Abschluss der Sanierung des Schlosses Cecilienhof

Unter Dach und Fach


Die Gerüste sind gefallen: Blick in den Ehrenhof des Schlosses Cecilienhof. Foto: SPSG

Foto: SPSG

Sanierung des Schlosses Cecilienhof in Potsdam ist abgeschlossen

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hat die 2014 begonnene Hüllensanierung des Schlosses Cecilienhof in Potsdam abgeschlossen. Zudem präsentieren sich Schlossräume mit einem neuen Beleuchtungskonzept, wurden bauzeitliche Wand- und Deckenfassungen restauriert bzw. konserviert und die technische Infrastruktur erneuert. Dank der großzügigen Unterstützung in Höhe von 150.000 Euro durch die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e. V. konnten auch die zum Schloss gehörenden Außenanlagen des Prinzenhofs und des angrenzenden Blumengartens denkmalgerecht wiederhergestellt werden.

Möglich wurden die umfangreichen Baumaßnahmen im Inneren und an der Gebäudehülle des Schlosses durch das Sonderinvestitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten (Masterplan), das der Bund (Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) sowie die Länder Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) und Berlin (Senatsverwaltung für Kultur und Europa) für die Jahre 2008 bis 2017 zur Rettung bedeutender Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft aufgelegt hatten. Die Bruttogesamtbaukosten beliefen sich auf ca. 9,7 Millionen Euro. Nach dreieinhalbjähriger Bauzeit sind alle technischen Maßnahmen, Restaurierungsleistungen im Inneren und an der Außenhülle termingerecht innerhalb der veranschlagten Kosten abgeschlossen. Insgesamt waren seit 2014 ca. 45 Bau- und Restaurierungsfirmen vor Ort tätig.

Sanierung bei laufendem Besucherbetrieb
Mit 6.500 m² Dachlandschaft, 11.500 m² Fassadenfläche, 40 aufwändig gestalteten Schornsteinen war die Sanierung des von 1913 bis 1917 errichteten Schlosses Cecilienhof eines der größten Projekte im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms (Masterplan) und eine besondere Herausforderung, da die Arbeiten bei laufendem Besucherbetrieb durchgeführt wurden. In den besucherstarken Monaten von Mai bis Oktober teilten sich bis zu 1.200 Gäste die engen Hofdurchfahrten, Flure etc. täglich mit 15 bis 20 Baufirmen.

Während also unter einem Fangnetz Besuchergruppen aus aller Welt das „Herzstück des Hauses“, die Konferenzhalle der Potsdamer Konferenz, besichtigten, wurden z. B. ca. 360.000 Dachziegel der „englischen Biberschwanzdeckung“ geborgen, gesäubert und mit vorpatiniertem Ergänzungsmaterial wieder neu verlegt. Ebenso erfolgte die Abstrahlung, Reinigung und Dekontaminierung der durch die chemische Holz- und Brandschutzbehandlung der 1960er Jahre geschädigten Holzoberflächen sowie das Neuverlegen von 50.000 m Dachlatten. Der historische Dachstuhl konnte zu 98 Prozent erhalten werden.

Die Fassade ist aus einem „Materialmix“ aus Naturstein-Eichenfachwerk-Ziegelsichtmauerwerk und Putzflächen gestaltet und damit einzigartig unter den Schlössern der SPSG. Alle Oberflächen wurden gereinigt, Fehlstellen ergänzt und das Mauerwerk neu verfugt. Dafür musste Ersatzmaterial beschafft werden: So ist etwa 30 m³ Eichenholz verbaut worden, das ca. 10 Jahre abgelagert war. Außerdem wurden ca. 100.000 Mauerziegel im traditionellen Brandverfahren hergestellt. Der durch viele Reparaturen in der Vergangenheit „einheitsgrau“ gewordene Fassadenputz erstrahlt nun wieder in den Originalfarbtönen Ocker-Gelb-Beige.  

