Abschluss der Sanierung der Neptungrotte im Park Sanssouci

Fantasie in Marmor


Neptun ist zurück: Die 3 Meter hohe Skulptur des Meeresgottes steht seit Juni 2018 wieder auf der Neptungrotte im Park Sanssouci. Foto: SPSG/Werner Menke

Die Wiederherstellung der Neptungrotte im Park Sanssouci ist abgeschlossen

Dank der Vermächtnisse von Gisela Soost und Gerhard Elsner, des großzügigen Engagements des Fernsehmoderators Günther Jauch und vieler weiterer Spender sowie der Besucherinnen und Besucher der Potsdamer Schlössernächte 2014 bis 2016 konnte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) die Instandsetzung der Neptungrotte im Potsdamer Park Sanssouci abschließen. Dieses einzigartige Denkmal aus der Zeit Friedrichs des Großen (1712-1786) hatte durch Witterungseinflüsse und Vandalismus schweren Schaden genommen.

Die 2013 begonnene Sanierung umfasste die statische Ertüchtigung tragender Architekturteile, die Restaurierung der mit rotem und weißem Marmor verkleideten Fassade, der Skulpturen und Muschelbecken, der Innenraumdekoration („Grottierung“) mit dem Marmorboden sowie die gartendenkmalpflegerische Wiederherstellung des Vorplatzes. Die Kosten beliefen sich auf 3,5 Millionen Euro.

Nach der statischen Ertüchtigung des Grottenbauwerks kehrten bereits am 26. Juni 2018 die Attikaskulpturen zurück: der Meeresgott Neptun, von Johann Peter Benckert (1709-1765) nach dem Modell von Georg Franz Ebenhecht (1710-1757) ausgeführt, und zwei Najaden mit Putten von Ebenhecht. Ihre  Restaurierungsgeschichte umfasst lange Zeiträume: Schon 1962/63 war der Oberkörper des Neptun durch die erste größere Marmorkopie nach 1945 von dem Dresdner Bildhauer Peter Makolis ersetzt worden. Alle Skulpturen mussten dann ab 1998 im Zuge von Sicherungs- und Abdichtungsmaßnahmen im Dachbereich abgenommen, restauriert und wegen der fehlenden Standsicherheit der Grotte rund 20 Jahre im Depot aufbewahrt werden. 

Mit der Wiedergewinnung der durch den rosa Kauffunger Marmor ungewöhnlichen farbigen Ausstrahlung der Grotte und ihres reichen Skulpturenschmucks wird dem Park Sanssouci eines seiner kostbarsten und prächtigsten Bauwerke zurückgegeben. 

Knobelsdorffs letzte Schöpfung für den Park Sanssouci
Die von 1751 bis 1757 errichtete Neptungrotte ist die letzte Schöpfung des Baumeisters Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753) für den Park Sanssouci und wurde erst nach seinem Tod vollendet. Die den Park Sanssouci charakterisierende „Nutzung des landschaftlichen Elements Hügel“, dessen Höhepunkt das Schloss Sanssouci mit seiner Terrassenanlage ist, wird im Osten durch die Neptungrotte eingeleitet. Deren bewegter Aufbau und dekorativer Charakter lassen sie zu einem wertvollen Beispiel für die Verbindung von Architektur und Natur im 18. Jahrhundert werden.
 
In der Hauptansicht bildet die Neptungrotte ein triumphbogenartiges Portal, auf dem sich hoch oben der marmorne Meeresgott Neptun mit seinem Dreizack befindet, seitlich von zwei Najden gerahmt. Der Auftrag für die Skulpturen war zunächst an Ebenhecht ergangen, der Erfahrungen mit dem Material Marmor besaß und die Najaden 1752 fertigstellte. 1757 wurde die Ausführung des Neptun wegen seiner Erkrankung an Benckert übergeben, dessen Arbeit sich aber bis 1760 hinzog. Auch die inneren Ausschmückungen der Grotte mit Muscheln, Schilfblumen und Kristallen wurden von Benckert geschaffen. Die beiden Seitenpfeiler der Grotte sind mit je vier untereinander stehenden muschelförmigen Marmorbecken geschmückt. In diese sollte sich aus den Krügen der marmornen Najaden auf der Plinte des Portals Wasser ergießen und zuletzt in die unteren Becken bandartig niederfallen. Doch erst der Einsatz der Dampfkraft schuf 1842 die technischen Voraussetzungen für den Betrieb der Wasserspiele im Park Sanssouci.

