Die guten Geister von Zauchwitz

Ob Frauentags- oder Weihnachtsfeier, Sommerfest oder kleine Empfänge: Wenn die Zauchwitzer Ortsvorsteherin Ellen Wisniewski einlädt, so hat sie stets zwei gute Geister, die im Hintergrund wirbeln. Marlis Wagner und Helmut Haverland backen, kochen, besorgen die Getränke, richten den Gemeinderaum her und räumen hinterher auch wieder auf – und das alles ehrenamtlich. Immerhin kann sich Frau Winsiewski mit ihren fast 90 Jahren ja nicht selbst um alles kümmern. „Die beiden sind immer zur Stelle, wenn Not am Mann ist“, schwärmt sie.

Dafür hat das in Zauchwitz lebende Ehepaar jetzt ein besonderes Dankeschön bekommen: Brandenburgs Bildungsminister und Landtagsabgeordneter im hiesigen Wahlkreis Günter Baaske (SPD) überreichte im Namen seiner Parteifreundin Wisniewski einen großen Blumenstrauß. „Das wäre doch nicht nötig gewesen“ – die Reaktion der beiden sei typisch für Ehrenamtliche, sagte Baaske. „Aber es ist nötig. Denn man kann gar nicht oft genug Danke sagen, wenn Menschen ihre Freizeit für andere opfern.“ Auch Bürgermeister Bernhard Knuth würdigte die Leistung der beiden: „Wenn man sieht, wie viel Leben in Zauchwitz herrscht, kann man sich ungefähr vorstellen, was das auch an Arbeit bedeutet.“

Marlis Wagner und Helmut Haverland leben seit rund zehn Jahren Zauchwitz, er hatte zuvor 40 Jahre lang als Polizist in Potsdam-Eiche gearbeitet. „Nie die Dienststelle gewechselt, nur einmal das Weltsystem“, witzelt er. Seine Frau, die aus Dessau stammt, war Zeit ihres Lebens Leiterin in einer Großküche gewesen – und das wurde ihr in Zauchwitz ein bisschen zum Verhängnis. Als sie 2007 zur Weihnachtsfeier des Ortes ihre Hilfe anbot und die leckersten Kuchen zubereitete, konnten die Nachbarn gar nicht genug davon bekommen. Und so ging es weiter: Bis zu vier Veranstaltungen im Jahr richten Marlis Wagner und Helmut Haverland für „ihre Ellen“ aus.

Sich für andere einzusetzen gehört für die beiden Zauchwitzer dazu: Viele Jahre engagierten sie sich bei der Beelitzer Tafel, schafften die Lebensmittel heran und sorgten mit für die Verteilung. Ein weiterer Mittelpunkt der ehrenamtlichen Arbeit ist heute der Kleingartenverein „An der Kiesgrube“ in Beelitz, wo Marlis Wagner und Helmut Haverland selbst eine Parzelle bewirtschaften. Sie ist auch Vorsitzende des Vereins und sorgt für Gemeinschaft unter den Gartennachbarn. So wurde in diesem Jahr erstmals ein Maifest gefeiert. Als Maibaum musste Helmuts Fahnenmast herhalten, für die Krone musste die Fahne seines Lieblingsfußballclubs Borussia Dortmund weichen – eine schmerzliche Erfahrung, bemerkt er lächelnd. Sogar ein Kinderfest wurde in diesem Jahr schon gefeiert: Mit Ponys, Elektroautos und Glücksrad.

Auch als Kleingärtner verlieren die beiden Zauchwitzer Bedürftige nicht aus dem Blick: Erzeugnisse wie Salat, Radieschen, Rhabarber und Kräuter, die sie nicht für den Eigenbedarf oder für die Feiern in Zauchwitz verarbeiten, spenden sie an eine Einrichtung für betreutes Wohnen in Seddin. „Ebenso wie die Kinder unsere Zukunft sind, sind wir auch der „alten“ Generation zu Dank verpflichtet, dass sie uns den Weg bereitet hat“, sagt Marlis Wagner – und denkt dabei auch ein bisschen an ihre Zauchwitzer Bürgermeisterin.

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