Merkel: Ein Anspruch an unser Handeln

„Wir müssen nachhaltiges Handeln als persönliche Verantwortung jedes Einzelnen verankern“, sagte die Bundeskanzlerin auf der Jahrestagung des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Merkel rief dazu auf, den Entwurf der neuen Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie mitzudiskutieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf der 16. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung.Merkel: Die Nachhaltigkeitsziele müssen konkretisiert und für jeden verständlich gemacht werden.Foto: Bundesregierung/Steins

Das Wort Nachhaltigkeit habe längst einen festen Platz im fachlichen wie alltäglichen Sprachgebrauch gefunden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der 16. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung in Berlin.

In ihrer Rede sprach die Kanzlerin viele Aspekte der Nachhaltigkeit an und stellte fest: Wer darauf achte, wie oft der Begriff auftaucht, der merke, „Nachhaltigkeit ist ein allgemeiner Anspruch an unser Handeln geworden“.

Bis zum Ende des Jahrhunderts blicken

Mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung gelte dies umso mehr, denn alle hätten Anspruch auf ein gutes Leben. Merkel führte fort: „Das Nachhaltigkeitsprinzip stellt uns die Frage: Sind unsere Entscheidungen enkeltauglich oder zumindest kindertauglich?“ Schon dies verlange, bis zum Ende des Jahrhunderts zu blicken.

Im vergangenen Jahr hat sich die Weltgemeinschaft auf die Agenda 2030 geeinigt. Dies sieht die Kanzlerin als gute Nachricht. Die Vereinbarung, so Merkel, sei nicht nur ein Bekenntnis zur nachhaltigen Entwicklung, sondern nehme das gesamte Spektrum in den Blick – Umwelt, Wirtschaft und soziales Leben.

Mit 17 Zielen und 169 Unterzielen sei die Agenda umfangreicher geworden als noch die Milleniumsziele. Merkel: „Dazu gehört natürlich der Kampf gegen Armut, gegen Hunger, gegen Diskriminierung von Frauen. Dazu gehört Bildung für alle, der Schutz des Klimas und der Biodiversität, mehr Engagement für Frieden und Rechtsstaatlichkeit, um nur ein paar Beispiele zu nennen.“

Dass sich alle 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen auf gemeinsame Nachhaltigkeitsziele verständigen konnten, sei ein Riesenerfolg, so Merkel. Zum Tragen komme die Agenda jedoch erst, wenn sie Schritt für Schritt umgesetzt werde. Und weiter: „Wir wissen aus Erfahrung mit der Umsetzung der Milleniumszielen, dass wir uns schon sehr anstrengen müssen.“ Es gehe jetzt darum, die Ziele zu konkretisieren und sie verständlich zu machen, betonte die Kanzlerin und folgerte: Je mehr Menschen sich angesprochen fühlten, umso besser könne das Gemeinschaftswerk auch gelingen.

Nachhaltigkeit auf allen Ebenen umsetzen

Entwicklungsminister Gerd Müller forderte, Nachhaltigkeit müsse das Prinzip des privaten, gesellschaftlichen und politischen Handelns sein. Die größte Herausforderung sei, eine Welt ohne Hunger zu schaffen, ohne die ökologischen Grundlagen zu zerstören, „denn Nachhaltigkeit beginnt zunächst einmal damit, zu überleben“.

„Nachhaltigkeit ist eine aktuelle Grundfrage unserer Zivilisation“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. „Denn es liegt an unserer Generation, heute die Grundlagen dafür zu schaffen, dass für die kommenden Generationen die Welt lebenswert ist.“ Der Zeitplan für eine nachhaltige Agenda 2030 hingegen sei sehr eng. Daher werden im Bundesumweltministerium die mittel- und langfristigen Zielvorgaben – vom Städtebau, über den Klimaschutzplan 2050 und die Ressourceneffizienzstrategie bis zur Nachhaltigkeitsstrategie – überarbeitet.

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka bezeichnete Forschung und Bildung in ihrer Rede als tragende Elemente der Nachhaltigkeit. Sie verwies auf das Pariser Klimaschutzabkommen, in dem sich die Unterzeichner verpflichteten, die Forschungsmittel für Fragen erneuerbarer Energien zu verdoppeln. Die ganze Welt blicke auf Deutschland, ob es die Energiewende tatsächlich schafft, so Wanka. Dabei zeige sich zunehmend, wie sich neue Entwicklungen in die Umwelt auszahlen. Inzwischen komme 14 Prozent der weltweit produzierten Umwelttechnik aus Deutschland.

Alle können sich beteiligen

Die Bundesregierung lädt jeden ein, sich an der Diskussion über den Entwurf der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zu beteiligen. Interessierte können ihre Stellungnahmen bis Ende Juli 2016 per E-Mail an nachhaltigkeitsdialog@bpa.bund.de senden.

Im Mittelpunkt der 16. Jahrestagung des von der Bundesregierung eingesetzten Rates für Nachhaltige Entwicklung steht die Weiterentwicklung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Grundlage bildet die Agenda 2030, welche die Vereinten Nationen im September 2015 beschlossen haben. 17 Ziele sollen zum Wohle aller, auch künftiger Generationen, nachhaltig ausgerichtet werden: von Armutsbekämpfung über Produktion und Konsum bis hin zu Frieden und Gerechtigkeit.

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