Schwere Schäden an Bau- und Zierteilen
Das Bauwerk wurde mit Ziegeln aufgemauert und außen mit Zierteilen aus Carrara- und Kauffunger Marmor (Attikafiguren, Attika, Kranzgesims, Portaleinfassungen, Säulen und Fassadenplatten) dekoriert. Die Bau- und Zierteile aus Marmor wiesen vor allem an den der Witterung ausgesetzten Stellen ausgeprägte Schäden durch Abgrusen (Verwitterungsprozess von Gesteinen, durch den sand- bis kiesgroßes Material entsteht), Schalen- und Rissbildungen auf. Da die Architekturglieder aus Marmor teils konstruktiv-tragende Funktionen haben, kam es durch Verwitterungsschäden zu statischen Problemen. Zudem wurden in den 1970er Jahren die Skulpturen auf der Grotte durch Vandalismus schwer beschädigt. Den Najaden wurden Köpfe und Gliedmaßen abgeschlagen. Die abgebrochenen Teile wurden geborgen und im Rahmen der Restaurierung wieder angesetzt.

Zwischen 1962 und 1966 wurden Instandsetzungs- und Restaurierungsmaßnahmen an der Neptungrotte ausgeführt. Auf Grund des Materialmangels in den Jahren der DDR wurde das schadhafte Kupferdach nur durch eine Eindeckung mit Bitumenpappe ersetzt. Dieses Provisorium sollte das Bauwerk vor eindringender Feuchte schützen, wurde jedoch wegen mangelnder Pflege undicht, so dass es zu starken Durchfeuchtungen des Mauerwerks – insbesondere im Bereich des Kuppelgewölbes kam. Die Schädigung des Mauerwerks und der Verlust von erheblichen Teilen der Grottierungen im Inneren waren die Folge.

Seit 1996 wurden umfangreiche Untersuchungen zum Bauzustand der Grotte, vor allem der Architekturelemente aus Marmor durchgeführt. Die Untersuchungsergebnisse unterstrichen die Notwendigkeit einer schnellen und tiefgehenden Konservierung der Marmorteile. 1997 und 1998 wurde als Sicherungsmaßnahme die Dachkonstruktion erneuert und wieder mit Kupferblech eingedeckt. Dazu mussten die Skulpturen auf der Attika abgenommen werden. Sie wurden konserviert, restauriert und im Depot der SPSG zwischengelagert.

Expertenteam der SPSG
Im Januar 2013 begannen die Baudenkmalpfleger und Restauratoren der SPSG mit der aktuellen Bestandserfassung und stellten – angesichts der vielfältigen Aufgaben – ein großes Team von Experten für Naturstein, Architekturfassungen, Metall und Skulpturen zusammen. Als Grundlage für die zu erstellenden Schadenskartierungen wurden für den Innenraum und die Außenfassaden Aufmasszeichnungen sowie Messbilder erstellt beziehungsweise vervollständigt. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Potsdam wurde die Grottierung des Innenraums restauratorisch untersucht. 

