„Dragoon Ride II“ – Dragoner Ritt ins Baltikum

Rund 70 Fahrzeuge der U.S. Army und der Bundeswehr verlegen im Landmarsch von Vilseck nach Tapa in Estland

Rund 70 Fahrzeuge der U.S. Army und der Bundeswehr verlegen im Landmarsch von Vilseck nach Tapa in Estland (Quelle Heer/Marko Greitschus)Größere Abbildung anzeigen

Der Marsch, für Soldaten eine allgemeine Aufgabe im Einsatz, stellt gewöhnlich keine große Herausforderung dar. Aber vom bayerischen Vilseck nach Tapa in Estland ist dann doch eine besondere Aufgabe. Neben Soldaten des Aufklärungsbataillons 8 aus Freyung verlegen Pioniere des Panzerpionierbataillons 4 aus Bogen mit ihren Kameraden des 4th Squadron, 2nd Cavalry Regiment aus Vilseck ins Baltikum. Bis zum 15. Juni 2016 wollen sie die rund 2000 Kilometer lange Strecke zurücklegen, um im Anschluss gemeinsam bei der Übung „Saber Strike“ zu trainieren.

Bereits zum Beginn des Marsches müssen die Kraftfahrer eine heikle Aufgabe bewältigen- der Übergang über den rund 30 Meter breiten Fluss Naab. Dabei nutzen die amerikanischen und deutschen Soldaten mit ihren bis zu 60 Tonnen schweren Gefechtsfahrzeugen keine reguläre Brücke, sie überqueren die Naab über eine Kriegsbrücke. Die notwendigen Voraussetzungen haben die Panzerpioniere bereits einen Tag zuvor getroffen.

Pioniere – Wegbereiter im Gefecht

Gewässer hindern die Bewegung der Truppe. Mit Hilfe der Pioniere stehen leistungsfähige Übergänge zur Verfügung

Gewässer hindern die Bewegung der Truppe. Mit Hilfe der Pioniere stehen leistungsfähige Übergänge zur Verfügung (Quelle: Heer/Marko Greitschus)Größere Abbildung anzeigen

„Zuerst haben wir die Übergangsstelle erkundet“, berichtet Oberleutnant Benjamin Käfer .Er ist der Zugführer des Pioniermaschinenzuges der 2. Kompanie und für eine der beiden Übergangsstelle verantwortlich. Bei der Erkundung sei es wichtig die Uferbereiche nach deren Befahrbarkeit zu beurteilen und die Gewässerbreite zu schätzen. „Das dauert nicht länger als 15 Minuten“, so der Zugführer. Danach rückt der Pionierpanzer Dachs an. Der Panzer begradigt mit seinem Baggerarm die Böschung, denn der Böschungswinkel darf nicht zu steil sein, sonst ist die Schnellbrücke nicht befahrbar. Bei dem rund 30 Meter breiten Fluss müssen zwei Panzerschnellbrücken überlappend gelegt werden. Dabei liegt das eine Ende der ersten Brücke auf der Uferböschung und das andere auf dem Gewässergrund. Die zweite Schnellbrücke wird dann von der Gewässermitte bis zum jenseitigen Ufer gelegt. „Mit einer Schnellbrücke können wir 20 Meter überbrücken mit zwei Brücken bis zu 30 Meter und mit drei Brücken bis zu 45 Meter“, erklärt der Oberleutnant.

Die zweite Biber-Brücke wird gelegt

Die zweite Biber-Brücke wird gelegt (Quelle: Heer/Marko Greitschus)Größere Abbildung anzeigen

Mit einem lauten brummen nähert sich auch schon der erste Biber. Knapp einen Meter bleibt er vorm Wasser stehen und setzt sein Stützschild ab. Darauf wird gleich beim Verlegen die gesamte Last lagern. Zum Verlegen werden die beiden je elf Meter langen Elemente angehoben und die untere Brückenhälfte nach vorne verschoben. Nach dem Verbinden wird die gesamte Festbrücke mit dem Hauptausleger über dem Hindernis abgelegt. Nach rund 15 Minuten haben beide Biber ihre Schnellbrücken abgelegt und nun folgt die Belastungsprobe. Ein Biber überquert zuerst die Kriegsbrücke und prüft deren Tragfähigkeit dann erst ist der Gewässerübergang für die Kampftruppe freigegeben.