„Moderne“ Fenster
Trotz der eher traditionell wirkenden und handwerklich gestalteten Fassaden ist das Schloss Cecilienhof seinerzeit ein modernes Haus gewesen. Es gab nicht nur von Anfang an eine Zentralheizung – hinter der Schaufassade kamen auch industrielle Materialien zum Einsatz: Es wurden sehr solide Stahlsteindecken eingezogen und Stahlträger verwendet. Modern waren auch die ca. 550 Stahlfenster mit Ihrer Bleiverglasung, die aus vorgefertigten Stahlprofilen bestanden, die damals zeitgleich im Gewerbe- und Industriebau Verwendung fanden. Im Zuge der Sanierung wurden nun sämtliche Fenster sorgfältig demontiert, sandgestrahlt und mit einem Korrosionsschutz versehen. Die historischen Verglasungen wurden wieder eingebaut bzw. ergänzt.

Charakteristische Schornsteine
Seit August 2017 erfolgte der Rückbau aller Wetterdachkonstruktionen und der Fassadenrüstungen. Neben reinen Restaurierungsarbeiten an Eichenholz, Putzflächen, Sicht- und Natursteinmauerwerk wurden mit dem Abbau der Planen und Schutznetze wieder die charakteristischen Schornsteingruppen sichtbar. Aufgrund von schadhaften Verfugungen, Frostschäden und korrodierten Eisengliedern an den 40 im Tudorstil gestalteten Schornsteinen war deren Standfestigkeit gefährdet. Durch behutsames Abtragen, Sichern und handwerkliches Wiederaufbauen ist es gelungen, alle originalen Ziegelformsteine zu erhalten. Sämtliche demontierten Teile wurden wieder mit neuem Mauer- und Verstrichmörtel zusammengefügt.

Gesamtkunstwerk

Zusammen mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischem Landesmuseum (BLDAM) fanden aufwendige Bemusterungen und Erprobungen von Materialien, Farben und Oberflächengestaltungen statt. Nach dem Rückbau der Baustelleneinrichtungen ist das Schloss Cecilienhof 100 Jahre nach seiner Errichtung wieder als Gesamtkunstwerk zu erleben.

Die am Bau beteiligten Planungs- und Ingenieurbüros – Brenne Architekten, Berlin, IBK Ingenieurbüro Dr. Krämer GmbH, Weimar; KWH-Ingenieure, Brandenburg a. d. Havel und die Novabiotec Dr. Fechter GmbH, Berlin – hatten sich dem Leitbild des „würdigen Alterns des Gebäudes“ verschrieben. Dort, wo aus technischen Erwägungen Sicherungsmaßnahmen oder Erneuerungen erforderlich waren, wurden diese realisiert, jedoch immer mit dem Ziel, möglichst wenig Denkmalsubstanz zu verlieren und Patinierungen wie auch Alterungserscheinungen zu akzeptieren und zu erhalten.

Weitere Informationen zum Sanierungsprojekt Cecilienhof sind der kürzlich erschienen Publikation „Zwischen Welt und Erbe – 10 Jahre Masterplan für die preußischen Schlösser und Gärten“ zu entnehmen (Michael Imhof Verlag, 272 Seiten, 310 Abbildungen, 29,95 Euro, ISBN: 978-3-7319-0617-9).

Beteiligte Planungsbüros

  • Brenne Architekten, Berlin: Objektplanungsleistung
  • Ingenieurbüro Dr. Krämer, Weimar: Tragwerkplanung, vorbeugender Brandschutz
  • KWH-Ingenieure, Brandenburg a. d. Havel: Technische Gebäudeausrüstung
  • Novabiotec Dr. Fechter, GmbH, Berlin: Schadstoff- und Abfallmanagement, Sicherheits- und Gesundheitskoordination

