Theateraufführung “Brandenburger Märchen” am 19.11. , 20.11. und 22.11.2017 im Spartacus Potsdam

Der Spartacus e.V. zeigt das Theaterstück „Brandenburger Märchen“ des
Kulturvereins Päwesin e.V., das sich mit der Geschichte der Euthanasie
während des Nationalsozialismus in Brandenburg und mit der Erinnerung daran
beschäftigt. Das Stück geht auf die Initiative von Daniela Klein zurück,
die sich mit der Geschichte der Euthanasie in Brandenburg/Havel beschäftigt
hat. Sie hat sich mit Hilfe alter Adressbücher und Aufzeichnungen sowie
gestützt auf die Recherchen von Dr. Folkert Schröder auf die Suche nach
früheren Anwohnerinnen gemacht. Daniela Klein hat mit ihnen gesprochen und
gefragt, ob sie ihr etwas über die Geschehnisse im Jahr 1940 erzählen
konnten, als zwischen Januar und Ende Oktober über 9000
Psychiatriepatienteninnen mit Bussen in die Tötungs-Anstalt am
Nicolaiplatz gebracht und ermordet wurden.

Dr. Astrid Ley, stellv. Gedenkstättenleiterin in Sachsenhausen, schreibt
dazu in einem Vorwort zur Dokumentation “Brandenburger Märchen”
“Ihr ist dabei gelungen, was ich selbst, als wir 2011 die Ausstellung in
der Euthanasie-Gedenkstätte vorbereiteten, noch für unmöglich gehalten
hatte: Mehr als 70 Jahre nach den Euthanasie-Morden in Brandenburg an der
Havel machte sie ca. 150 Personen in der Stadt und den umliegenden
Gemeinden ausfindig, die sich an die Vorgänge von 1940 erinnerten oder von
ihren Eltern und Großeltern davon gehört hatten und bereit waren, mit ihr
zu sprechen.”

In den Zeitzeug*innengesprächen war die Verwendung eines spezifischen
Vokabulars auffällig. Wörter wie “der Ofen”, “der Ruß”, “die Asche”, “das
Gold”, Dinge, die nicht gesehen oder laut ausgesprochen werden konnten,
assoziieren in hohem Maß eine Verbindung zu Märchen. Märchen sind Form
prosaische Texte, die von wunderbaren Begebenheiten aus dem Leben der
Menschen erzählen. Sie werden mündlich überliefert und haben die Funktion
klare moralische Vorstellung von Gut und Böse zu transportieren.

Diese einzelnen Märchengeschichten, die als Ganzes ein dokumentarisches
Bild der Erinnerung der Menschen und eine Ahnung vom Ausmaß der emotionalen
Verarbeitung geben, finden sich im Stück wieder und geben einen historisch
hochwertigen Einblick, in welchem Maße hier Verdrängungsprozesse bei den am
damaligen Geschehen Beteiligten abgelaufen sind.

Auch in Potsdam findet sich mit dem Erinnerungsort “Lindenstraße” ein
geschichtlich bedeutsamer Ort für die als “Aktion T4” bekannt gewordenen
Morde an über 70.000 Menschen in ganz Europa. Von 1934 bis 1945 befand sich
in dem Gebäude das Potsdamer “Erbgesundheitsgericht”, das über 3300
Menschen als „erbkrank“ erklärte und deren Zwangssterilisation anordnete.
Dies geschah im Zuge des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“,
mit dem die Nationalsozialisten die sogenannte „Rassenhygiene“ fördern
wollten.

Die Erinnerung an diese unmenschlichen Verbrechen darf nicht verloren
gehen. Darum möchte der Spartacus e.V. das Theaterstück aufführen und
wendet sich in diesem Zusammenhang gemeinsam mit dem Kulturverein Päwesin
gezielt an Potsdamer Schülerinnen und Schüler sowie Bildungseinrichtungen.
Wenn Jugendliche und junge Erwachsene Geschichte kennen und verstehen
lernen, ist dies vielleicht der beste Weg um der Wiederholung eben dieser
Geschichte zu begegnen. Darüber hinaus richten sich die Aufführungen
natürlich auch an alle interessierten Potsdamerinnen und Potsdamer.

Im Rahmen einer jeden Aufführung wird es daher Raum geben um das Thema
besprechen zu können. Am Ende stehen die Schauspieler*innen und
Projektverantwortlichen für Fragen und Diskussionen zur Verfügung.

Förderer und Kooperationspartner des Stückes ist Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, die Landeshauptstadt Potsdam, das Brandenburger Theater, der GeDenkOrt.Charite und natürlich wir selbst der Spartacus

 

Ein Vorverkauf findet unter www.tixforgigs.com statt.

Termine:

19.11.2017 Beginn: 18:30 Uhr Einlass: 17:45 Uhr

20.11.2017 Beginn: 18:30 Uhr Einlass: 17:45 Uhr

22.11.2017 Beginn: 18:30 Uhr Einlass: 17:45 Uhr

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