Die „aufrechten Zwölf“

Über Mecklenburg-Vorpommern sagt man, das alles 50 Jahre später passiert. Aber in Ihrem Fall haben wir – vom heutigen 01. August rückwirkend gerechnet – nur vier Monate dafür gebraucht, um die Übernahme in den Polizeidienst des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu realisieren“, so Lorenz Caffier, Innenminister in Mecklenburg-Vorpommern, bei der Begrüßung von zwölf Soldaten der Feldjägertruppe. Diese zogen am gleichen Tag die „Flecktarn-Uniform“ aus und die dunkelblaue Polizeiuniform des Landes Mecklenburg-Vorpommern an.

In einem großen Raum sind viele Menschen.

Innenminister Caffier (mitte) bei der Ernennungsveranstaltung. (Quelle: LKdo MV/Geschwentner)Größere Abbildung anzeigen

Auf Einladung der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege waren hochrangige Vertreter der Bundeswehr, des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr, der Landespolizei sowie viele Angehörige zu einer Ernennungsveranstaltung nach Güstrow gekommen. Im Rahmen einer Feierstunde vereidigte der Innenminister ehemalige Zeitsoldaten zu „Polizeiobermeistern auf Probe“ und führten das Leuchtturmprojektes „Feldjägerfeldwebel zu Polizisten“ zu einem erfolgreichen Abschluss.

In einem Klassenraum sitzen 12 Männer .

Die Ausbildungsklasse der ehemaligen Feldjägerfeldwebel. (Quelle: LKdo MV/Geschwentner)Größere Abbildung anzeigen

Die zwölf Feldjägerfeldwebel trafen sich bereits zwei Stunden vor der Ernennung. Vertreter der Fachhochschule wiesen die zukünftigen Polizisten in den Ablauf der nächsten Monate ein. Neben der Übergabe von Stundenplänen und einem Kurzbesuch im Lehrgangshörsaal, der hier Seminargruppenraum heißt, waren Informationen zum Ausbildungsverlauf das Schwerpunktthema. Denn bereits am Folgetag geht es richtig los: Morgens Unterricht und nachmittags Einkleidung. Auf die Frage, wie die zwölf ehemaligen Zeitsoldaten von der Wechselmöglichkeit zur Polizei erfahren haben, gab es übrigens eine Vielzahl von Antworten: Aus dem Radio, vom Berufsförderungsdienst oder sogar durch einen direkten Hinweis aus den Reihen der Polizei.

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Theorie und Praxis im Wechsel

Viele Männer stehen vor drei Fahnen in einem Raum.

Nach der Vereidigung: Gruppenbild der Polizeianwärter. (Quelle: LKdo MV/Geschwentner)Größere Abbildung anzeigen

Die ersten zwei Monate werden die ehemaligen Feldjäger intensiv mit Theorie und Praxis auf ihre neue Aufgabe vorbereiten. Diese Basisausbildung baut auf Inhalte des bisherigen Feldjägerdienstes und Fähigkeiten der Militärpolizisten auf. Ziel dieser Präsenzphase ist nämlich die Einweisung in die tägliche Routine der Polizeidienststellen, denn ab dem 1. Oktober sind die Polizeianwärter in „ihrem“ Revier auf Streife unterwegs.

Deshalb steht neben dem obligatorischen Sport vor allem Rechtsunterricht, Computersachbearbeitung (z. B. Erstellen von Anzeigen oder Bearbeitung von Formularen) und die kriminaltechnische Ausbildung auf dem Lehrplan. Ab Mai 2017 folgt dann nochmals eine weitere, diesmal viermonatige, Präsenzphase in der Güstrower Fachhochschule.

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Gewinner auf beiden Seiten

Vier Männer stehen in einem Raum vor drei Fahnen.

Minister Caffier (2. von rechts) im Kreis von Polizei und Bundeswehr. (Quelle: LKdo MV/Heberer)Größere Abbildung anzeigen

Die Ausbildungsinhalte der Feldjägerfeldwebel ähneln denen für den Polizeivollzugsdienst. Insofern handelt es sich hierbei um eine für die Polizei geeignete Ausbildung. Deshalb können wir bei der Ausbildung und Einstellung von den Erfahrungen der ehemaligen Soldaten profitieren“, sagte Minister Caffier in seiner Rede und ergänzte: „Viele dieser Kameraden waren im Auslandseinsatz und ich weiß aus meinen Besuchen in Afghanistan, Kosovo und Libanon, welche gute Arbeit dort die Feldjäger als Militärpolizei vor Ort machen. Als Ihr neuer Dienstherr warten wir schon auf Sie, denn Sie werden dringend gebraucht. Die Menschen in unserem Land sind dankbar, dass es Sie gibt. Sie freuen sich, wenn Sie ihnen helfen“.

Sechs Männer stehen in einer Reihe und reichen sich die Hand.

Präsident Stuke (links) und General Schnittker (2. von links) gratulieren. (Quelle: LKdo MV/Geschwentner)Größere Abbildung anzeigen

Das dieses Maßnahme keine „feindliche Übernahme“ darstellt unterstreicht Brigadegeneral Udo Schnittker, Feldjägerführer der Bundeswehr und Kommandeur Kommando Feldjäger der Bundeswehr: „Sie, die neuen Polizeibeamten, betreten das noch immer sehr junge beamtenrechtliche Neuland, welches durch eine enge Kooperation zwischen Bund und Länder geprägt ist und im Zeichen der öffentlichen Sicherheit steht. Sie folgen den brandenburgischen Kameraden, die im September letzten Jahres erstmalig diesen Schritt gemacht haben. Ich wünsche Ihnen, den ´aufrechten Zwölf´, und den Sie nun begleitenden Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten alles Gute und viel Erfolg“.

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Erfolgreich den Wechsel ermöglichen

In einem großen Saal sitzen viele Menschen auf Stühlen.

Die „aufrechten 12“ (erste Reihe von links). (Quelle: LKdo MV/Heberer)Größere Abbildung anzeigen

Das Projekt „Feldjägerfeldwebel zu Polizisten“ zeigt deutlich: Mit der Bundeswehrausbildung und der Ausbildung bei der Feldjägertruppe im Speziellen ist ein erfolgreicher Wechsel in das zivile Arbeitsleben möglich. Nach einer entsprechenden Zusatzausbildung kann ein gezielter Fähigkeitstransfer zur Anwendung kommen. Parallel dazu sorgte auch das Karrierecenter Schwerin mit dem ihm unterstellten Berufsförderungsdienst dafür, dass ein reibungsloser als auch schneller Übergang zum Polizeidienst möglich wurde. Die Anwesenheit von Georg Stuke, Präsident des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr, unterstreicht dabei auch die große Wertschätzung für das Projekt. „Minister Caffier war im November 2015 bei uns in Köln. Schon da haben wir darüber gesprochen, dass ausscheidende Zeitsoldaten Talente und Erfahrungen mitbringen, die viel mehr zivile Arbeitgeber nutzen sollten“.

Und wie verhält es sich mit dem privaten Umfeld der neuen Polizeimeister? Alle sind „Kinder aus Mecklenburg-Vorpommern“, waren in den fünf norddeutschen Bundesländern stationiert und bleiben mit dem Wechsel zur Polizei im eigenen Bundesland. Allen gemeinsam ist zudem, dass sich die Familien sehr darüber freuen, dass der ehemalige Soldat nun einen Arbeitsplatz in Mecklenburg-Vorpommern gefunden hat.

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