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Dr. Lena Hochrein und Dr. Roman Yos erhalten Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preis

Dr. Lena Hochrein und Dr. Roman Yos erhalten Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preis

Preisverleihung am Freitag zum Einsteintag im Nikolaisaal

 

Der mit 5000 Euro dotierte Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preis wird in diesem Jahr zum 12. Mal vergeben. Dr. Lena Hochrein erhält den Preis für ihre herausragenden Leistungen auf dem Gebiet Molekularbiologie und Dr. Roman Yos wird für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Philosophie ausgezeichnet.

 

Oberbürgermeister Mike Schubert freut sich, die Urkunden im Rahmen der Festsitzung zum Einsteintag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften im Nikolaisaal am Freitag, 30. November, übergeben zu dürfen: „Die Verleihung des Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preises ist eine gute Gelegenheit, die Exzellenz des Wissenschaftsstandortes Potsdam und das hohe Niveau des wissenschaftlichen Nachwuchses zu verdeutlichen. Die Jury hat entschieden, in diesem Jahr ausnahmsweise zwei hervorragende Arbeiten auszuzeichnen. Die Preisträger erhalten jeweils 5000 Euro.“

 

Professor Bernd Müller-Röber bekräftigt die Aussage von Oberbürgermeister Schubert und berichtet aus der Jurysitzung: „Es lagen 16 sehr gute Arbeiten vor, aus denen die von Frau Dr. Hochrein und Herrn Dr. Yos deutlich hervorstachen. Aufgrund der unterschiedlichen Fachdisziplinen war es für die Jurymitglieder nicht möglich, die Exzellenz der erbrachten Forschungsergebnisse vergleichend zu bewerten. Beide Arbeiten haben die Auszeichnung gleichermaßen verdient“.

 

Mit der Arbeit „Der junge Habermas. Eine ideengeschichtliche Untersuchung seines frühen Denkens 1952 – 1962“ wird erstmals eine philosophische Arbeit mit dem Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preis ausgezeichnet. Professorin Susan Neiman erklärt die Besonderheit der Arbeit: „Zum ersten Mal wird die frühe Entwicklung von Jürgen Habermas belichtet. Habermas hat sich seit Jahrzehnten für die Aufklärung und die Demokratie engagiert – nicht nur theoretisch, sondern auch als öffentlicher Intellektueller. Dr. Roman Yos geht den Fragen nach: Wie ist einem Angehhörigen der Flakhelfer-Generation in Nachkriegsdeutschland ein solches Lebenswerk möglich gewesen?  In einer Zeit des großen Umbruchs, wie war es möglich, eine deutsche kulturelle Tradition zu reanimieren?  Dr. Yos‘ ‚ganz außergewöhnliche‘ Forschung hat sogar Habermas‘ Nachfolger Axel Honneth, der Yos‘ Arbeit begutachtet hat, zur Revision seiner eigenen Thesen gebracht“.

 

Dr. Roman Yos bedankt sich für die erhaltene Unterstützung, ohne die die Fertigstellung der Promotion nicht möglich gewesen wäre und führt aus: „In der Auszeichnung meiner Arbeit sehe ich in erster Linie die Bestätigung dafür, dass es durchaus lohnenswert sein kann, geisteswissenschaftliche Forschung auch zwischen den Disziplinen zu betreiben, auch wenn das – wie im Fall der Intellectual History – einen gewissen Unsicherheitsfaktor auch und gerade bei der Planung einer akademischen Laufbahn bedeutet. Ich hoffe, meine Forschungsanstrengungen bald wieder voll auf ein von der DFG-gefördertes und am hiesigen Institut für Philosophie angesiedeltes Projekt über das Problem der Sprache in der deutschen Nachkriegsphilosophie richten zu können“.

 

Dr. Lena Hochrein hat ihre Dissertation zum Thema „Development of a new DNA-assembly method and its application for the establishment of a red light-sensing regulation system“ angefertigt. Die Arbeit fällt in den Bereich der synthetischen Biologie, einer jungen Teildisziplin der Biologie an der Schnittstelle zur Chemie, Physik, den Ingenieurwissenschaften, der Mathematik und der Informatik. Nach Ansicht von Prof. Dr. Müller-Röber hat die Jury die richtige Arbeit ausgezeichnet, denn „Frau Hochrein hat sich als studierte Chemikerin sehr engagiert in die synthetische Biologie eingearbeitet. Sie wird schon jetzt international wegen ihrer innovativen Forschung wahrgenommen und für Kooperationen von den besten Wissenschaftlern weltweit angefragt. In ihrer mit dem Preis ausgezeichneten Arbeit hat sie gleich drei zukunftsträchtige Projekte inhaltlich entwickelt und mit sehr großem Erfolg vorangetrieben. Frau Hochrein repräsentiert in beeindruckender Weise die Interdisziplinarität, die für erfolgreiche Forschung in der synthetischen Biologie erforderlich ist.“