Beteiligte Baufirmen

  • Fa. Wolfgang Bauer Ingenieurbau GmbH, Berlin: Rohbau, Putz- und Mauerarbeiten
  • Fa. Blank, Dachdeckerei GmbH, Schwielowsee: Dachdecker- und Klempnerarbeiten
  • Fa. Denkmalbau Ettersburg GmbH: Zimmerer-, Trockenbau- und Holzbauarbeiten
  • Fa. Gerüstbau Tisch GmbH, Berlin: Wetterdachkonstruktionen und Gerüstbau
  • Fa. Becker & Armbrust GmbH, Frankfurt (Oder): Dekontaminierungsarbeiten
  • Fa. RENOVA Sp.zo.o., Eltville: Natursteinarbeiten Fassade
  • Fa. Roland Riesenberg, Jühnsdorf, Naturstein- uns Mauerarbeiten Garten und Treppen
  • Fa. Werkstätten für Denkmalpflege PKZ, Potsdam: Tischlerarbeiten Fenster und Türen
  • Fa. Fritzsch, Rittersgrün: Restaurierung Stahlfenster und historische Bleiverglasungen
  • Fa. Völkl Eisenhüttenstadt GmbH: Heizungs-, Medienverlegung
  • Fa. Lisson, Lindow: Installation Blitzschutzanlagen
  • Fa. Elektrobau Aurich, Beetzseeheide: Elektroanlagen, Installation Starkstrom
  • Fa. Häntsch & Söhne GmbH, Berlin: Garten- und Landschaftsbau
  • Fa. Baum und Park Landschaftsbau GmbH Potsdam, Nuthetal: Wiederherstellung Prinzenhof und Blumengarten

Restaurierung des Gästeappartements
Das Schloss Cecilienhof wurde als Wohnsitz für das Kronprinzenpaar Wilhelm von Preußen (1882-1951) und Cecilie von Mecklenburg-Schwerin (1886-1954) errichtet. Unter der Leitung des Architekten Paul Schultze-Naumburg (1869-1949) erbauten die Saalecker Werkstätten im Neuen Garten eine Residenz im Stile eines englischen Landhauses, die bis 1945 als Domizil für das Kronprinzenpaar und dessen Familie, zu der vier Söhne und zwei Töchter gehörten, diente. Herrschaftlichen Gästen des Kronprinzenpaares stand ein eigenes Appartement direkt über dem Eingang zur Verfügung. Dort übernachtete u. a. die ältere Schwester von Cecilie, Königin Alexandrine von Dänemark (1879-1952), anlässlich Ihrer Aufenthalte in Potsdam.

Das Gästeappartement ist ein Ensemble von vier Räumen und besteht aus Wohn-, Schlaf- und Badezimmer sowie einer Dienerkammer. Alle Entwürfe für die Ausstattung stammen von dem Architekten Paul Ludwig Troost (1878-1934). Vom originalen Mobiliar sind nur wenige Stücke erhalten, wozu neben einem wandfesten Garderobenschrank und einem Frisiertisch zwei Stühle und ein kleiner Tisch im Schlafzimmer gehören. Von herausragender Bedeutung ist die ursprüngliche textile Ausstattung der beiden Haupträume, die seit 1974 deponiert war. Mit erheblichen Aufwand wurden die originalen textilen Wandbespannungen und Fensterdekorationen gereinigt, besonders fragile Stoffe mit passend eingefärbtem Stützgewebe unterlegt, nähtechnisch gesichert und anschließend ihren Funktionen entsprechend in den Räumen montiert. Die Teppichbodenbeläge wurden mit der überlieferten Technik verlegt, wodurch die Räume nun wieder einen authentischen Eindruck von der Wohnkultur und Innenarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts vermitteln. Das Badezimmer wurde behutsam gereinigt, fehlende Sanitärobjekte und Armaturen wurden im Antikhandel erworben bzw. anhand historischer Vorbilder nachgefertigt.

Besucher können im Rahmen von Führungen das Schlafzimmer betreten und in die anderen Räume hineinsehen.

Wiederherstellung des Prinzenhofs und des Blumengartens

Als der Bau des Schlosses Cecilienhof 1917 beendet war, befanden sich die Außenanlagen kriegsbedingt in einem vergleichsweise rudimentären Zustand. Der Hofhaltung des Kronprinzen standen dann nach 1918 nur begrenzt Material und Personal für die wünschenswerte Komplettierung zur Verfügung. Es folgte die Zeit der Potsdamer Konferenz 1945 und die Einbeziehung der Gedenkstätte in den sowjetischen Kulturpark.

