News Ticker von der ILA Berlin Air Show 2016

 

Gabriel lobt Entwicklung der ILA zur Innovations-Leitmesse

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat die Neuausrichtung der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA als Leitmesse für Innovation und Zukunftstechnologie begrüßt. Gabriel nannte die Branche bei der ILA-Eröffnung die „Speerspitze der Zukunftstechnologie“. Ihre globale Bedeutung wirke sich „weit über die klassische Industrie hinaus bis hin zum Handwerk“ aus, sagte der SPD-Politiker. Die Perfektion von Forschung und Technologie lasse sich bei der ILA in Berlin „wie an keinem anderen Ort der Welt“ beobachten.

Der Präsident des Bundesverbandes der Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Bernhard Gerwert, wies zur Bedeutung der Branche darauf hin, dass „der deutsche Mittelstand an jedem auf der Welt gebauten Flugzeug beteiligt ist“. Zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Raumfahrt erinnerte er daran, dass beispielsweise die heutige Kommunikation ohne sie nicht möglich wäre. Gerwert gab sich zuversichtlich, dass die Arbeitsplatzentwicklung auch im nächsten Jahr wieder ein Allzeithoch erreichen werde, und unterstrich die Nachhaltigkeit der Wertschöpfung mit dem Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die gesagt hatte, dass die Branche „manch wahr werdende Zukunftsvision“ verkörpere.

Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke, in dessen Bundesland die ILA stattfindet, stellte erfreut fest, dass es in der Region Berlin-Brandenburg in dem Vierteljahrhundert seit der Wiedervereinigung gelungen sei, einen wichtigen Standort der deutschen Luftfahrttechnologie zu schaffen – „eine Entwicklung, die uns damals keiner zugetraut hätte“.

Airbus verkauft zwei H145 an Wiking Helikopter

Airbus Helicopters und Wiking Helikopter Service haben am Mittwoch auf der ILA einen Vertrag zur Beschaffung von zwei H145-Hubschraubern in Offshore-Konfiguration unterzeichnet. Damit hat sich das traditionsreiche deutsche Unternehmen erstmals für Helikopter von Airbus entschieden. Die Lieferung der ersten Maschine wird Ende 2016 erfolgen. „Wir freuen uns, dass wir mit der H145 eine Maschine gefunden haben, die genau unsere Anforderungen bei Einsätzen über dem Meer erfüllt“, sagte Wiking-Geschäftsführer Alexander von Plato. Er würdigte insbesondere die Vorteile des neuen Helionix-Cockpits mit Vier-Achsen-Autopilot und Auto-Schwebeflugfunktion. Wiking ist darauf spezialisiert, Seelotsen auf Schiffe in der Deutschen Bucht zu versetzen, versorgt Offshore-Einrichtungen insbesondere im Bereich der Windindustrie und betreibt seit 2012 in Zusammenarbeit mit dem ADAC einen Rettungshubschrauber für Offshore-Einsätze.

Enders: Airbus „klotzt“ bei Emissionsverringerung

Airbus-Chef Thomas Enders hat sich zu weitreichenden Umweltzielen bekannt. „Wir kleckern nicht, wir klotzen“, sagte er auf der ILA 2016 zu den Aktivitäten seines Konzerns. Als Beleg führte er die Einrichtung einer Kooperation mit Siemens namens  „eSystems“ an, in das beide Unternehmen zur Erforschung elektrischer Antriebe im Luftverkehr in den nächsten fünf Jahren jeweils einen dreistelligen Millionenbetrag investieren wollen. Enders und der Vorstand der den Grünen nahestehenden Heinrich-Böll-Stiftung, Ralf Fücks, stellten Ergebnisse einer zweijährigen Gesprächsphase führender Grünen-Politiker mit Airbus-Managern vor. Es sei keine „Harmonieveranstaltung“ gewesen, sagte Fücks. Einig waren sich beide, dass allein graduelle Verbesserungen nicht ausreichten. Allerdings gab es auch Dissens. „Wir müssen bis Mitte des Jahrhunderts bei klimaneutralem Fliegen gelandet sein“, sagte Fücks, während Enders das Ziel wiederholte, bis 2050 die CO2-Emissionen bei Airbus um 75 Prozent zu verringern. Der Konzernchef wandte sich gegen einseitige europäische Regulierungen. Er gab sich aber wie auch Fücks zuversichtlich, dass es zu einem globalen Konsens über Klimaziele des Luftverkehrs komme. Enders richtete heftige Angriffe an die europäische Politik, der es seit Jahrzehnten nicht gelinge, einen einheitlichen europäischen Luftraum zu schaffen und damit für deutlich weniger Treibstoffverbrauch zu sorgen. Außerdem forderte er von der deutschen Politik mehr steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung.

Neue Studien informieren über Luftfahrt Zuliefererindustrie

Zwei aktuelle Studien wurden im Rahmen der Eröffnung des International Suppliers Centers (ISC) auf der ILA 2016 präsentiert. Der Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Arndt Schoenemann, stellte zunächst die Supply Chain Excellence (SCE-) Zuliefererstudie des BDLI vor, eine großangelegte Umfrage unter mehr als 450 deutschen Luftfahrt- Zuliefererbetrieben. Darin wurde insbesondere deutlich, dass die Mehrzahl der Betriebe kleine und mittlere Unternehmen sind, die sich zudem nicht allein auf die Aerospace-Branche konzentrieren, sondern ein diversifiziertes Geschäft etwa auch mit dem Automobil- und Maschinenbau betreiben. Die Internationalisierung, neue Geschäftsmodelle und Kooperationen sehen sie als Hauptaufgaben der kommenden fünf Jahre an. Risk-Sharing-Entwicklungen mit internationalen Partnern sind dabei nicht sehr beliebt. Die befragten BDLI-Mitglieder sind sich der Herausforderungen des strukturellen Wandels bewusst, der auch Konsolidierung und Integration in größere Einheiten bedeuten kann.

Bernd Papenstein von PwC Deutschland referierte eine weitere Studie zur finanziellen Situation der deutschen Aerospace-Zulieferbetriebe, die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie entstand. Kernaussagen waren hier zum einen ein beobachtetes Unverständnis seitens der Finanzindustrie für die speziellen Herausforderungen der Luft- und Raumfahrtindustrie, etwa die Langfristigkeit von Programmen. Und zum anderen konnten auch umgekehrt Defizite bei den Herstellern hinsichtlich der Kenntnis finanzieller Instrumente  oder kritischer Unternehmensgrößen festgestellt werden. Von beiden Seiten wurden bürokratische Hürden beklagt, vor allem der hohe Grad der Regulierung und die komplexen Fördermittelverfahren. „Man kann zwar nicht von einem Marktversagen sprechen, aber es geht auf jeden Fall besser“, betonte Papenstein am Ende. Das 2015 auf 600 Millionen Euro verdoppelte Luftfahrtausrüsterprogramm der Bundesregierung etwa ist ein klares Zeichen erkanntes Verbesserungspotential.

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