“Das Duell”: Gauland räumt “Eigentor” bei Boateng-Kritik ein

Alexander Gauland hat seine Kritik an Fußballnationalspieler Jerome Boateng relativiert. “Ich wusste überhaupt nicht, dass er erstens farbig ist und ich wusste auch nicht, dass er Deutscher und Christ ist”, behauptete der stellvertretende Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) am Montagabend in “Das Duell bei n-tv” (Thema: “Willkommenskultur oder Fremdenhass – was ist deutsch?”). Erst ein Anruf von Parteikollegin Beatrix von Storch habe Klarheit gebracht: “Da war mir klar, dass ich natürlich ein Eigentor geschossen hatte”, sagte Gauland.

Der Politiker hatte der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” gesagt, neben jemandem wie Boateng wolle man nicht leben – ihm war anschließend Rassismus vorgeworfen worden. Dennoch warf Gauland Teilen von Politik, Gesellschaft und Medien Heuchelei vor: “Wir erleben dauernd, das Eltern – wahrscheinlich die, die auf Antirassismus-Demonstrationen gehen – ihre Kinder in weit entfernte Schulen schicken, weil sie Angst haben, dass der Deutschunterricht in einer Schule mit vielen Ausländern nicht so gut ist.”

Der AfD-Vize war auch dafür kritisiert worden, dass er auf einer Kundgebung eine Textzeile einer rechtsextremistischen Band verwendet hatte. Ein AfD-Anhänger hatte die Textzeile auf ein Plakat geschrieben. “Da wurde mir das Plakat entgegen gehalten, und da ich habe nicht sagen können, dass geht überhaupt nicht”, sagte Gauland zu dem Vorfall. “Heute sind wir tolerant, morgen fremd im eignen Land: Das ist das Gefühl vieler Menschen”, wiederholte Gauland die Textzeile im “Duell” noch einmal. Der Spruch habe “im ersten Moment völlig vernünftig” geklungen.

Die AfD erzielt mit ihrem islam- und flüchtlingskritischen Kurs große Erfolge bei den Wählern. Gerhart Baum (FDP) warf Gauland und seiner Partei vor, Deutschland mit diesem Kurs zu spalten. “Die Religionsfreiheit ist verbürgt, das ist ein wichtiges Element unserer freiheitlichen Gesellschaft. Deswegen verstehe ich auch Islamophobie überhaupt nicht”, so der frühere Bundesinnenminister. “Wenn ich mir anhöre, was in meiner Heimatstadt Dresden vor dem Schloss und vor der Oper bei den Pegida-Veranstaltungen geredet wird, das ist Hass. Da wird Hass gepredigt, und daraus entsteht eben eine wachsende Gewalt gegen Fremde.”

Statt die Bevölkerung zu spalten, müsse sich die AfD “bemühen, mit uns gemeinsam die Polarisierung der Gesellschaft abzubauen”, forderte Baum. “Wir sind stark und kräftig: wir sollten mutig in die Zukunft gehen und nicht so ängstlich wie sie”, sagte der FDP-Politiker zu Gauland.

 

Zitate frei unter Verweis auf “Das Duell bei n-tv”. Wiederholung 23.10 Uhr.

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