 

Dr. Lena Hochrein befand sich auf einem beruflichen Auslandsaufenthalt, als sie von der Juryentscheidung erfuhr. Sie beschloss, den Auslandsaufenthalt vorzeitig zu beenden, um bei der Preisverleihung persönlich anwesend zu sein. Vor ihrem Rückflug aus Australien teilte Sie mit: „Es freut mich, dass der Preis für eine Arbeit aus dem Gebiet der ‚Synthetischen Biologie‘ vergeben wurde, einem noch jungen und unter dem Schlagwort der Gentechnik oftmals negativ assoziierten Fachgebiet. So erfahren Menschen im positiven Sinne von diesen neuen Technologien. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben die Aufgabe und Pflicht, die Bevölkerung über bisher wenig bekannte Möglichkeiten aufzuklären. Nur so können vielversprechende Technologien auch in der breiten Öffentlichkeit anerkannt und unterstützt werden und letztlich alle Menschen durch die Chancen des wissenschaftlichen Fortschritts profitieren. Ich möchte mich von Herzen bei allen bedanken, die mich während dieser Zeit unterstützt und motiviert haben“.

 

Neben dem ehemaligen Oberbürgermeister Jann Jakobs gehörten der Jury Prof. Dr. Susan Neiman vom Einsteinforum, Prof. Dr. Ulrich Buller, ehem. Forschungsvorstand der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Dr. Rolf Emmermann, ehem. Vorstand des Deutschen Helmholtz Zentrum GFZ, Prof. Dr. Heinz Kleger von der Universität Potsdam, Prof. Dr. Ralf Engbert von der Universität Potsdam sowie Prof. Dr. Bernd Müller-Röber von der Universität Potsdam an.

 

 

Hintergrundinformationen

 

Dr. Lena Hochrein wurde 1988 in Bad Kissingen geboren. Sie lebt mit ihrem Ehemann in Hennigsdorf. Sie schloss ihr Studium der Chemie an der Technischen Universität Berlin im Jahr 2012 mit ihrer Diplomarbeit auf dem Gebiet der Biochemie (1,0) ab. Anschließend absolvierte sie ein Promotionsstudium an der Universität Potsdam. Ihre Promotion schloss sie 2017 mit „summa cum laude“ an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam ab. Seit 2017 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam.

 

Zusammenfassung „Entwicklung einer neuartigen DNS-Assemblierungsmethode und ihre Anwendung für die Etablierung eines Rotlicht-responsiven Regulierungssystems“, Dr. Lena Hochrein (2017)

 

In der Doktorarbeit wurde eine Strategie zur schnellen, einfachen und zuverlässigen Assemblierung von DNS-Fragmenten, genannt AssemblX, entwickelt. Diese kann genutzt werden, um komplexe DNS-Konstrukte, wie beispielsweise komplette Biosynthesewege, aufzubauen. Dies dient der Produktion von technisch oder medizinisch relevanten Produkten in biotechnologisch nutzbaren Organismen. Die Vorteile der Klonierungsstrategie liegen in der Schnelligkeit der Klonierung, der Flexibilität bezüglich des Wirtsorganismus, sowie der hohen Effektivität, die durch gezielte Optimierung erreicht wurde. Die entwickelte Technik erlaubt die nahtlose Assemblierung von Genfragmenten und bietet eine Komplettlösung von der Software-gestützten Planung bis zur Fertigstellung von DNS-Konstrukten, welche die Größe von Mini-Chromosomen erreichen können.

 

Mit Hilfe der oben beschriebenen AssemblX Strategie wurde eine optogenetische Plattform für die Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae etabliert. Diese besteht aus einem Rotlicht-sensitiven Photorezeptor und seinem interagierenden Partner aus Arabidopsis thaliana, welche in lichtabhängiger Weise miteinander agieren. Diese Interaktion wurde genutzt, um zwei Rotlicht-aktivierbare Proteine zu erstellen: Einen Transkriptionsfaktor, der nach Applikation eines Lichtpulses die Produktion eines frei wählbaren Proteins stimuliert, sowie eine Cre Rekombinase, die ebenfalls nach Bestrahlung mit einer bestimmten Wellenlänge die zufallsbasierte Reorganisation bestimmter DNS-Konstrukte ermöglicht. Zusammenfassend wurden damit drei Werkzeuge für die synthetische Biologie etabliert. Diese ermöglichen den Aufbau von komplexen Biosynthesewegen, deren Licht-abhängige Regulation, sowie die zufallsbasierte Rekombination zu Optimierungszwecken.

