Die Zecke: Eine unterschätzte Gefahr

Während Soldaten auf Truppenübungsplätzen den imaginären Feind bekämpfen, lauert die eigentliche Gefahr zu ihren Füßen im Gras: Zecken leben auf Sträuchern und Gräsern bis zu 1,50m Höhe und gerade Truppenübungsplätze bieten für Zecken optimale Lebensbedingungen. Das Risiko, sich zu infizieren, ist bei Übungen also erhöht.

Zecke auf einem Blatt

Die Zecke ist ein weltweit verbreiteter Parasit und auch eine Gefahr für Soldaten. (Quelle: Wikipedia/Bauer)Größere Abbildung anzeigen

Die Zecke ist ein weltweit verbreiteter Parasit, der für Mensch und Tier eine Gefahr darstellt. Sie überträgt Krankheiten, die schwerwiegende Folgen nach sich ziehen können und in seltenen Fällen sogar bleibende Schäden verursachen. Wenn eine Zecke infiziert ist, gelangen beim Stich die Krankheitserreger aus den Speicheldrüsen oder dem Darm des Insekts in den Körper des Gestochenen. Zu den gefährdetsten Stellen zählen weiche, gut durchblutete und dünne Hautstellen. Deshalb kommen Stiche vor allem im Genitalbereich, unter den Achseln oder auch an den Innenseiten der Oberarme und in den Kniekehlen vor.

Durch Zeckenstiche übertragbare Krankheiten

Zu den bekanntesten Krankheiten, die durch einen Zeckenstich – manche sprechen auch von Zeckenbissen – übertragen werden, zählt die Borreliose. Sie wird vom Bakterium „Borrelia burgdorferi“ ausgelöst und ist in Deutschland die am häufigsten von Zecken übertragene Erkrankung. „Bei einer Borreliose ist die Wanderröte das charakteristische Symptom“, sagt Oberstabsarzt Tobias Wagelöhner aus dem Bundeswehrkrankenhaus Berlin (BwK). Hierbei handelt es sich um eine ringförmige Rötung der Haut. Borreliose kann ebenfalls durch Anzeichen wie Abgeschlagenheit, Fieber und Kopfschmerzen erkannt werden. Im weiteren Stadium können starke Schmerzen, Herzprobleme oder sogar eine Hirnhautentzündung auftreten. Im Spätstadium sind Gelenkentzündungen möglich.

Eine weitere häufige Erkrankung durch Zeckenstiche ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). „Bei der FSME handelt es sich um eine virale Erkrankung, die anfangs wie eine Erkältung verlaufen kann“, erklärt Wagelöhner. Mögliche Symptome sind Fieber-, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei manchen Patienten befällt das Virus das zentrale Nervensystem, wodurch es in schlimmen Fällen ebenfalls zu einer Hirnhautentzündung kommen kann. Das Risiko, an der FSME zu erkranken, liegt nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts bei etwa 1:150. Im Jahr 2015 wurden 145 Stadt- und Landkreise als FSME-gefährdet eingestuft; dagegen waren es im Jahr 1998 nur 63 Landkreise. Laut Oberfeldarzt Privatdozent Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (InstMikroBioBw) treten FSME-Erkrankungen überwiegend in Süddeutschland auf; im Norden sei eine solche Erkrankung selten. Borreliose-Erkrankungen können dagegen überall in Deutschland auftreten.

Zwei Soldaten mit Gewehr liegen abgetarnt im Wald

Tarnen hilft nicht gegen Zecken. (Quelle: Bundeswehr/Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Wie können Sie sich vor Zeckenangriffen schützen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Abwehr von Zeckenstichen. Die Uniformen der Bundeswehr sind hierfür mit einem Mittel imprägniert, das vor Zecken schützt. Dobler empfiehlt, nicht bedeckte Hautstellen mit einem Insektenschutzmittel einzusprühen. Außerdem ist es wichtig, direkt nach Aufenthalten in Zeckengebieten den gesamten Körper abzusuchen und dabei besonders auf Hautfalten zu achten. Nach der Entfernung einer Zecke sollte die Wunde weiter beobachtet werden. Sofern keine Wanderröte oder andere Symptome auftreten, ist normalerweise kein Arztbesuch nötig.

Da im süddeutschen Raum ein erhöhtes FSME-Risiko besteht, wird empfohlen, sich gegenFSME impfen zu lassen. Soldaten sind hierzu verpflichtet. Eine solche Impfung wirkt jedoch nicht gegen Borreliose. Hier hilft nur, sich allgemein vor Zeckenstichen zu schützen und im Fall eines Stiches die Zecke schnellstmöglich zu entfernen. Generell gilt: Je schneller die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko zu erkranken. Bis man sich mit Borreliose-Bakterien infiziert hat, vergehen etwa 12-24 Stunden. Die Viren der FSME werden dagegen sofort übertragen.

Sichere Methoden der Zeckenentfernung

Eine Zecke kann mit speziellen Hilfsmitteln entfernt werden, die in Apotheken erhältlich sind. Hierzu zählen die Zeckenzange, das Zeckenlasso und die Zeckenkarte. Ansonsten kann der Blutsauger auch mit einer Pinzette oder mit den Fingern entfernt werden. Oberstabsarzt Wagelöhner empfiehlt, die Zecke mit einer leichten Drehbewegung herauszuziehen. Hier muss jedoch darauf geachtet werden, dass kein fester Druck auf die Zecke ausgeübt wird. Das gesaugte Blut könnte wieder in die Wunde gelangen und dadurch das Infektionsrisiko erhöhen. Auch der Kontakt mit den Körperflüssigkeiten der Zecke sollte wegen der Übertragungsgefahr gemieden werden. Wenn der Stechapparat einer Zecke beim Entfernen in der Haut zurückbleibt, stellt das laut Oberfeldarzt Dobler an sich keine Gefahr mehr da. Der Fremdkörper wird meistens von alleine abgestoßen, wobei es zu einer Infektion kommen kann. Deshalb empfiehlt es sich, den Stechapparat entfernen zu lassen.

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