch evakuierte Ausstattungen aus Schlössern, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden.

Das Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan)
Mit dem Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan) haben der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg bedeutende Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft vor dem Verfall gerettet. Das Abkommen sah vor, dass die SPSG bis 2017 insgesamt 155,03 Millionen Euro in die Wiederherstellung nationaler Kulturgüter zusätzlich investieren konnte. Der Bund trug 77,5 Millionen Euro (50 Prozent) bei, das Land Brandenburg 53 Millionen Euro (2/3 von 50 Prozent) und das Land Berlin 24,53 Millionen Euro (1/3 von 50 Prozent). Seit 2008 hat die SPSG ca. 160 Millionen Euro verausgabt, das entspricht 97 Prozent der Gesamtsumme von 165 Millionen Euro (inkl. Sondermittel).

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