Landkreis fördert Humusprojekt – Agrarexperte lobt Projekt als bundesweit einzigartig

Agrarexperte lobt Projekt als bundesweit einzigartig

 

Gesunde und lebendige Böden erfüllen wichtige Funktionen: Auf ihnen werden nicht nur wichtige Nahrungsmittel angebaut, sie filtern auch Trinkwasser und binden jede Menge Kohlenstoff.

Infolge klimatischer Veränderungen und immer längerer Dürreperioden stehen die Landwirte vor immer größeren Herausforderungen, die zumeist auch mit immer geringeren Ernteerträgen einhergehen. Hinzu kommt der zumeist sandige Boden der Mark, der di­­e Landwirte ohnehin schon fordert.

Der Landkreis hat sich daher entschieden zu handeln, zumal die Hälfte der Landkreisfläche einer landwirtschaftlichen Nutzung unterliegt.  2015 wurde daher vom Landkreis im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes ein Pilotprojekt zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit auf den landwirtschaftlichen Flächen gestartet. „Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe“, sagt die Klimaschutzmanagerin des Landkreises Johanna Hornig„Wir bessern mit dem Humusprojekt nicht nur die Bodenfruchtbarkeit der Äcker und somit die Ernteerträge der Landwirte, sondern wir tragen mit dem Projekt zum Klimaschutz bei, denn humusreiche Böden binden mehr COim Boden.“

 

Teilnehmer des Projektes sind sowohl biodynamische als auch konventionelle Bauern des Landkreises, darunter die Agrargenossenschaft Gülpe, der Biobetrieb Dech in Hohennauen, der Biobetrieb Hof Havelarche sowie die Kreuterey aus Wolsier, die seither gemeinsam mit dem Kreis verschiedene Methoden der regenerativen Landbewirtschaftung praktizieren. Methodisch und fachlich begleitet werden sie dabei von Agraringenieur Dietmar Näser.  Spaten und Sonde, Auge, Hand und Nase sind für den Bodenexperten die wichtigsten Werkzeuge zur Bodenbeurteilung. Und die hat er auch am gestrigen Donnerstagnachmittag auf dem Acker des Demeter zertifizierten Biohofes Dech eingesetzt, als die Teilnehmer des Projektes einmal mehr zusammen kamen, um einen Unterbodenlockerer als Leihgabe vom Landkreis als weitere Maßnahme des Projektes entgegen zu nehmen.

Umweltamtsleiterin Christine Fliegner übergab das neue Gerät gemeinsam mit Johanna Hornig und erklärte: „Die Landwirte haben nur über die Bewirtschaftungsmaßnahmen Einfluss auf den Humusgehalt und wir wollen sie dabei unterstützen. Der Unterbodenlockerer kann tief in den Boden vordringen, ohne die Oberflächen-Vegetation zu zerstören.“

Als der Traktor mit anmontiertem Unterbodenlockerer losfuhr, ließ das Ergebnis so manchen teilnehmenden Zuschauer erstaunt zurück. Zwar wurde der Unterboden in der Tiefe gelockert, jedoch blieb die Oberfläche nahezu unverändert. Bodenanalytiker Näser erklärt: „Durch das Anheben und Aufbrechen des Unterbodens bleibt die natürliche Bodenstruktur erhalten. Lediglich unterhalb der oberen Schicht werden verdichtete Schichten aufgebrochen, was die  Durchwurzelung und eine bessere Zufuhr mit Wasser und Luft fördert, was wiederum zu einem kräftigerem Pflanzenwachstum und einem besseren Ernteertrag führt. Die obere Schicht bleibt hingegen nahezu unberührt.“

 

Regelmäßige Beprobungen sollen zeigen, inwieweit sich die Bodenstruktur im Ergebnis aller Maßnahmen zukünftig verbessern wird. Das sei ein Prozess, so Näser, der sich nicht von heute auf morgen einstellen wird. Zwar ließen sich Veränderungen im Boden unmittelbar nachweisen, Auswirkungen auf den Ernteertrag zeigen sich jedoch häufig erst nach einigen Jahren. So führt er gern das Zitat von Friedrich Nietzsche an: „Alles Fertige wird angestaunt, alles Werdende wird unterschätzt.“

Die Landwirte Kai-Holger Dech vom Biohof Dech und Enrico Voigt von der Agrargenossenschaft Gülpe sind dankbar, dass sich der Landkreis dieses wichtigen Themas angenommen hat und auch Agraringenieur Dietmar Näser, der in ganz Deutschland Landwirte berät, ist beeindruckt vom Engagement des Landkreises Havelland: „Es ist eine Pionierleistung, dass sich eine Kommune im Rahmen der regenerativen Landwirtschaft so engagiert, das ist bundesweit einzigartig.“

In Österreich sei das Bewusstsein für den Humusaufbau schon etwas weiter gediehen, so Näser, der alle Projekte in diesem Bereich bundesweit und auch europaweit im Blick hat. Dort erhielten „Humus-Bauern“ eine Prämie für die zusätzliche Bindung von CO2 im Boden. Diese Aktion gehe auf eine Kooperation des Lebensmittelhandelsunternehmens SPAR mit der WWF Österreich zurück. Für die Kunden von Spar seien die Gemüsesorten aus Humusanbau durch ein eigenes Logo zu erkennen. Das Handelsunternehmen wolle so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz beitragen, erklärt Näser.

Im Havelland steht das Projekt noch am Anfang und doch können die Ergebnisse der letzten zwei Jahre in einer ersten Evaluation dargestellt werden, die demnächst fertiggestellt wird. Darüber hinaus ist das Leibnitz-Institut für Analytische Wissenschaften in Berlin Adlershof auf das Projekt aufmerksam geworden. Hier laufen derzeit Gespräche zur wissenschaftlichen Begleitung des Projektes, so Umweltamtsleiterin Christine Fliegner„Wir sind auf einem guten Weg, den wir weiter mit viel Enthusiasmus gehen werden. Denn was viele jetzt noch nicht erkennen, aber in einigen Jahren dramatische Realität werden wird, ist, dass der Boden von den klimatischen Veränderungen dermaßen ausgezerrt sein wird, dass die Landwirte vor großen Herausforderungen stehen werden. Zudem ist Bodenschutz ein Teil der Lösung des hohen CO2 Ausstoßes.“

Wer Fragen zum Projekt hat, kann sich gern an das Umweltamt wenden unter klimaschutz@havelland.de oder unter der Telefonnummer 03321-4035435.

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