 

Dr. Roman Yos wurde 1979 in Leipzig geboren. Er lebt mit seiner Ehefrau und seinen zwei Kindern in Leipzig. Sein Magister-Studium der Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Leipzig schloss er im Jahr 2009 mit der Gesamtnote 1,2 ab. Von 2010 bis 2016 war er Promotionsstudent an der Universität Potsdam im Fach Philosophie. Dr. Yos wurde von Prof. Hans-Peter Krüger betreut. Von 2010 bis 2015 war er Kollegiat des Walther-Rathenau-Graduiertenkollegs am Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam. In diesem Zusammenhang konnte Roman Yos ein Promotionsstipendium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit im Zeitraum 2010-2014 in Anspruch nehmen. Im Dezember 2016 hat Dr. Yos seine Dissertation „Der junge Habermas. Eine ideengeschichtliche Untersuchung zur Entstehung seines frühen Denkens (1952-1962) an der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam mit „summa cum laude“ verteidigt. Momentan ist Herr Dr. Yos als freiberuflicher Lektor im Bereich Sozial- und Geisteswissenschaft tätig.

 

Zusammenfassung „Der junge Habermas. Eine ideengeschichtliche Untersuchung seines frühen Denkens 1952-1962“, Dr. Roman Yos (2016)

 

Die Arbeit über den jungen Habermas widmet sich den bislang nicht zusammenhängend erfassten Ursprüngen seines Denkens. Angelegt ist sie als eine ideengeschichtliche Untersuchung, die Habermas’ Studienjahre, den kurzen Zeitraum seiner Tätigkeit als freier Journalist, die Jahre als Forschungsassistent am Frankfurter Institut für Sozialforschung bis hin zur Marburger Habilitationsschrift über den Strukturwandel der Öffentlichkeit umfasst und die in diesem Zeitraum entstandenen Texte im Rahmen eines intellektuellen Lernprozesses interpretiert, in dessen Verlauf sich philosophisch-politisch Motive allmählich zu einem systematischen Ansatz hin verdichten.

 

Anders, als zumeist angenommen wird, zeigt die Arbeit, dass sich Habermas’ früheste Denkbemühungen bei weitem nicht dem Einfluss einer einzelnen Denktradition verpflichten, etwa der mit den Namen Adornos, Horkheimers oder Marcuses verbundenen Kritischen Theorie. Diese, die Rezeption über Habermas wie auch über die Kritische Theorie stark bestimmende Sichtweise, korrigiert die Arbeit, indem sie Habermas’ Denkimpulsen aus anderen intellektuellen Strömungen nachforscht und im Ergebnis dieser Nachforschungen ein intellektuelles Spektrum vor Augen führt, das auch den Einfluss eher konservativer Denker wie Heidegger, Rothacker, Gehlen oder Schelsky, aber auch liberaler Vermittler wie Jaspers oder Plessner erkennen lässt.

 

In ihrer Konzentration auf Texte und deren Einbettung in eine konstellative Dynamik, die mittels einer Verbindung biographischer, zeithistorischer und philosophischer Forschungsmethoden erschlossen wird, leistet die Arbeit einen für die Forschung über Habermas wichtigen Beitrag. Indem sie die vielgestaltigen intellektuellen Einflüsse auf Habermas nachzeichnet, liefert sie zudem einen Beitrag zur Erforschung der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit. Werkhistorisch betrachtet, löst die Arbeit jenes Forschungsdesiderat ein, auf das vor vier Jahrzehnten bereits Thomas McCarthy in seiner für die Erforschung des Habermas’schen Werkes verdienstvollen Studie („Kritik der Verständigungsverhältnisse. Zur Theorie von Jürgen Habermas“) hingewiesen hat, als er darin anmerkte, dass eine Untersuchung der „Herkunft und Entwicklung“ von Habermas Ideen, die ihrerseits auf „intellektuelle Vorgänger“ und „zeitgenössische Einflüsse“ zurückzuführen sind, noch ausstehe.

 

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