Seit 2014 erfolgten bauliche und restauratorische „Sofortmaßnahmen“ zur Sicherung abgängiger Substanz und zur Abdichtung des Mauerwerks gegen aufsteigende Feuchte: Der Marmorfußboden und das Satyrgitter wurden ausgebaut, lose Grottierung (Muscheln und Mineralien) im Innenraum befestigt und das Mauerwerk gegen Feuchte abgedichtet. Die größten Herausforderungen am Außenbau waren die statische Ertüchtigung tragender Architekturteile (Gewölbe und Säulen) sowie die Festigung aller Werkstücke und der Skulpturen aus Marmor: Sie mussten alle für ein Volltränkungsverfahren mit Acrylharz zwischenzeitlich abgebaut werden und wurden in verschiedenen Werkstätten restauriert, so dass zwischenzeitlich ca. 70 Prozent der Fassade demontiert waren. Ab März 2018 konnte dann mit dem Wiedereinbau der Marmorwerkstücke begonnen werden, im Juni 2018 kehrte nach 20 Jahren Abwesenheit der Skulpturenschmuck samt Neptun zurück. Die Muschelbecken der Kaskaden, das Satyrgitter und „last but not least“ die seitlichen Felsformationen aus Sandstein wurden wiederaufgebaut. 

Im Innenraum erwies sich die Restaurierung und Ergänzung der Grottierung aus verschiedenen Arten von echten (!) Muscheln und Mineralien, die Rekonstruktion der Schilfgehänge sowie die Restaurierung des „inkrustierten“ Marmorfußbodens als besonders anspruchsvoll. Im Ergebnis einer Diplomarbeit an der Fachhochschule Potsdam wurde der Fußbodenaufbau mit einem modernen Drainageestrich verbessert, so dass die restaurierten Fußbodenplatten neu verlegt werden konnten. 

Erhöhter Gartenraum
Friedrich der Große hatte 1745, nachdem zuvor die Weinbergterrassen errichtet worden waren, den Auftrag für den Bau des Schlosses Sanssouci erteilt. Daraus ergaben sich zugleich die von ihm in Skizzen festgelegten Dispositionen für die spätbarocke Gartengestaltung (Rokoko) im Bereich des Östlichen Lustgartens. Dazu gehörte auch die von Knobelsdorff entworfene Neptungrotte. Der etwas erhöhte Gartenraum vor der Grotte sollte hainartig und abgeschieden als querovaler Platz mit einem kleinen Parterre als Gegensatz zu den offenen Obstquartieren erscheinen.

Etwa 100 Jahre später, zur Zeit des Klassizismus, ließ König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) die Anlage restaurieren und 1842 über gusseiserne Rohrleitungen erstmals die Wasserspiele in Betrieb nehmen. Für das Auffangen des Wassers dienten nun zwei kleine Wasserbecken, beidseitig der Grotte bereichert durch Blattpflanzen. Zudem wurden – dem Zeitgeschmack entsprechend – zusätzlich zwei sogenannte Sumpfwasserbecken mit marmornen Randabdeckungen auf den Rasenspiegeln vor der Grotte aufgeführt. Hier schmückten seitdem Wasserpflanzen wie z. B. Iris das Areal, welches fortan auch über die Stufen einer kleinen Marmortreppe aus den Obstquartieren erreichbar war. Deren Wangen erhielten bald eine Betonung durch Vasen und im weiteren Umfeld entstand die Anbindung zur neu errichteten Kaskaden- und Baldachinfontäne. Erst Ausgang des 19. Jahrhunderts – unter Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) – wurde das Parterre zu einem langgezogenen Rasenband verändert und die seitlichen Gartenräume mit immergrünen Gehölzen gestaltet.

Der Vorplatz konnte nun nach dem Vorbild des Zustands in der Mitte des 19. Jahrhunderts gärtnerisch rekonstruiert werden. Dies war möglich, weil bei archäologischen Grabungen die Strukturen der damaligen Gestaltung gefunden wurden, darunter die beiden Sumpfwasserbecken. Die erklären auch das Dekor aus Sumpfblüten und Schilfgehängen, die den Innenraum seit 1843 zieren und eine direkte Verbindung zur Vorplatzgestaltung herstellen.

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