Von den Politikern im Plenarsaal zu Punks und Polemik: Jugendgeschichtstage im Landtag

Der Druck auf die sorbische Minderheit in der DDR oder die hundertjährige Geschichte der Gründungsfahne des Deutsche-Eiche-Spielmannszuges. Die Einzelschicksale der Zwangsarbeiter in den BRABAG-Werken (heute BASF) oder nach Sibirien verbannte Jugendliche. Wehrkunde, FDJ, GST, DSF im Pionierhaus Cottbus oder das alte Liedgut der Brandenburger Fastnachtstradition: Landesweit erforschen 20 Zeitensprünge-Projekte Geschichte vor Ort. Jugendliche aus zehn dieser Gruppen starteten am heutigen Freitag im Landtag ihre diesjährigen Jugendgeschichtstage und kommen dabei miteinander und mit Abgeordneten ins Gespräch.

„Geschichte sollten wir immer wieder diskutieren, mit dem Blick nach vorne und der Frage im Kopf, was wir für heute und morgen daraus lernen”, sagte  Marie Luise von Halem als Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur zur Begrüßung der rund 50 Jugendlichen und ca. 20 Projektbetreuerinnen und -betreuer sowie Gäste im Plenarsaal.

„In dicken Büchern steht zwar eine Menge Wissen, aber durch die Gespräche mit verschiedenen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wird sie erst lebendig“, sagte Jane Baneth vom Landesjugendring Brandenburg, dessen Beratungsstelle für lokale Jugendgeschichtsarbeit „Zeitwerk“ die 2004 ins Leben gerufenen Jugendgeschichtstage ausrichtet. Die Vergangenheit, so Baneth, müsse sich immer wieder vergegenwärtigt und von so vielen Seiten wie möglich betrachtet und erforscht werden. Die Zeitensprünge würden durch die Arbeit der Jugendgruppen vor Ort, in der Region zu einem solch erfolgreichen Programm.

An den diesjährigen Jugendgeschichtstagen am 16. und 17. Februar unter dem Motto „Geschichte entdecken – durch die Zeiten springen“ nehmen 13- bis 19-jährige Mädchen und Jungen aus Wandlitz, Lauchhammer, Werder und Wriezen, dem Amt Schradenland und Cottbus, Nauen und Grüneberg teil. Nach einem Geschichts-Memory, bei dem sich historische Fotos und die dazugehörigen Texte aus den letzten 100 Jahren finden müssen, und der Diskussion zu den präsentierten Forschungsergebnissen geht es für die Geschichtsexpertinnen und -experten in Potsdam auf neue Spurensuche: Punks in der DDR und Polemik im Film, ein im Nationalsozialismus verfolgter Künstler oder Kindheit im Heim (eine Ausstellung in der Stiftung großes Waisenhaus zu Potsdam) sind einige Themen der Exkursionen.

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