Erst nach 1954 konnte der Neue Garten wieder durch die Schlösser- und Gartenverwaltung gepflegt werden. Ging es anfangs hauptsächlich um Substanzerhaltung und Herausnahme sowjetischer Zutaten, konnte ab den 1970er Jahren die Gartenumgebung des Schlosses nach gründlicher Recherche zur Entstehungsgeschichte entsprechend den ursprünglichen Intentionen schrittweise ergänzt werden. In dieser Zeit entstanden die rahmenden Gehölzpflanzungen. Formschnittgehölze und – wie einst von der Kronprinzessin gewünscht – mit Foerster-Stauden bepflanzte Beete ergänzten das Konzept, an dem sich auch die aktuelle Wiederherstellung orientiert.

Nach Abschluss der Hüllensanierung 2018 wurde im Rahmen der durch die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e. V. geförderten denkmalpflegerischen Wiedergewinnung die Chance genutzt, die vorher teils stark überalterten Gehölz- und Staudenflächen in enger Anlehnung an die Originalpläne in neuer Frische anzulegen. Die während des Baumaßnahmen in der Gärtnerei des Neuen Gartens gesicherten Formbäumchen wurden in die wiederhergestellten Flächen integriert.

Ausblick: 75 Jahre Potsdamer Konferenz 2020
Anlässlich des 75. Jahrestages der Potsdamer Konferenz 2020 plant die SPSG im Schloss Cecilienhof eine Ausstellung über das Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Harry S. Truman, des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, Josef W. Stalin, und der Premierminister Großbritanniens, Winston Churchill und Clement R. Attlee, sowie der Außenminister der drei Regierungen, der Stabschefs und anderen Berater auf der von den drei Mächten beschickten „Berliner Konferenz“ von 1945. Vom 1. Mai bis zum 31. Oktober 2020 sollen nicht nur der Ablauf der Konferenz und die Themen, die am Verhandlungstisch geregelt und hinter den Kulissen besprochen wurden, betrachtet werden, sondern – zeitgemäß, nüchtern, ideologiefrei und daher an vielen Stellen herausfordernd – auch die Auswirkungen, die diese Absprachen auf den Fortgang der Weltgeschichte seither hatten. Am authentischen Ort Schloss Cecilienhof wird darum die bestehende Dauerausstellung durch eine temporäre Präsentation ergänzt. Die Ausstellung wird nach Themen und Schwerpunkten strukturiert sein. Ein Hauptaugenmerk liegt auf dem Einsatz von Medien (Foto, Film, Ton), die über den Präsentationszeitraum hinaus erhalten bleiben und die jetzige Dauerausstellung erweitern sollen. Im Zuge der Vorbereitung der Ausstellung, soll ein neues, zukunftweisendes museumspädagogisches Angebot entwickelt werden.

Das Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan)
Mit dem Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan) haben der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg bedeutende Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft vor dem Verfall gerettet. Das Abkommen sah vor, dass die SPSG bis 2017 insgesamt 155,03 Millionen Euro in die Wiederherstellung nationaler Kulturgüter zusätzlich investieren konnte. Der Bund trug 77,5 Millionen Euro (50 Prozent) bei, das Land Brandenburg 53 Millionen Euro (2/3 von 50 Prozent) und das Land Berlin 24,53 Millionen Euro (1/3 von 50 Prozent). Im Jahr 2018 konnte überdies das zweite Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan, SIP 2) starten. Durch dieses 400 Millionen Euro umfassende Abkommen zur Fortsetzung des SIP 1 kann die SPSG bis 2030 insgesamt 400 Millionen Euro zusätzlich in die Rettung nationaler Kulturgüter investieren. Der Bund stellt 200 Millionen Euro zur Verfügung, auf das Land Brandenburg entfallen 131 Millionen Euro und auf das Land Berlin 69 Millionen Euro. Die Vorbereitungen für die ersten Vorhaben laufen. In den kommenden fünf Jahren sollen ca. 25 von insgesamt 60 Projekten begonnen bzw. umgesetzt werden.

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