„Prima, Ballerina!“ – Wie Beelitzer Kinder bei weltklasse Tänzern Grazie lernen

Horacio Cifuentes hält große Stücke auf Amelie: „Wenn sie dranbleibt und sich weiter ausbilden lässt, dann stehen ihr alle Wege offen – auch auf die großen Bühnen.“ Und tatsächlich sitzt fast jede Bewegung, wenn die Siebenjährige durch den Tiedemannsaal wirbelt. Scheinbar spielend kombiniert sie die Schritte, wechselt zwischen Galopp und Chassee, bleibt dabei im Rhythmus der Klaviermusik und lächelt fast schon professionell.

Cifuentes weiß, wovon er spricht: Er selbst war ungefähr in Amelies Alter, als er mit dem Tanzen begonnen hatte. Seine Karriere führte den gebürtigen Kolumbianer schon in jungen Jahren über Spanien und Polen in die USA, wo er eine erstklassige Ausbildung erhielt und acht Jahre als Solist beim renommierten San Fransisco Ballett engagiert war. Gemeinsam mit seiner Frau Beata, die er dort kennenlernte und die ebenfalls schon als Kind Ballettunterricht bekam, betreibt er heute eine Tanzakademie für alle Altersgruppen und Leistungslevels. Ihre Workshops und Seminare richten sich an Laien ebenso wie ausgebildete Tanzlehrer und an Kinder und Jugendliche. Der Unterricht findet in Berlin und Beelitz statt.

Die Jüngsten unterrichtet Beata Cifuentes und wenn man die Gruppe der vier– bis sechsjährigen Mädchen sieht, fällt einem ihre gerade Haltung ins Auge. Beim Dehnen werden Figuren wie Kerze, Brücke und Spagat elegant vollführt und so manch Erwachsener würde staunen, wozu die Kinder in der Lage sind. Verblüffend ist auch die Disziplin, die die angehenden Ballerinen an den Tag legen: Beata Cifuentes schafft es, sie anzuspornen und ihren Ehrgeiz zu wecken, sie am Ball zu halten.

Während des 60-minütigen Unterrichts lenkt sie den kindlichen Bewegungsdrang gekonnt in Schritte und Figuren. Das bereitet nicht nur den Kleinen Freude: „Mit den Kindern ist es so ein ehrlicher und direkter Austausch, ein so liebevoller Miteinander, dass man sich reich fühlt“, sagt Beata Cifuentes. Besonders die Kinder, aber die erwachsenen Schüler, würden den beiden immer ans Herz wachsen. Ohnehin fühlen sich Cifuentes‘ in Beelitz wohl, wie sie sagen: Vor 18 Jahren sind sie von der Spree an die Nieplitz übergesiedelt – „wegen akuter Grün-Entzugserscheinungen“, wie Frau Cifuentes sagt.

Dem Wohnortswechsel folgt zurzeit schrittweise der des Arbeitsplatzes: Seit gut einem Jahr bieten sie neben ihren Kursen in Berlin in Beelitz jeden Dienstagabend Ballett für Erwachsene sowie Tanz-Fitness und am Freitagnachmittag Kindertanz für Teilnehmer ab vier und Kinderballett für Teilnehmer ab sieben Jahren an. Die Nachwuchskurse sind mittlerweile so gut belegt, dass das Pre-Ballet demnächst gesplittet werden kann. „Wir suchen noch nach geeigneteren Räumlichkeiten in Beelitz und Umgebung, um ein eigenes Studio einrichten zu können“, erklären die beiden.

Am frühen Freitagabend steht dann Orientalischer Tanz auf dem Programm – ein Genre, dass Beata und Horacio Cifuentes einst selbst vom Nachtclub auf die Theaterbühne geholt haben. Bereits 1991 gründete Beata das erste Studio für orientalischen Tanz und Bauchtanz in Berlin, leistete gewissermaßen Pionierarbeit. Neben ihrer Lehrtätigkeit arbeiten Cifuentes‘ ständig an ihrem Show-Programm mit vielen weiteren internationalen Beteiligten. Unter der Marke „Oriental Fantasy“ touren sie um die ganze Welt, in diesem Sommer stehen Auftritte in Tokio und Helsinki auf dem Programm. Hinzu kommen Workshops überall in Deutschland. Danach freuen sich die beiden aber auch wieder auf zu Hause: Auf das grüne Beelitz und ihre Schüler.

 

Zum Spargelfest wird die „Tanzakademie Cifuentes“ am Samstag, 4. Juni, ab 16.20 Uhr mit ihren Schülern auf der Hauptbühne einen Einblick in ihre Arbeit geben.  

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