Anflug des Adlers auf Fortuna: Nächste Attika-Figur nahm auf dem Landtag Platz

Ein Jüngling und Herkules waren im April 2016 die ersten, auf dem Landtag aufgestellten Attika-Figuren, gefolgt von der Legendenfigur Marcus Manlius vor wenigen Tagen: Heute kehrte mit der Adlergruppe erstmals eine Großplastik auf die Attika des heutigen Landtagsgebäudes zurück. Parlamentspräsidentin Britta Stark und Dr. Hans-Joachim Kuke vom Verein Potsdamer Stadtschloss e.V. verfolgten mit Abgeordneten und Gästen den „Anflug“ des Adlers auf das östliche Galeriegeschoss des Fortuna-Portals am Alten Markt.

Britta Stark dankte dem Stadtschloss-Verein und den Spendern für das Engagement bei der Rekonstruktion und Aufstellung der historischen Figuren. „Unser Parlamentsgebäude prägt heute Potsdams wiederentstehende historische Mitte. Der Landtag, das Haus der Demokratie und der Bürgerinnen und Bürger erinnert aber nicht nur an unsere preußischen Wurzeln, sondern erzählt zugleich eine neue Geschichte – von demokratischer Willensbildung und bürgerschaftlichem Engagement“, sagte Stark„Da passt es gut, dass mit der heute aufgesetzten Skulptur nicht primär der Preußenadler gemeint ist, sondern der Adler des Jupiter, der die friedensstiftende Rolle des wohlgeordneten Staates beschirmt.“

Dr. Hans-Joachim Kuke, Vorsitzender des Vereins Potsdamer Stadtschloss e. V. freute sich, dass das Fortuna-Portal ein Hauptstück der Kunstgeschichte Brandenburgs zurückerhält, mit dem man architektonisch und bildhauerisch mit den großen Kunstmetropolen der Welt gleichzog. „Für die Wiederherstellung des historischen Skulpturenschmucks hat sich die Bürgerschaft freiwillig und ehrenamtlich bereiterklärt. Diese kunsthistorisch hochbedeutende Sandsteinskulptur aus dem Jahr 1700 ist bislang die größte Einzelmaßnahme des Vereins Potsdamer Stadtschloss. Wir danken insbesondere Professor Doktor Taenzer, der große Teile der Modellarbeiten ermöglicht hat. Unser Dank geht auch an unsere Mitglieder und Spender, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sowie die Bildhauer und Restauratoren, die diese Glanzleistung der Barockplastik der Öffentlichkeit und dem Fortuna-Portal als Eingang zum Landtag Brandenburg wiedergegeben haben.“

Die den Beginn der klassischen Potsdamer Bildhauerkunst markierende Großplastik schufen Guillaume Hulot und René Charpentier nach Entwürfen des Architekten Jean de Bodt.

Sie besteht zur Hälfte aus restaurierten Originalteilen – das Oberteil mit dem bekrönenden Adler haben heutige Bildhauer aus dem ursprünglichen Sandstein ergänzt. Dieses Spitzenwerk der europäischen Bildhauerkunst des Barockzeitalters ist eine von insgesamt vier Adlergruppen, die zu den früher das Stadtschloss bekrönenden Figuren gehören. Sie besteht aus einem oben thronenden Adler, der mit Blumen, Waffen und einem Baumstamm umkränzt von zwei positiven  Geistern getragen wird.

Der Figurenschmuck für das Landtagsgebäude wird aus Spenden finanziert. Der Verein Potsdamer Stadtschloss e. V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Mittel für die Restaurierung, Rekonstruktion bzw. Kopie der Skulpturen einzuwerben. Stadtschloss-Verein und Landtag vereinbarten, dass eine Spendenbox für diese Zwecke auf dem Innenhof des Gebäudes aufgestellt wird. Gemäß den Parlamentsbeschlüssen aus den Jahren 2005 [DS 4/1092] und 2008 [DS 4/6102] werden für die Anfertigung und Aufstellung von Attika- sowie Figurenschmuck keine öffentlichen Finanzmittel verwendet.

 

Von den 76 Sandsteinfiguren des einstigen Potsdamer Stadtschlosses sind 17 komplett erhalten, von weiteren 18 konnten unterschiedlich große Teile gerettet werden. Die übrigen, vollkommen zerstörten Figuren können nach historischen Fotoaufnahmen neu geschaffen werden.

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