Bei der Panzerschnellbrücke Biber handelt es sich um eine sogenannte Gefechtsfeldbrücke. Mit ihr stellen die Pioniere die Beweglichkeit der Truppe sicher. „Wir sind immer mit vorn dabei“, sagt Käfer. Sobald der Brückenkopf durch die Kampftruppe erweitert wurde, folgt der Gefechtsfeldbrücke eine Unterstützungsbrücke. Diese löst die Biber-Brücke ab und Oberleutnant Käfer folgt mit seinen Männern und den freigewordenen Biber-Brücken der kämpfenden Truppe.

Gewässerbreiten bis 38 Meter – kein Problem

Nachdem der Vorbauträger der Faltfestberücke errichtet ist, werden die einzelnen Brückenelemente ans andere Ufer geschoben

Nachdem der Vorbauträger der Faltfestberücke errichtet ist, werden die einzelnen Brückenelemente ans andere Ufer geschoben (Quelle: Heer/Marko Greitschus)Größere Abbildung anzeigen

An der Naab kommt die Faltfestbrücke, kurz FFB, als Unterstützungsbrücke zum Einsatz. Diese errichten die Bogener Pioniere in rund zwei Stunden von Grund auf. Für die Verlegeübung ins Baltikum, wurde die Brücke ebenfalls am Vortag aufgebaut. „Wir brauchen einen Mindestabstand von einem Meter zum Gewässer auf jeder Seite und das Gelände muss halbwegs eben sein, ansonsten können wir unsere Brücke überall aufbauen“, erklärt Leutnant Florian Tempelmeier. Er ist der Zugführer des Faltfestbückenzuges. Der FFB-Zug gehört zur 5. Kompanie des schweren Pionierbataillons 901. „Im Frieden sind wir dem Panzerpionierbataillon 4 in Bogen unterstellt“, erklärt der Leutnant weiter. Mit seiner Brücke kann er Gewässerbreiten bis 38 Meter überbrücken. Fahrzeuge mit rund 70 Tonnen Gewicht kann die Kriegsbrücke tragen.

Über die 40 Meter lange Brücke können Fahrzeuge mit rund 70 Tonnen Gewicht übersetzen

Über die 40 Meter lange Brücke können Fahrzeuge mit rund 70 Tonnen Gewicht übersetzen (Quelle: Heer/Marko Greitschus)Größere Abbildung anzeigen

„Die Brücke bauen wir von einer Seite zur anderen“, erklärt er. Auf dem Verlegefahrzeug befindet sich der kastenförmige Vorbauträger, er ist der Unterbau für die Fahrbahn. Der Träger wird mit Hilfe eines Kranes im sogenannten Verlegebalken zusammengesetzt und dann über das zu überbrückende Gewässer geschoben. Auf den Vorbauträger werden dann mit dem Kran die einzelnen entfalteten Brückenelemente gelegt, zusammengekoppelt und hinübergeschoben. Dann müssen die Pioniere nur noch die Auffahrrampen anbauen und die Brücke ist einsatzfähig.

Entschlossenheit und Stärke zeigen

Ein Radpanzer vom Typ Stryker der U.S. Army fährt auf die Faltfestbrücke der Bogener Panzerpioniere

Ein Radpanzer vom Typ Stryker der U.S. Army fährt auf die Faltfestbrücke der Bogener Panzerpioniere (Quelle: Heer/Marko Greitschus)Größere Abbildung anzeigen

„125 Fahrzeuge pro Stunde können unsere FFB überqueren“, so Tempelmeier. Damit dies geordnet abläuft und es keinen Stau an der Übergangsstelle gibt, haben die Pioniere einen Warteraum für den Konvoi eingerichtet. Von da werden die einzelnen Marschgruppen abgerufen. Rund 70 Fahrzeuge, darunter Radpanzer vom Typ “Stryker” des 2. US-Kavallerieregiments aus Vilseck und Spähwagen Fennek des Aufklärungsbataillons 8 aus Freyung überqueren nach und nach die Kriegsbrücke über die Naab in Richtung Baltikum. Dieser Konvoi ist der zweite innerhalb weniger Tage der nach Estland verlegt. Insgesamt nehmen 400 Fahrzeugen und 1400 Soldaten an der Verlegeübung „Dragoon Ride II” teil. In Polen überschneidet sich die NATO-Verlegeübung mit der Übung “Anakonda” mit rund 25 000 Teilnehmern aus 24 Ländern sowie der US-Luftlandeübung “Swift Response”, bei der amerikanische Fallschirmjäger aus Deutschland und den USA kommend, abgesetzt werden.

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