„Begegnungen sind die Brücken, die wir bauen“ – Britta Stark auf der Woche der Brüderlichkeit

Für Landtagspräsidentin Britta Stark ist das Miteinander von Christen und Juden in Deutschland ein großes Geschenk und die Chance, gemeinsam unterwegs zu sein für Gerechtigkeit, Frieden und die Achtung vor der Würde jedes Menschen. „Die Brücken, die wir bauen, sind unsere Begegnungen. Und diese Begegnungen öffnen Lernwege“, sagte Stark heute zum Auftakt der Woche der Brüderlichkeit in Brandenburg.  Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Potsdam, Tobias Barniske, hatte sie zu einer Festveranstaltung in das Potsdam Museum eingeladen.

„Angst überwinden – Brücken bauen“ ist das diesjährige Motto der Woche der Brüderlichkeit, die bundesweit seit 1952 immer im März von den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit veranstaltet wird und in Brandenburg zum 19. Mal stattfindet. Die Gesellschaften werben für die Verständigung zwischen Christen verschiedener Bekenntnisse und Juden unterschiedlicher Traditionen.

Tobias Barniske verwies auf eine Langzeitstudie der R+V Versicherung, nach der die  Angst vor Terrorismus, vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern und die Befürchtung, mit den Flüchtlingszahlen überfordert zu sein, gegenwärtig zu den größten Ängsten zählten. Solche Ängste würden sich erheblich auf das gesellschaftliche Zusammenleben auswirken, so der Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Potsdamweiter. „Wer von Ängsten bestimmt wird, ist oft nicht mehr bereit, sich einer sachlichen Betrachtung der Umstände zu öffnen.“ Tobias Barniske plädierte vor den 140 Gästen aus Politik und Gesellschaft, von christlichen Kirchen und der Jüdischen Gemeinde dafür, der menschlichen Fähigkeit zur Empathie mehr Bedeutung zu verleihen und zu zeigen, dass ein Brückenbauen zwischen dem Ich und dem Anderen möglich ist. Bestrebungen, Ängste zu instrumentalisieren, müsse man entgegentreten. Ängste seien keine Legitimierung für Rassismus, Antisemitismus und Islamophobie.

„Brücken zu bauen war der Ursprung der ‚Woche der Brüderlichkeit‘ vor 66 Jahren“, erinnerte der Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Berlin, Bernd Streich, in seiner Festrede. „Auch heute gilt: Es ist besser miteinander zu reden, als übereinander. Wir müssen auch darüber reden, was verunsichert, was ängstlich macht.“ Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit wolle Ängste überwinden, Feindbilder abbauen und den Zusammenarbeit in der Gesellschaft stärken, in der Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit keinen Platz hätten, so Streich.

Im Anschluss stellte die Jüdische Gemeinde Potsdam ihre literarisch-künstlerische, seit 2012 in deutscher und russischer Sprache erscheinende Internet-Zeitschrift „LIK“ vor. Schülerinnen und Schüler der Voltaire-Gesamtschule und des Humboldt-Gymnasiums in Potsdam präsentierten deutsch-jüdische Lokalgeschichte, auf die sie beim Erforschen ihrer Heimatstadt gestoßen sind. Am 13. und am 15. März 2018 wird im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit im Potsdamer Filmmuseum der Film „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ gezeigt. Darin erzählen vier Überlebende, wie sie sich während der NS-Diktatur als jüdische Teenager – unter anderem mit blond gefärbten Haaren und mit gefälschten Pässen, einer Tarnung als Hitlerjunge und als Kriegswitwe – im Berliner Untergrund versteckten.

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