Ehrung für Professor Schellnhuber

Ehrung für den Doyen der Klimafolgenforschung
PIK-Direktor Prof. Schellnhuber trägt sich beim Klimasalon ins Goldene
Buch der Stadt ein

Auf Einladung von Oberbürgermeister Jann Jakobs hat sich heute der
Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Prof. Dr. Dr.
h.c. Hans Joachim Schellnhuber ins Goldene Buch der Landeshauptstadt
Potsdam eingetragen. Der Eintrag fand im Rahmen des Salongesprächs zum
Thema „Von Potsdam nach Paris und zurück – Operation Klimarettung“
statt, in dem die langjährige Arbeit Schellnhubers gewürdigt wurde. Wir
dokumentieren im Folgenden die Rede des Oberbürgermeisters:

„Sehr geehrter Herr Prof. Schellnhuber,
liebe Gäste,

,Was heute geschieht, gleicht einem kollektiven Suizidversuch‘, stand
kürzlich über einem Interview der Potsdamer Neuesten Nachrichten mit
unserem heutigen Ehrengast, Prof. Hans Joachim Schellnhuber. Darin
schildert Potsdams berühmter Klimaforscher in einem dramatischen Appell,
was uns droht, wenn wir Menschen in den nächsten Jahrzehnten so
weitermachen wie bisher. Es ist ganz einfach: Wir werden dann bald nicht
mehr existieren.

Allein der Sommer dieses Jahres brachte es zutage: Die extreme Hitze
und die wochenlange Dürre sind Ergebnis des Klimawandels. Die Natur
zeigt uns immer wieder, dass wir sie aus dem Gleichgewicht bringen. Die
Thermometersäule kriecht unerbittlich nach oben. Die nächste Hitzewelle
kommt bestimmt, prophezeit Prof. Schellnhuber.

Wobei wir an dieser Stelle nicht die Debatte über den Unterschied
zwischen Wetter und Klima aufmachen wollen. Ich weiß, dass er da sehr
hellhörig ist. Könnte man doch auch sagen, dass das wie der Vergleich
des Deutschen Wetterdienst mit dem PIK wäre…

Prof. Schellnuber jedenfalls mahnt und warnt schon seit Jahren oder
Jahrzehnten: Wir müssen aufhören, Kohle, Öl und Gas zu verbrennen und
endlich in eine Welt ohne fossile Energien eintreten. Ich zitiere aus
dem oben genannten Interview: ,Die notwendige Transformation zu einer
sozial- und umweltverträglichen Gesellschaft sollten wir als Chance
verstehen, eine bessere Moderne zu schaffen, die Kreisläufe schließt,
regionale Ökonomien unterstützt, Landwirtschaft nachhaltig denkt – also
mit dem Wirtschaften auf Kosten der Natur bricht.‘

Das ist das Thema von Hans Joachim Schellnhuber. Wie kein Zweiter hat
er seit Jahrzehnten nachhaltige Lösungen des Klimaproblems eingefordert
und die internationale Diskussion darüber entscheidend mitgeprägt. Vor
drei Jahren erst war er die treibende Kraft im Vatikan, ja im Vatikan,
bei der Abfassung der Umweltenzyklika des Papstes, wo seither ein
ökobewusster Geist eingezogen ist. Alle entscheidenden Treffen hat er
dort mitgestaltet, als Wortführer der etablierten Klimaforschung, wo
Sie, wenn ich richtig informiert bin, lieber Herr Schellnhuber,
wohlgemerkt als Agnostiker, mit den Pontifikalgelehrten aufmerksame
Zuhörer und Diskutanten hatten.

Ihr Antrieb, etwas umzusetzen, etwas zu erreichen, voranzukommen, war
früh ein prägender Charakterzug und schon in Ihrer Jugend spürbar.
Nachdem Ihr älterer Bruder die Universität besuchte, hatte Ihre Familie
kein Geld, um einem zweiten Kind ein Studium zu ermöglichen. Ihre Mutter
hatte Ihnen aber von der Möglichkeit eines Hochbegabtenstipendiums
erzählt. Und Sie haben sich das nicht zweimal sagen lassen,
arbeiteten hart und konsequent und legten Ihr Abitur im Jahr 1970 mit
der Note 1,0 ab.

Ebenso schnell erklommen Sie die wissenschaftliche Leiter, die hier im
Einzelnen auszuführen, viel zu weit führen würde. Nur kurz und alle
wissen es: Sie wurden eine Koryphäe auf dem Gebiet der
Klimafolgenforschung, Ihnen hörte nicht nur der Papst zu, auch große
Schriftsteller wurden von Ihnen zu Romanen inspiriert.

Damit haben Sie, lieber Prof. Schellnhuber, die Landeshauptstadt
Potsdam mit ins internationale Geschehen gebracht und das Ansehen
unserer Stadt in aller Welt gemehrt. Wir kennen Sie aber nicht nur als
engagierten Vertreter ihrer Zunft, der seine Interessen und sein Wirken
bewusst und wortstark einsetzt. Wir schätzen auch Ihr Engagement auf
anderen Gebieten und für Potsdam, ob es nun um das Kleeblatt-Gebäude
ihres 1992 gegründeten Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung geht,
das kulturelle Programm, das Sie mit Ihrer Frau Margret im PIK
koordinieren, oder um das Projekt „Artists in Residence“, das Sie
nicht nur leidenschaftlich unterstützen, sondern an wichtiger Stelle
fördern und prägen. Vielen Dank an dieser Stelle dafür schon einmal!

Hans Joachim Schellnhuber, eigentlich John Schellnhuber, wie ihn alle
nennen, ist ein ganz besonderer Mensch, der sich nebenbei auch für
klassische Musik leidenschaftlich begeistern kann. Musik und Mathematik,
so sagt man, haben ja eine enge Verwandtschaft. Und so ist vielleicht
erklärbar, warum Sie zu beiden Disziplinen eine enge Bindung pflegen.
Das ist keine neue Erkenntnis. Schon mehr als 500 Jahre vor unserer
Zeitrechnung stellte der griechische Philosoph und Mathematiker
Pythagoras diesen Zusammenhang fest. Es ist die erste bekannte
Überlieferung dieser Verwandtschaft der beiden Fächer. „Alles ist
Zahl“ ist ein berühmter Satz von ihm, den er vor allem auf die Musik
bezog. Wie gesagt, eine große Leidenschaft von Ihnen.

Am Ende möchte ich noch einmal auf das eingangs zitierte Interview
zurückkehren. Sie sagen darin, Sie werden mit Ihrer anstehenden
Pensionierung die Verantwortung nicht so einfach abstreifen wie ein
altes Hemd. Sie werden an den Themen weiterarbeiten und weiter
versuchen, sie mit zu prägen.

Lieber Prof. Schellnhuber, machen Sie das bitte. Bringen Sie sich ein.
Wir brauchen Ihre warnenden Worte, wir brauchen Ihre Hinweise auf
Veränderungen.

Ich möchte Sie nun bitten, sich ins Goldene Buch der Landeshauptstadt
einzutragen.“

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