AFRIKANISCHE SCHWEINEPEST – Risiko in Deutschland reduzieren

Die Bundesregierung arbeitet seit Monaten daran, das Ausbruchsrisiko der Afrikanischen Schweinepest zu verringern. Das Bundeskabinett hat nun weitere Maßnahmen zur Abwehr beschlossen. Falls die Pest in Deutschland auftreten sollte, könnten die Behörden sofort eingreifen.

zwei Wildschweine stehen in einem WildgehegePotenzielle Seuchengefahr: Wildschweine könnten die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland einschleppen.Foto: picture alliance / Jens Büttner

Das Einschleppen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) nach Deutschland würde neben den Auswirkungen auf die Tiere schwere wirtschaftliche Folgen für Schweinemastbetriebe mit sich bringen. In Deutschland ist Afrikanische Schweinepest bisher noch nie aufgetreten. Die schwere Virusinfektion betrifft ausschließlich Haus- und Wildschweine und ist für Menschen ungefährlich.

Die Afrikanische Schweinepest tritt seit 2007 in der Ukraine, Weißrussland und Russland auf. Seit 2014 gibt es Fälle im Baltikum und Polen. Im Sommer 2017 wurde sie erstmals bei Wildschweinen in der Tschechischen Republik sowie bei Hausschweinen in Rumänien festgestellt. Es besteht die Gefahr, dass die Seuche aufgrund des hohen Infektionsdruckes in weitere Länder der EU verschleppt wird.

Weitere Maßnahmen beschlossen

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt bezeichnete die nun vom Kabinett beschlossenen zusätzlichen Maßnahmen als ein effizientes Instrumentarium, um der Schweinepest wirkungsvoll zu begegnen.
Die Regelungen setzen auch europäisches in deutsches Recht um:

  • Ist die ASP bei einem Wildschwein amtlich festgestellt, dürfen Schweine, frisches Schweinefleisch und Schweinefleischerzeugnisse (von Haus- und Wildschweinen) aus einem gefährdeten Gebiet oder einer Pufferzone grundsätzlich nicht im Inland oder in den EU-Mitgliedstaaten mit- oder ausgeführt werden. Ebenso ist es verboten, Schweine beziehungsweise Schweinefleischerzeugnisse in ein gefährdetes Gebiet zu bringen.
  • Reinigung und Desinfektion von Viehtransportfahrzeugen, die Schweine oder tierische Nebenprodukte aus einem gefährdeten Gebiet transportieren oder dort abgeholt haben.
  • Ausweitung der Maßnahmen zur Erkennung der ASP auf Pufferzonen.
  • Ausdehnung des Gebietes, in dem bei einem ASP-Ausbruch in einem benachbarten Staat, im Inland vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden können von 10 Kilometer auf 100 Kilometer ab Grenze.
  • Die Verwendung von im gefährdeten Gebiet gewonnenen Gras, Heu und Stroh für Schweine ist grundsätzlich verboten. Dadurch kann die ASP passiv eingeschleppt werden.
  • Erweiterung der Anordnungsbefugnisse der zuständigen Behörde, erlegte Wildschweine zu kennzeichnen, zu untersuchen und bestimmten Stellen zuzuführen.

Darüber hinaus ist künftig eine ganzjährige Bejagung von Wildschweinen zulässig. Die durch milde Winter erheblich angewachsenen Wildschweinbestände sollen ausgedünnt und so das Risiko eines Einschleppens der ASP vermindert werden.

Das ASP-Virus wird direkt über Tierkontakte oder indirekt zum Beispiel über Fleisch oder Wurst von infizierten Tieren übertragen. Unter ungünstigen Bedingungen können unachtsam entsorgte Reste von virushaltigem Reiseproviant ausreichen, um die Seuche einzuschleppen. Solche Essensreste sollten daher vermieden oder aber ordnungsgemäß entsorgt werden – das heißt: für Wildschweine nicht zugänglich.

Vorbeugende Maßnahmen ergriffen

Um generell ein Einschleppen von Tierseuchen zu vermeiden, ist das Mitbringen von Fleisch, Fleischerzeugnissen und Milch aus Nicht-EU-Ländern untersagt. Für Haus- und auch für Wildschweine besteht bereits seit Jahrzehnten ein Verbot der Verfütterung von Küchen- und Speiseabfällen.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat unmittelbar nach Bekanntwerden des Ausbruchs in Tschechien folgende Maßnahmen ergriffen:

  • Transportunternehmer, Handel und Jäger wurden entsprechend sensibilisiert. So sind etwa Tiertransportbehälter gründlich zu reinigen.
  • Seit 2014 werden Reisende und Lkw-Fahrer, die nach Deutschland einreisen, mit mehrsprachigen Plakaten auf Rast- und Parkplätzen an Autobahnen über die Übertragung der ASP durch virushaltige Lebensmittel hingewiesen. Dabei stehen vor allem die Autobahnen der Ost-West-Route im Fokus. Ergänzend wurden die Veterinärbehörden der Bundesländer gebeten, unter anderem Erntehelfer aus Osteuropa über Handzettel zu informieren.
  • Seit 2017 sind auch Plakate an Landstraßen im grenznahen Bereich zu Polen und zu Tschechien aufgehängt. Über das Bundesamt für Güterverkehr werden Handzettel auch an Lkw-Fahrer verteilt.
  • In elf Bundesländern informieren Warnplakate über die ASP.

Sowohl Bund und Länder als auch die jeweiligen Länderbehörden tauschen sich seit geraumer Zeit intensiv aus und beraten weitere – einschließlich jagdrechtliche – Maßnahmen. Ebenso gibt es einen regelmäßigen Austausch mit den von der ASP betroffenen Staaten. Alle Maßnahmen werden auf europäischer und internationaler Ebene koordiniert und begleitet. Für die Umsetzung sind in erster Linie die Bundesländer zuständig.

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hatte im Kabinett am 10. Januar über bereits ergriffene Maßnahmen berichtet. Er bezeichnete die Lage als “durchaus ernst”. Für den 26. Februar hat der Minister die Bundesländer sowie weitere Beteiligte zu einem Treffen eingeladen.

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