Glas-Ausstellung im Potsdam Museum

Bildnachweis:
Walzenkrug, Goldrubinglas, Glasschnitt: Gottfried Spiller oder Umkreis, Potsdam, Anfang 18. Jahrhundert © Düsseldorf, Museum Kunstpalast, Glasmuseum Hentrich, Foto: Studio Fuis – ARTOTHEK

Gläserne Welten. Potsdamer Glasmacher schneiden Geschichte gezeigt.

Zum Abschluss der Ausstellung führt die Glasexpertin Dr. Verena Wasmuth am Sonntag, den 19. November, um 14 Uhr durch die Ausstellung.

Die Ausstellung beginnt im Jahr 1674 mit Kurfürst Friedrich Wilhelm, der eine Glashütte in Drewitz unweit von Potsdam gründete und damit mehr als bloß wirtschaftliches Kalkül verfolgte. Die Gründung war Teil der Idee des Kurfürsten, das „Eyland [zu] eine[m] Paradies“ zu gestalten. Dieses Vorhaben bezog alle Lebensbereiche des Hofes mit ein, und dazu gehörte eine gut funktionierende Glasproduktion in der Nähe der Stadt. Glas war noch weit davon entfernt, ein Objekt des alltäglichen Gebrauchs zu sein, und so erzeugte die Drewitzer Hütte allein gläserne Kunstwerke für den Regenten. Um ihre Konkurrenzfähigkeit zu garantieren, holte der Kurfürst erfahrene Glasmeister aus anderen Kurfürstentümern sowie dem Ausland nach Potsdam. 1678 erhielt Friedrich Wilhelm Nachrichten von einem Alchemisten am sächsischen Hof, der dort erfolgreich Phosphor hergestellt habe und auch in der Glaskunst nicht unbewandert sei. Der Kurfürst warb Johann Kunckel ab und initiierte damit eine kurze, aber umso nachhaltigere Blütezeit der Glasproduktion in Potsdam. Kunckel gewann mit der Neuerfindung des Goldrubinglases die ausdrückliche Wertschätzung des Großen Kurfürsten, der dem Alchemisten die Pfaueninsel zur Errichtung eines Labors für ungestörte Glasexperimente schenkte. Kurz zuvor hatte Friedrich Wilhelm zudem eine zweite Glasmanufaktur in Potsdam gegründet, die noch näher als die Drewitzer am Stadtschloss lag: Die Hütte auf dem Hakendamm unweit des heutigen Potsdamer Hauptbahnhofs. Waren in Drewitz nur zögerliche Anfänge der später so berühmten Luxusglasproduktion gelegt, führten Kunckel und die eingewanderten Hofglasschneider die Potsdamer Hütte zu einer wahren Blüte. Sie stellten feine Kristallgläser her, die mit den besten Hervorbringungen aus Italien und Böhmen mithalten konnten und sich durch Härte und durchscheinende Klarheit auszeichneten. Sie gehören zu den schönsten Beispielen der barocken Glaskunst. Erst durch die persönliche Begegnung mit den fragilen Exponaten erschließt sich die Komplexität der handwerklichen Fähigkeit, mit der die vielfältigen Bildthemen in das transparente Material geschnitten wurden. In der hochkarätigen Sonderausstellung werden knapp 100 Exponate von 23 institutionellen und privaten Leihgebern sowie der hauseigenen Sammlung präsentiert.

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