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Der Showdown beginnt

Die Mission der Fallschirmjäger ist noch nicht beendet, denn weitere „Echos”, also zu evakuierende Personen, müssen in Sicherheit gebracht werden. Am nächsten Ziel werden die Soldaten aber nicht nur von unzähligen Schaulustigen erwartet – auch der Gegner steht schon in Stellung.

Schnell noch das Fahrrad am Bauzaun angeschlossen – sicher ist sicher – und dann schnell unter die Schaulustigen gemengt. Der sportliche Opa tut nur, was hier alle machen. Trauben von Menschen haben sich an einer Fußgängerbrücke über den Fluss Leie versammelt. Neugierig, erlebnisorientiert, das Handy immer griffbereit. Einige hundert Meter entfernt naht der Gegenstand ihres Interesses: Die verstärkte fünfte Kompanie des Fallschirmjägerregiments 31. Die Evakuierungs-Übung Storm Tide hat sich zum Publikumsmagneten entwickelt.

Soldaten und Fahrzeug auf Straße

Schwer bewaffnet. Die Fallschirmjäger nähern sich dem Rathaus. (Quelle: Bundeswehr/Burow)Größere Abbildung anzeigen

Vormarsch mit Methode

Hier vor der Feuerwache mit Blick auf den Fluss lauern zwei Männer der gegnerischen Kräfte. Nervös wirken sie nicht gerade. Aber wahrscheinlich sind sie auch nicht glücklich, dass die Zivilisten gerade ihre Position kompromittieren. Langsam rücken die Deutschen dem Objekt „Platin“ näher. Beiderseits der Uferstraße und wie immer mit Wieseln an der Spitze. Erdrückende Übermacht, könnte man sagen.

Die beiden leicht Bewaffneten liefern am Ende nur ein kurzes Feuergefecht und weichen aus. Besser so. Als Alarmposten haben sie ihren Zweck ohnehin erfüllt. Die gegnerische Besatzung von „Platin“ ist gewarnt. Der Gegner hält das Rathaus mit starken Kräften besetzt.

Methodisch nähern sich die Fallschirmjäger. Erst über eine schmale Nebengasse, dann auf der Hauptstraße. Truppweise, in Rundumsicherung, immer mit einem scharfen Auge auf Dächer und Fenster. Die Fahrzeuge mit den schweren Waffen rollen mit kurzen Gasstößen voran, halten und sichern. Es dauert eine Weile, aber die Truppe macht ihre Sache gut.

Konzentration und Disziplin der Kompanie waren sehr gut“, urteilt Hauptmann Sascha Diers später. Als Schiedsrichter war der ehemalige Chef der fünften Kompanie die ganze Zeit dicht an der Übungstruppe. „Die Jungs waren die ganze Zeit von Schaulustigen umgeben. Das macht es nicht einfacher. Aber die haben das professionell ausgeblendet. Kompliment.“

Granatmaschinenwaffenschütze

Ständige Wachsamkeit: Die Soldaten sichern die die Umgebung ab. (Quelle: Bundeswehr/Burow)Größere Abbildung anzeigen

Atem holen im Angriffsziel

Auf dem nahegelegenen zentralen Platz weist die Besatzung eines Militärfahrzeuges in flämischer und französischer Sprache auf die laufende Übung hin. Das schreckt hier keinen ab. Im Gegenteil. Aber die blecherne Stimme aus dem Megaphon verleiht der Situation vorm Rathaus einen irgendwie bedrohlichen Charakter. Dann krachen ein paar Schüsse von „Platin“ her. Kommandogeschrei und aufheulende Diesel. Sofort gibt ein deutsches MG3 ratternd die Antwort.

Nun beginnt der Feuerkampf, in den bald auch die Fahrzeuge eingreifen. Die Waffenträger Wiesel überflügeln den Gegner und sichern die linke Flanke. Unterdessen erreichen mehrere Trupps das Rathaus und beginnen, es systematisch freizukämpfen. Noch geraume Zeit sind immer wieder Salven aus dem Gebäude zu vernehmen. Irgendwann ebben die Gefechte ab und Hauptmann Henri Diers lässt das Feuer einstellen.

Der Tag ist noch nicht vorbei. In Sichtweite muss nahe der Kirche noch ein Gebäude genommen werden. Aber das ist für die Seedorfer sozusagen eine Zugabe. Wichtig: Im Rathaus warten danach trockene Quartiere. Das während der Übung in den Zügen immer beliebter gewordene Wort „Folgeauftrag“ spricht der belgische Bataillonskommandeur an diesem Abend nicht mehr aus. Zeit zum Atem schöpfen für den Schlussakkord morgen.

Soldaten im Rathaus

Gegner im Visier: Die Soldaten stürmen das Rathaus. (Quelle: Bundeswehr/Schmidt)

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