Die erste autonom fahrende Straßenbahn der Welt – Siemens-Projekt bringt wichtige Erkenntnisse für die ViP

Heute wurde in Potsdam die erste autonom fahrende Straßenbahn der Welt durch die Siemens Mobility GmbH den Medien vorgestellt. Die ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH als langjähriger Kunde von Siemens hat für dieses Projekt exklusiv eine Straßenbahn vom Typ Combino zur Verfügung gestellt. Durch die räumliche Nähe zum Forschungsstandort Berlin der Siemens Mobility qualifiziert sich die ViP als idealer Projektpartner.

Die ViP-Geschäftsführer Oliver Glaser und Martin Grießner erklären: „Unser Unternehmen ist sehr stolz, an solch einem epochalen Projekt in der Straßenbahngeschichte aktiv mitwirken zu können. Schienengebundene Elektromobilität im städtischen Straßenverkehr und die Digitalisierung werden hier in einer Weise miteinander verbunden, wie es so noch nie zuvor geschehen ist. Die ViP setzt damit ihre jahrzehntelange Tradition fort, bei der Erprobung neuer Techniken aktiv mitzuwirken, von der weltweit ersten Tatra-Bahn KT4D, über die erste Combino-Niederflurbahn zur nunmehr ersten autonom fahrenden Straßenbahn.“

 

Der ViP-Aufsichtsratsvorsitzende, Bürgermeister Burkhard Exner, sagte: „Die Teilnahme am Test zeigt, die Landeshauptstadt Potsdam und die ViP stellen schon heute die Weichen für die Zukunft. Wir suchen immer nach Möglichkeiten, die Attraktivität des Personennahverkehrs zu erhöhen. Damit nimmt die ViP eine führende Rolle ein. So werben wir auch außerhalb des Landes Brandenburg für die Innovationsfreudigkeit märkischer Unternehmen.“

 

Bei dem Fahrzeug handelt sich um den Combino-Prototyp aus dem Jahr 1996, der seinerzeit erstmalig in Potsdam getestet wurde. Er hat die Wagennummer 400 und den Namen „Perugia“. Um die Potsdamerinnen und Potsdamer auf das Fahrzeug aufmerksam zu machen, wurde es in den vergangenen Tagen mit der entsprechenden grafischen Außengestaltung versehen.

 

Die Testfahrten liefen und laufen sicher und kontrolliert ab. In der Fahrerkabine sitzt ein Fahrer der ViP, der jederzeit in das Fahrgeschehen eingreifen und eine Notbremsung durchführen kann. Dies war die Voraussetzung, um die Testfahrten im realen Straßenverkehr durchführen zu dürfen. Die autonome Straßenbahn fährt zwischen dem Betriebshof der ViP und der Wendeschleife Gaußstraße überwiegend auf eigenem Gleiskörper, kreuzt mehrere nicht so stark befahrene Straßen mit und ohne Ampelregelung.

 

Die Erprobung auf dem sechs Kilometer langen Gleisabschnitt erfolgt ohne Fahrgäste. Der Fahrgastwechsel wird somit an den drei Haltestellen noch nicht getestet. Die ViP geht davon aus, dass die anstehende Fahrzeuggeneration in den nächsten Jahren noch einen Fahrer benötigen wird. Der technische Geschäftsführer der ViP, Oliver Glaser, erläutert: „Bei der anstehenden Beschaffung neuer Straßenbahnen werden Assistenzsysteme eine wichtige Rolle spielen. In der autonomen Tram kommen auch Komponenten solcher Systeme zur Vermeidung von Unfällen zum Einsatz, die Straßenbahn wird dadurch noch sicherer. Somit werden wir und insbesondere die Potsdamer Bürger und unsere Fahrer doppelt von dem Test profitieren. In der langfristigen Planung werden die Entscheidungen der ViP dann davon abhängen, wie sich die Technik weiterentwickelt.“

 

Derzeit handelt es sich um ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt noch ohne kommerzielle Nutzbarkeit. Die kompletten Kosten für Forschung und Entwicklung sowie für den Umbau trägt Siemens. Der Projektstart, dessen Ausgangspunkt die Weiterentwicklung vorhandener Fahrerassistenz-Systeme war, erfolgte unter hoher Geheimhaltung im September 2017. Nach Messfahrten zur Erfassung der Teststrecke wurde ein Detail- und Sicherheitskonzept erstellt. Materialbeschaffung, Einbauplanung und die Installation der Technik waren die nächsten Schritte. Die „Lernphase“ auf der Strecke erfolgte ab Mai 2018. Die heutige Vorstellung im Rahmen der internationalen Fachmesse für Verkehrstechnik „InnoTrans“ stellt einen Meilenstein und mit dem erreichten Entwicklungsstand den erfolgreichen Abschluss eines Teilprojektes dar.

 

Das gesamte Projekt erfährt danach eine Fortsetzung. Die Siemens Mobility GmbH und das unabhängige FZI Forschungszentrum Informatik der Universität Karlsruhe führen derzeit eine Studie in Potsdam zu konkreten Möglichkeiten und Potentialen einer (Teil-) Automatisierung des Betriebshofes durch. Mittelfristig soll auf dieser Basis eine erste Stufe des autonomen Fahrens in Form der Depotautomatisierung kommerziell nutzbar gemacht werden. Auch hier wird die ViP Projektpartner sein.

 

Oliver Glaser: „Einzelne Szenarien sollen mit unserem Testfahrzeug umgesetzt werden. Es geht insbesondere um die Überprüfung, ob zeitintensive Rangierprozesse auf dem Betriebshof automatisiert werden können. Daraus werden neue Technologie- und Prozessentwicklungen abgeleitet. Ziel ist die praktische Demonstration, um zu sehen, welche Schritte zeitnah umgesetzt werden könnten. Die Ergebnisse werden sowohl in die Planungen des Um- und Ausbaus des heutigen ViP-Betriebshofes einfließen als auch in die Konzeption eines Betriebsstützpunktes im Potsdamer Norden. 

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